«Bewegung an der frischen Luft ist präventiv» – fünf Luzerner Hausärzte kritisieren die Coronamassnahmen und fordern Normalität

Fünf Luzerner Hausärzte fordern von Alain Berset das Ende der Coronamassnahmen in ihrem Fachbereich. Im Brief an den Bundesrat kritisieren sich auch dessen Massnahmen.

Dominik Weingartner
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Hausärzte können derzeit seltener ihrer normalen Arbeit nachgehen.

Hausärzte können derzeit seltener ihrer normalen Arbeit nachgehen.

Bild: Keystone/Gaetan Bally

Die Massnahmen des Bundes zur Eindämmung des Coronavirus geraten auch in der Luzerner Ärzteschaft zunehmend unter Druck. Fünf Luzerner Hausärzte haben sich nun zusammengetan, um einen offenen Brief an Gesundheitsminister Alain Berset zu schicken. Der Brief soll am Mittwoch verschickt werden.

Initiator des Briefes, der unserer Zeitung vorliegt, ist der Hausarzt Andreas Heisler von der Rontalpraxis in Ebikon. Im Brief beschreibt er die Situation der Hausärzte im Kanton Luzern: «Was uns hier in Luzern auffällt, ist die Tatsache, dass es in den letzten vier Wochen für uns wahrnehmbar nur wenig Infekte gegeben hat, einige Corona-positiv Getestete, alle aber praktisch mit leichten grippeartigen Symptomen und einer folgenlosen Ausheilung.» Stattdessen beobachte man andere Phänomene: «Leere Agenden bei uns Hausärzten und auch bei den Spezialisten, Patienten, die aus Angst vor dem Virus ihre Termine bei uns absagen, eine leere Notfallpraxis und vermehrt Patienten mit Angststörungen und Panikattacken.»

«Massnahme begünstigt Krankheiten»

Das Schreiben fordert die Wiederherstellung der «medizinischen Regelversorgung». Die Ärzte befürchten, dass ernste Erkrankungen nicht mehr erkannt oder behandelt werden können, wenn die Leute aus Angst vor dem Coronavirus keine Arztpraxen mehr aufsuchen. «Die Massnahmen sind für uns alle sehr einschneidend und greifen auch in unsere verfassungsgemässen Grundrechte ein. Zudem tragen sie unbeabsichtigt zur Entstehung und Aufrechterhaltung von Ängsten bei, auch weil das Militär mobilisiert worden ist, um die für uns bis jetzt nicht wahrnehmbare Krise zu bewältigen», heisst es im Brief weiter. Auch sei es falsch, über 65-Jährige aufzufordern, zu Hause zu bleiben. Denn:

«Bewegung an der frischen Luft ist nachweislich ein wichtiges Element in der Prävention von Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Krebs und zum Beispiel auch Osteoporose.»

Und: «Die Massnahme, die vorgibt, Leben zu retten, begünstigt also Krankheiten bei einem Grossteil der Betroffenen.»

Unabhängig von diesem Brief stellt auch der Kinder- und Jugendarzt Urs Schumacher vom Zentrum für Kinder- und Jugendmedizin in Emmenbrücke die Fortführung der Coronamassnahmen in Frage. Er stellt die vom Bundesamt für Gesundheit gestern kommunizierten 641 Todesfälle in Zusammenhang mit dem neuen Coronavirus in Relation zu den «täglich 180 Menschen in unserem Land», die eines natürlichen Todes sterben. Betrachte man die Altersverteilung der Corona-Toten nüchtern, «findet man eine verblüffende Ähnlichkeit mit der natürlichen Altersverteilung der in der Schweiz im Jahr 2018 verstorbenen Menschen», so Schumacher.

«Das Coronavirus scheint in der Feldbeobachtung für die gesunde und junge Bevölkerung nicht besonders gefährlich zu sein», sagt Schumacher und spricht von eigenen Fällen. Es handle sich um ein neuartiges Virus, dass sich «sehr schnell auf eine immunologisch nicht darauf vorbereitete Population ausbreitet und damit kurzfristig zu einer höheren Sterberate bei Menschen mit schweren Vorerkrankungen und betagten Personen führt», sagt der Kinder- und Jugendarzt.

Schulen sollen bald wieder öffnen

Für ihn ist klar, dass die gefährdete Bevölkerungsgruppe geschützt werden muss. «Für den Rest der Bevölkerung sollten wir schrittweise und kontrolliert den Weg zur Normalität einschlagen. Das Virus lässt sich so oder so nicht mehr aus der Welt schaffen; auch mit den drakonischsten Abriegelungs- und Quarantänemassnahmen nicht», sagt Schumacher. Ihm sei es ein Anliegen, «die massiven Ängste und Phobien, die bei Kindern, Jugendlichen und Familien durch die medialen Auftritte und das gegenwärtige soziale Klima ausgelöst wurden, zu versachlichen». Es gebe seines Wissens keine Evidenz, die gegen die «baldige Wiederaufnahme eines geordneten Grundschulbetriebes spräche, und wir können den Kinder nicht mehr länger nur aus Sorge um ihre Grosseltern ihr Recht auf Bildung und altersentsprechende Entwicklung vorenthalten».