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BEZEICHNUNG: In der Ostschweiz haben’s Städte leichter

Gemeinde oder Stadt? Diese Frage beschäftigt in Emmen und Kriens seit Jahren. Zwei Ostschweizer Gemeinden haben darauf eine rasche und unkomplizierte Antwort gefunden.
Beatrice Vogel
Ein Bild aus der Vogelperspektive: Die Gemeinde Kriens von oben. (Symbolbild) (Bild: Philipp Schmidli (Kriens, 27. August 2016))

Ein Bild aus der Vogelperspektive: Die Gemeinde Kriens von oben. (Symbolbild) (Bild: Philipp Schmidli (Kriens, 27. August 2016))

Beatrice Vogel

beatrice.vogel@luzernerzeitung.ch

Was Grösse und Ortsbild betrifft, könnten sich Emmen und Kriens schon lange Stadt nennen. Doch beide legten bisher Wert auf die Bezeichnung Gemeinde – eine Umbenennung wurde in Abstimmungen deutlich abgelehnt. Nun erhält das Anliegen wieder Aufwind: In Emmen hat die CVP ­einen Vorstoss eingereicht, und in Kriens bringt der Gemeinderat das Thema Stadt ins Gespräch. Auch Ebikon spielt mit dem Gedanken einer Umbenennung (Ausgabe vom 21. März).

Dass sich Agglomerations­gemeinden schwertun, sich als Stadt zu bezeichnen, ist nicht nur ein Luzerner Phänomen: Mit 40000 Einwohnern eine der grössten Agglogemeinden ist das bernische Köniz, wo 2004 die Umbenennung in Stadtgemeinde klar abgelehnt wurde. Wie die Gemeinde auf ihrer Website schreibt, ist Köniz «ein Dorf geblieben». Auch Therwil BL hat seit 2014 mehr als 10000 Einwohner, doch bezeichnet sich die Gemeinde lieber als Dorf.

Gemeindeversammlung sagt Ja zur Stadt

Es gibt jedoch auch Ortschaften, die in jüngster Zeit eine Umbenennung vollzogen haben. So Romanshorn TG, das sich seit 2014 stolz Hafenstadt nennt. Aktuell zählt diese 10700 Einwohner. «Schon beim Überschreiten der 10 000er-Marke wurden die Behörden von vielen Seiten motiviert, den Schritt zur Stadt zu wagen», sagt Bettina Beck, Stadtschreiberin von Romanshorn. Dafür habe gesprochen, dass Romanshorn «seit geraumer Zeit» als eines der sechs kantonalen Zentren definiert wurde. «Im Ort selbst war die Meinung positiv, auch wenn es natürlich Stimmen gab, die das Thema lieber zurückhaltend angegangen wären.» Die Gemeindeversammlung verabschiedete die revidierte Gemeindeordnung und gab damit grünes Licht für die Stadt. Romanshorn zeichne sich durch den grössten Hafen am Bodensee und durch gute Verkehrsanbindungen als Stadt aus, so Beck. Dies mache die Hafenstadt zu einem interessanten Ort für Wirtschaft und Bevölkerung. 2014 wurde zudem die räumliche Stadtentwicklung unter Einbezug der Bevölkerung definiert. Beck: «Romanshorn wurde schon in den 1850ern als Stadt angelegt, schliesslich aber nicht fertiggebaut. Darauf basiert unsere Stadtentwicklung.»

Grösste Gemeinde zwischen Chur und St. Gallen

Auch Buchs im St. Galler Rheintal nennt sich seit dem 1. Januar 2015 Stadt. «Die Umbenennung hat sich aus diversen Gründen aufgedrängt», sagt Stadtpräsident Daniel Gut (SP). Einerseits ist Buchs mit über 12000 Einwohnern die bevölkerungsreichste Gemeinde zwischen Chur und St. Gallen. Andererseits ist Buchs ein regionales Zentrum, was Wirtschaft, Arbeit, Einkaufen und Bildung betrifft. Hinzu kommt seine Bedeutung als Grenzort zum Fürstentum Liechtenstein. «Bei jungen Leuten war die Umbenennung unumstritten. Schon lange hat es sich im Sprachgebrauch eingebürgert, dass man ‹in die Stadt› geht, wenn man nach Buchs kommt», erklärt Daniel Gut. Bei älteren Buchsern habe der dörfliche Charakter der Quartiere aber nach wie vor ­einen hohen Stellenwert. «Die Unterstützung der Bevölkerung ist auch dadurch gegeben, dass wir uns als Kleinstadt bezeichnen.»

Der Anstoss kam aus der Bevölkerung

Die Umbenennung zur Stadt Buchs wurde nicht an der Urne beschlossen. «Der Gemeinderat brachte im Rahmen einer Neupositionierung zusammen mit weiteren beteiligten Kreisen die Debatte ins Rollen», sagt Gut. Die Umbenennung wurde vom Gemeinderat beschlossen und an einer Bürgerversammlung (Gemeindeversammlung) kommuniziert. Die entsprechende formelle Anpassung der Gemeindeordnung wurde von einer späteren Gemeindeversammlung einstimmig beschlossen. «Geändert hat sich, dass Fremd- und Eigenwahrnehmung nun kompatibel sind: In der Fremdwahrnehmung ist Buchs schon lange eine Kleinstadt, in der Eigenwahrnehmung seit der Diskussion und dem Beschluss der Umbenennung.»

Warum tun sich also Kriens und Emmen so schwer, wenn es um die Bezeichnung Stadt geht? Betreffend wirtschaftliche, kulturelle und gesellschaftliche Bedeutung dürften sich die beiden Gemeinden auf dem Niveau von Buchs bewegen, ganz zu schweigen von der Einwohnerzahl. Auch das Ortsbild ist städtischer. Der Grund für das Zögern dürfte in der Zentrumsfunktion liegen. Romanshorn und Buchs sind selber kleine Zentren in ihrer Region. Wer in Luzern «in die Stadt» geht, begibt sich eben in die Stadt Luzern und nicht nach Emmen. Doch auch in den Agglogemeinden sind kleine Subzentren am Entstehen. Das könnte sich mittelfristig auch auf die Stadtfrage auswirken.

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