BEWILLIGUNG: Wie lauten Luzerns Spielregeln?

Ein amerikanischer Basketballprofi musste die Schweiz dieser Tage verlassen. Zum Ver- hängnis geworden sind ihm die ausgeschöpften Arbeits- kontingente im Kanton.

Ismail Osman
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Musste das Land verlassen: US-Profi Andre Stephens (Mitte) gehörte bis Ende Februar zum Kader von Swiss Central Basket. (Bild Manuela Jans-Koch)

Musste das Land verlassen: US-Profi Andre Stephens (Mitte) gehörte bis Ende Februar zum Kader von Swiss Central Basket. (Bild Manuela Jans-Koch)

Ismail Osman

Luzerns Swiss Central Basket gehört zu einer Handvoll von Zentralschweizer Vereinen, die in der höchsten Klasse ihres Sports spielen. Ihre Saison dauert noch bis Anfang April. Den letzten Abschnitt der Saison müssen sie jedoch mit einem Handicap bestreiten: Einer ihrer drei ausländischen Profis, der US-Amerikaner Andre Stephens (28), musste Ende Februar das Land verlassen. Grund dafür seien die Kontingentsregelungen des Kantons Luzern (Ausgabe vom 18. Februar). Sämtliche anderen Nationalliga-A-Mannschaften verfügen während der gesamten Saison über mindestens drei Ausländer.

Wie funktionieren die Kontingentsregelungen für ausländische Arbeitnehmer aus Nicht-EU-Staaten? Wer entscheidet, ob jemand eine entsprechende Aufenthaltsbewilligung erhält? Weshalb musste Stephens noch vor Saisonende gehen? Und nach welchen Kriterien wurde dies entschieden?

Bund bestimmt Höchstzahlen

Fakt ist, dass das Staatssekretariat für Migration (SEM) des Bundes die kantonalen Höchstzahlen für Aufenthaltsbewilligungen für Nicht-EU-Bürger festsetzt. Grundsätzlich gilt: Ausländerinnen und Ausländer können zur Ausübung einer Erwerbstätigkeit nur zugelassen werden, wenn nachgewiesen wird, dass keine dafür geeigneten inländischen Person oder Angehörige von Staaten, mit denen ein Freizügigkeitsabkommen abgeschlossen wurde, gefunden werden können.

Der Bund unterscheidet zwischen zwei Arten von Kontingenten:

  • Kurzaufenthaltsbewilligungen (L-Ausweis) für befristete Aufenthalte mit Erwerbstätigkeit bis zu einem Jahr. Der Kanton Luzern verfügt gemäss der Verordnung über Zulassung, Aufenthalt und Erwerbstätigkeit 2016 über ein Kontingent von 88 solcher Bewilligungen (zum Vergleich: Zürich: 403, Zug: 36, Uri: 8).
  • Aufenthaltsbewilligungen (B-Ausweis) für Aufenthalte mit Erwerbstätigkeit, die länger als ein Jahr dauern. Luzern verfügt momentan über 55 solcher Bewilligungen (Zürich: 252, Zug: 23, Uri: 5).

Gemäss dem Luzerner Amt für Migration hat der Bund die Kontingente für Drittstaatsangehörige auf 2015 hin reduziert. 2013 verfügte Luzern noch über 110 urzaufenthaltsbewilligungen und 77 Jahresaufenthaltsbewilligungen pro Jahr.

Kontingente ausgeschöpft

2015 seien die Luzerner Kontingente für Kurzaufenthaltsbewilligungen komplett ausgeschöpft worden, sagt Alexander Lieb, Leiter des Amts für Migration: «Aufgrund der grossen Nachfrage mussten im letzten Jahresquartal 15 zusätzliche Kontingente beim SEM beantragt werden.»

Wer die zur Verfügung stehenden Bewilligungen erhält, entscheidet das Amt für Migration, dies allerdings unter Vorbehalt der Zustimmung durch den Bund.

Zu den wichtigsten Kriterien für die Erteilung einer solchen Bewilligung gehören gemäss Lieb folgende Punkte:

  • Gesuch eines Arbeitgebers um eine Arbeitsbewilligung liegt vor.
  • Inländervorrang wurde geprüft.
  • Lohn- und Arbeitsbedingungen müssen erfüllt sein.
  • Persönliche Voraussetzungen (Qualifikationen) müssen gegeben sein.
  • Bedarfsgerechte Wohnung muss vorhanden sein.

Wirtschaft hat den Vortritt

Wie aber verhielt sich die Sachlage bei Andre Stephens? Alexander Lieb verweist darauf, dass gemäss Weisungen vom Bund Sportlern in erster Linie Kurzaufenthaltsbewilligungen erteilt werden sollen. «Im vorliegenden Fall wurde nach Gesuchseingang mit Swiss Central Basket in einem persönlichen Gespräch nach einer Kompromisslösung gesucht», erklärt Lieb. «Es wurde entschieden, für zwei Personen eine Kurzaufenthaltsbewilligung und für einen der Mitspieler lediglich eine 4-Monate-Bewilligung zu erteilen.» Eine solche 4-Monate-Bewilligung fällt nicht unter die Kontingentsregelung.

Dies lässt darauf schliessen, dass Swiss Central zu Gunsten von jemand anderem das Nachsehen hatte. Lieb bestätigt, dass gewisse Branchen und Bereiche im Vorteil sind: «Das Amt für Migration ist bemüht, nebst den wirtschaftlichen Aspekten auch die kulturellen Interessen zu berücksichtigen», sagt Lieb. «Es ist aber so, dass wirtschaftliche Interessen grundsätzlich stärker gewichtet werden.» Dies, weil bei der Beurteilung auch die nachhaltige Wirtschaftsentwicklung des Kantons zu berücksichtigen sei.

Ist Basketball eine Randsportart?

Noldi Huber war bis vor kurzem Präsident von Swiss Central und ist noch immer stark in den Verein involviert. Er hat im Vorfeld der laufenden Saison die Bemühungen um die Verpflichtungen der ausländischen Spieler eng begleitet. «Das war enorm aufwendig und mit vielen Verhandlungen verbunden», sagt Huber.

Zwar sei das Amt für Migration dem Verein gegenüber stets hilfsbereit und korrekt entgegengekommen, betont Huber. Dennoch ist man an unüberwindbare Grenzen gestossen. «Es gibt Dinge, die wir schlicht und einfach akzeptieren mussten – auch wenn wir nicht einverstanden waren.» So sei die verkürzte Aufenthaltsbewilligung von Stephens, nebst dem Verweis auf die limitierten Kontingente, auch damit begründet worden, dass Basketball eine Randsportart sei. «Mir ist bis heute nicht klar, welche Verordnung eine solche Klassierung stützen würde oder ob überhaupt eine offizielle Einteilung der Sportarten besteht», sagt Huber.

Andre Stephens setzt seine Karriere derweil in Schottland fort. Er ist neu bei den Glasgow Rocks aus der höchsten britischen Basketballliga unter Vertrag.

HINWEIS
Am kommenden Samstag findet ab 17:45 Uhr der «Super Saturday» statt. In der Luzerner Maihofhalle spielt dann zunächst Swiss Central Basket gegen Union Neuchâtel. Danach tritt der Handballclub Kriens-Luzern gegen den BSV Bern Muri an.