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BEZIRKSGERICHT: Er fuhr die Frau mit Absicht zweimal an – und machte sich aus dem Staub

Es gibt Menschen, die haben eine kurze Zündschnur. Ein Funke reicht aus, dass sie explodieren. Von aussen sieht man es ihnen nicht an – und das macht sie unberechenbar. Von so einem Menschen handelt diese Geschichte.
Lena Berger
Gegen den Mann liegen keine harten Beweise vor, trotzdem hat das Gericht aufgrund der schlüssigen Indizienkette keine Zweifel an seiner Schuld. (Symbolbild)

Gegen den Mann liegen keine harten Beweise vor, trotzdem hat das Gericht aufgrund der schlüssigen Indizienkette keine Zweifel an seiner Schuld. (Symbolbild)

Es ist ein Samstag im September, kurz vor Ladenschluss. Ein Ehepaar fährt durch einen Luzerner Vorort in Richtung Innenstadt. Sie fahren einer schmalen Strasse am Rande eines Industriegebiets entlang, da müssen sie abbremsen, weil ein Wagen vor ihnen die Fahrbahn blockiert. Der Autolenker ist mitten im Gespräch mit einem Bekannten – und er lässt sich weder durch Handzeichen noch durch Hupen dazu bewegen, die Durchfahrt freizugeben.

Der Ehemann ist genervt. Deshalb ist es die Frau, die aussteigt. Sie geht auf den anderen Autofahrer zu, um ihm zu sagen, dass er doch bitte wegfahren soll. Doch sie hat den Wagen noch nicht mal erreicht, da passiert das Unglaubliche.

Wie aus dem Nichts setzt der Fahrer sein Auto in Bewegung – direkt auf die Frau zu. Er fährt sie mit voller Absicht an. Sie wird auf die Motorhaube geschleudert. Als sie von dem Wagen runterrutscht, setzt er zurück und erwischt sie noch mal mit der Fahrerseite. Die Frau fällt mitten auf der Strasse zu Boden und bleibt liegen. Der Fahrer wendet und braust an ihr vorbei, ohne auch nur einen Blick zurückzuwerfen.

Eine Prellung an der Hüfte, eine Zerrung am Knie und Schürfungen – das ist das Resultat der Attacke. Der Ehemann fährt seine Frau ins Spital. Den Rest des Nachmittags verbringt er dort, tigert durch die Gänge, während seine Frau untersucht wird – und macht sich seine Gedanken über den Mann, der ihr das angetan hat.

Kein Wunder, traut er seinen Augen kaum, als der Kerl plötzlich wieder vor ihm steht. Wegen Migräne ist er nur wenige Stunden nach seinem Opfer ebenfalls ins Krankenhaus gefahren. Der Ehemann verständigt die Polizei. Diese nimmt Ermittlungen auf. Wenige Monate später muss sich der Autofahrer vor dem Bezirks­gericht verantworten. Die Staatsanwaltschaft wirft ihm unter anderem vorsätzliche Körperverletzung vor.

Reuig zeigt sich der Mann nicht. Der Schweizer streitet rundheraus ab, etwas mit der Tat zu tun gehabt zu haben – auch wenn das Unfallauto seine Kontrollschilder trug und die Zeugen ihn als den Täter wiederkennen. Das seien Wechselschilder, die er manchmal auch draussen aufbewahre. Die seien auch schon mal abhandengekommen, so müsse es auch an dem Tag gewesen sein. Die Zeugen, die ihn gesehen haben wollen, müssen sich täuschen.

Kann man dieser Geschichte Glauben schenken? Der Richter jedenfalls tut es nicht – auch wenn der Beschuldigte seinerseits einen Zeugen nennt, mit dem er besagten Nachmittag angeblich verbracht hat. Zu widersprüchlich sind die Aussagen, was er an dem Tag alles gemacht haben will. «Das Verschulden wiegt schwer. Der Beschuldigte hat skrupellos gehandelt und ist uneinsichtig», heisst es im noch nicht rechtskräftigen Urteil.

Das Gericht verurteilt den Mann wegen Körperverletzung mit einem gefährlichen Gegenstand und Fahrerflucht zu einer bedingten Geldstrafe von 270 Tagessätzen à 120 Franken – und einer Busse von 4000 Franken. Das ist viel Geld für einen Mann, der aufgrund des Fahrausweisentzugs derzeit nicht mehr arbeiten kann. Dass die Strafe so scharf ausfällt, liegt daran, dass der Mann erst vor kurzem wegen übler Nachrede verurteilt worden ist. Er hatte den Ruf seines Nachbarn in Schmutz gezogen, indem er im Quartier verbreitet hatte, dieser sitze in Untersuchungshaft – obwohl er in Wahrheit in den Ferien war.

Bleibt der Mann so hitzköpfig und unbelehrbar, könnte ihn das noch teurer zu stehen kommen. Denn er wird sich bereits in wenigen Wochen wieder vor Gericht verantworten müssen: Ihm wird in einem dritten Fall Nötigung, Sachbeschädigung und Verstösse gegen das Strassenverkehrs­gesetz vorgeworfen.

Lena Berger

lena.berger@luzernerzeitung.ch

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