Frau wehrt sich bei Polizeikontrolle mit Händen, Füssen und Zähnen

Als die Polizei eine 49-Jährige zu Hause kontrollieren wollte, sprang sie aus dem Fenster. Jetzt urteilt das Bezirksgericht Willisau.

Sandra Monika Ziegler
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Nach knapp 40 Minuten Verhandlung verliess die Beschuldigte am Donnerstag das Bezirksgericht in Willisau. Sie war aufgewühlt und den Tränen nahe. Ihr wird vorgeworfen in angetrunkenem Zustand ein Auto gefahren zu haben und danach bei der Kontrolle handgreiflich geworden zu sein. «Ich wurde vorhin gar nicht ernst genommen, man hat mir nicht richtig zugehört», erzählt die 49-Jährige auf dem Weg in die nächste Gaststube.

Was war geschehen? An einem Abend Ende November 2018 habe sie das Auto aus der Garage gefahren, um etwas aus derselben zu nehmen. Sie liess das Auto vor der Garage stehen und ging wieder ins Haus. In der Zwischenzeit hatte ihr Mann die Polizei angerufen und gemeldet, dass sich seine Frau mit dem Wagen aus dem Staub machen würde. Als er sie im Haus sah, rief er nochmals an und sagte, sie sei jetzt wieder da, es habe sich erledigt. Nicht so für die Polizei: Denn die Beamten waren bereits ausgerückt und klingelten auch wenig später an der Haustüre.

«Ich sah nichts und schrie nach Hilfe»

Die Frau fühlte sich überrumpelt, wie sie sagt. Sie habe Panik bekommen und sei durchs Fenster ins Freie geflohen. Die Polizei setzte zur Verfolgung an. «Es war stockdunkel und ich konnte nicht sehen, wer da kam und wurde mit einer Taschenlampe ins Gesicht geblendet. Ich sah nichts und schrie um Hilfe», beschreibt sie den Vorfall. Den Zuruf der Polizisten «Halt, Stehenbleiben, Polizei!» habe sie nicht gehört. Sie habe einfach nur Angst gehabt.

Als sie von der Polizei eingeholt wurde, wehrte sie sich mit Händen und Füssen und fing laut an zu schreien. Dies habe ein Hundespaziergänger gehört und ihr zugerufen «Ich rufe die Polizei». Daraufhin hätten die Polizisten zurückgerufen: «Wir sind die Polizei.» Doch da sei es schon zu spät gewesen, die Panik habe sie nicht mehr klar denken lassen. So die Version der Beschuldigten.

In Handschellen abgeführt

Im Protokoll wird dazu vermerkt, dass die 49-Jährige zuerst mit einem «Escortgriff» gestoppt werden musste und dann auf einen Stuhl, der vor dem Haus stand, gesetzt wurde. Sie sei aufgefordert worden, dort sitzen zu bleiben. Aber die Frau ergriff erneut die Flucht. Sie wurde wieder gestoppt, in Handschellen gelegt und schliesslich abgeführt.

Im Wagen hat sie laut Protokoll dann mit Händen und Füssen weiter um sich geschlagen, gegen das Frontgitter, die Seitenscheiben und den Fahrzeughimmel. Auch habe sie versucht, einen der Polizisten zu beissen. Damit kam es zur Anzeige wegen Gewalt und Drohung gegen Behörden und Beamte.

Die Frau will einen Freispruch

Das, wie auch das Fahren in angetrunkenem Zustand, bestreitet sie vehement. Sie versucht zu erklären, dass Tage zuvor bei ihr eingebrochen wurde und sie auch deshalb in Panik geraten sei. Weil die Polizisten derart unverhältnismässig auf sie «los» gingen, habe sie sich einfach gewehrt. Das habe sie dem Gericht erklären wollen, doch die hätten kein Gehör gehabt. Inzwischen stiess ihr Mann dazu.

Auf die Frage, warum er die Polizei anrief, wollte er nicht eingehen. Zum Verfahren sagte er: «Ich bin erstaunt, das alle eingereichten Beweisanträge nicht gewürdigt wurden.» Das Urteil wird der Frau in den nächsten Wochen schriftlich zugestellt. Sollte sie verurteilt werden, so das Paar, würden nächste juristische Schritte in die Wege geleitet.