BEWEGUNG: Kanton will Sport stärker fördern

Die Bevölkerung des Kantons soll sportlicher werden. Ein Schwerpunkt liegt dabei besonders auf einer Bevölkerungsgruppe.

Martina Odermatt
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Sportanlässe wie hier der Jugitag sollen Kinder im Kanton Luzern zu mehr Bewegung motivieren. Bild: Philipp Schmidli (Nebikon, 7. Juni 2015)

Sportanlässe wie hier der Jugitag sollen Kinder im Kanton Luzern zu mehr Bewegung motivieren. Bild: Philipp Schmidli (Nebikon, 7. Juni 2015)

Vor drei Jahren hat der Kanton das Sportförderungsgesetz verabschiedet. Dieses beauftragt den Luzerner Regierungsrat, ein sportpolitisches Konzept zu erlassen. Nun liegt ein Entwurf mit fünf Handlungsfeldern vor, der zeigt, wo der Kanton Schwerpunkte setzen will. Finanziert werden die Massnahmen primär aus einem Sportfonds, der durch Beiträge aus dem kantonalen Anteil am Gewinn der Swisslos-Lotterien geäufnet wird. Der Sportförderung stehen jährlich 3,76 Millionen Franken zur Verfügung. Das Konzept vereint bisherige sowie neue Massnahmen.

Sport im Kinder- und Jugendalter: Beispielsweise durch das Projekt «MiMuKi» sollen Eltern mit Migrationshintergrund zum Vorschulturnen mit ihren Kindern motiviert werden. Mit dem Fokus auf den freiwilligen Schulsport sollen zudem besonders Mädchen, junge Frauen, Kinder und Jugendliche mit Übergewicht sowie Kinder mit Migrationshintergrund zu mehr Bewegung animiert werden.

Breitensport: Sportorganisationen werden jährlich mit Mitteln aus dem Sportfonds unterstützt. Die IG Sport Luzern vergibt zudem zusammen mit dem Kanton einen Preis für die ehrenamtliche Person des Jahres. Auch Sportanlagen sollen verbessert werden.

Leistungssport: Der Kanton will optimale Rahmenbedingungen schaffen, damit Luzerner Athleten an internationalen Grossanlässen teilnehmen können. Auch soll eine sportfreundliche Schulkultur für Leistungssportler gefördert werden. Der Kanton möchte Lehrlinge und Mitarbeiter unterstützen, damit sie ihre Arbeit und die Sportkarriere miteinander vereinbaren können. Besondere sportliche Erfolge sollen ausserdem angemessen gewürdigt werden. Zusammen mit der IG Sport Luzern verleiht der Kanton Preise für den Sportler und den Nachwuchssportler des Jahres sowie einen Anerkennungspreis.

Sportentwicklung: Das Unterrichtsfach Bewegung und Sport soll weiterentwickelt werden. Ausserdem wird ein Sportanlagenkonzept erarbeitet, um die Sportinfrastruktur im Kanton Luzern zu fördern.

Sicherheit, Integration, Prävention: Der Kanton setzt den Schwerpunkt unter anderem auf die kulturelle Vielfalt. Menschen mit Migrationshintergrund sind laut Vereinsstudien sportlich weniger aktiv, besonders Mädchen und junge Frauen sind in Sportvereinen untervertreten. Sie sollen den Zugang zum Sport finden. Auch Personen mit einer Behinderung sollen gezielt gefördert werden. Zusammen mit der IG Sport Luzern wird zudem ein Präventionspreis verliehen, der besondere Leistungen würdigt.

Ausländer sollen motiviert werden

Gerade Ausländer sollen zu Bewegung und Sport motiviert werden. «Wir beabsichtigen, Kinder und Jugendliche über den Sport in unsere Gesellschaft zu integrieren», sagt Philipp Wermelinger, Beauftragter für Sport und Bewegung von der Dienststelle Gesundheit und Sport beim Kanton Luzern. Erreichen wolle man dies mit der Schaffung von Angeboten, die für Kinder mit Migrationshintergrund leichter zugänglich sind – zum Beispiel dem freiwilligen Schulsport, dem School Dance Award oder dem Projekt «MiMuKi».

Stellung des Sports in der Politik fördern

René Baumann, Geschäftsleiter der IG Sport, begrüsst dieses Sportkonzept des Kantons. Die IG Sport war an der Realisierung des Konzepts in beratender Funktion beteiligt. Generell ist Baumann mit der Stellung des Sports zufrieden. «Es ist schwierig, den Kanton Luzern mit anderen Kantonen zu vergleichen, weil diese andere Strukturen haben. Grundsätzlich kann man jedoch sagen, dass Luzern in Sachen Sport durchaus Aufholbedarf hat», erklärt er. Denn auch wenn Sport in der Gesellschaft bereits eine grosse Bedeutung habe, mit diesem Konzept finde der Sport auch auf einer politischen Ebene endlich etwas Gehör. Doch laut Baumann reichen die Mittel des Sportfonds nicht aus, um alle Massnahmen befriedigend zu realisieren. «Ich würde es befürworten, wenn auch Steuergelder in den Sport fliessen würden, wie das beispielsweise bei der Kultur der Fall ist», sagt er.

Das Konzept ist bis zum 31. März in der Vernehmlassung.

Martina Odermatt
martina.odermatt@luzernerzeitung.ch