Interview

Bezahlen mit Daten: Data Café versucht, Luzerner mit Gratis-Kaffee zu sensibilisieren

Das Konzept ist simpel: Wer persönliche Daten wie E-Mail-Adresse und Geburtsdatum angibt, bekommt «gratis» einen Kaffee. So möchte Data Café die Bevölkerung für den Datenschutz sensibilisieren.

Pablo Jonas Mathis
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Am Samstag ist Data Café ab 7 Uhr am Wochenmarkt in Luzern

Am Samstag ist Data Café ab 7 Uhr am Wochenmarkt in Luzern

Quelle: Data Café

Am Samstag kann in Luzern ab 7 Uhr am Wochenmarkt ein Kaffee zum Preis von persönlichen Daten gekauft werden. Gegen Angabe von Daten wie Name, Geschlecht, E-Mail-Adresse und Wohnkanton erhalten Partizipanten einen Kaffee. Das Ziel ist es, die Bevölkerung auf das Internet-Tauschgeschäft «Daten gegen Dienstleistungen» von vielen «gratis» Online-Diensten wie Whatsapp, Tiktok und Facebook aufmerksam zu machen.

Data Café ist eine vom Verein Opendata.ch umgesetzte und vom Programm Digitalisierung + Gesellschaft der Mercator-Stiftung unterstützte Initiative.

Wir haben mit Nikki Böhler, Geschäftsführerin von Opendata.ch, gesprochen:

Nikki Böhler ist Geschäftsführerin von Opendata.ch

Nikki Böhler ist Geschäftsführerin von Opendata.ch

Quelle: Data Café

Data Café hat es sich zum Ziel gesetzt, die Bevölkerung für das Thema Datenschutz zu sensibilisieren. Doch weshalb ist Datenschutz so wichtig?

Durch Datenschutz sind wir in der Lage, die Kontrolle zu behalten. Denn durch unsere Daten geben wir auch viel über uns selbst preis. Ferner ist auch eine Beeinflussung der Menschen denkbar. Nichtsdestotrotz kann das Angeben von Daten auch positive Auswirkungen haben. Man denke hier Beispielsweise an die Contact-Tracing-App. Vor diesem Hintergrund muss man differenzieren können. Wir wollen also nicht nur auf Datenschutz aufmerksam machen, eine kritische Auseinandersetzung mit der Materie ist genauso unser Ziel.

Sie haben es bereits angedeutet. Hat die Coronakrise unsere Wahrnehmung von Datenschutz und Privatsphäre verändert?

Definitiv. Das sonst so abstrakte Thema Datenschutz wurde auf einen Schlag konkret. Viele Menschen müssen nun in Restaurants ihre Kontaktdaten angeben.

Weshalb kommen bei vielen Menschen bei der Contact-Tracing-App Bedenken auf, wenn Facebook, Tiktok und Co. weiterhin bedenkenlos genutzt werden?

Dies zu verstehen, ist ein zentrales Anliegen unserer Initiative. Wir wollen das Verhalten der Menschen besser nachvollziehen. Die Gründe für dieses zwiespältige Verhalten sind wohl multikausal. Bei der Tracing-App ist der Gegenwert, der Beitrag zum Gemeinwohl, abstrakter; andere Onlinedienste bieten hingegen einen unmittelbaren persönlichen Mehrwert. Ferner mangelt es den Menschen auch oft an Alternativen. Man hat zum Beispiel nicht die Möglichkeit, mit Geld anstatt mit Daten zu zahlen.

Wie fallen die Reaktionen auf Ihr Data Café aus? Können Sie die Menschen sensibilisieren?

Vor allem wollen wir die Menschen auf den Wert und die Rolle von Daten aufmerksam machen und einen bewussten Umgang mit Daten fördern. Dies ist uns gelungen.

Des Weiteren geht es auch darum zu verstehen, wieso Individuen eine bestimmte Einstellung vertreten. Aussagen wie: «Die wissen eh schon alles, also kann ich ruhig weitere Daten angeben», oder: «Es gibt halt keine Alternativen» helfen uns dabei. So können wir weitere Aktionen besser vorbereiten.

Sie leisten Aufklärungsarbeit. Sind wir den grossen Tech-Unternehmen schutzlos ausgeliefert oder können wir uns noch schützen?

Auch hier versuchen wir, Antworten zu geben. Auf unserer Website geben wir Interessierten detaillierte Anweisungen. Am wichtigsten ist es jedoch, sich stets zu fragen, ob die Dienstleistung es wirklich wert ist, seine persönlichen Daten preiszugeben. Wenn ja, gilt es, so wenig Daten wie möglich preiszugeben, zur Not könnten auch falsche Angaben gemacht werden.


Übrigens: Die angegebenen Daten werden von Data Café anonymisiert und von der Universität Zürich für Forschungszwecke weiter verwendet.