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BEZIRKSGERICHT KRIENS: Streit unter Bauarbeitern: Erst geprügelt, dann verklagt

Zuerst verprügeln sie sich, dann verklagen sie sich: Zwei Handwerker streiten vor dem Bezirksgericht Kriens. Dabei zeigt sich, wie auf Baustellen teils Welten aufeinanderprallen.
ARCHIV - 20.01.2017, Hamburg: Bauarbeiter stehen auf einer Baustelle in der Hafencity. (zu dpa «Forscher erwarten 2018 neue Arbeitsmarkt-Rekorde» vom 22.03.2018) Foto: Daniel Reinhardt/dpa +++ dpa-Bildfunk +++ (KEYSTONE/DPA/Daniel Reinhardt) (Symbolbild: Daniel Reinhardt / DPA / Keystone)

ARCHIV - 20.01.2017, Hamburg: Bauarbeiter stehen auf einer Baustelle in der Hafencity. (zu dpa «Forscher erwarten 2018 neue Arbeitsmarkt-Rekorde» vom 22.03.2018) Foto: Daniel Reinhardt/dpa +++ dpa-Bildfunk +++ (KEYSTONE/DPA/Daniel Reinhardt) (Symbolbild: Daniel Reinhardt / DPA / Keystone)

«Muss ich dir eine Zeichnung machen?», schreit der Vorarbeiter den Strassenbauer an. «Pass bloss auf!», brüllt der zurück. Es folgt ein Gerangel, beide knallen auf den Boden. Die umstehenden Bauarbeiter zerren denjenigen, der oben liegt, vom anderen runter. Es wird noch ein wenig gebrüllt, dann ist der Spuk vorbei. Während sich der Vorarbeiter wieder an die Arbeit macht, verlässt der andere wutschnaubend die Baustelle in Meggen.

Fast zwei Jahre später stehen sich die beiden im Gerichtssaal in Kriens gegenüber. «Wollen Sie die Strafanzeige nicht doch zurückziehen?», fragt der Anwalt des Strassenbauers den Vorarbeiter, der seinen Klienten wegen Körperverletzung angezeigt hat. «Hätte ich eine Entschuldigung bekommen, würde ich das wahrscheinlich machen. Aber er hat mich ja auch verklagt, also kommt das nicht in Frage.»

Die Fronten sind verhärtet, die Verhandlung nimmt ihren Lauf. Als Erstes darf der Vorarbeiter aussagen, der geklagt hat. Er hatte nach der Schlägerei ein blaues Auge, eine Unterschenkelprellung und einen gestauchten Mittelfinger. 13 Tage war er arbeitsunfähig. Lebhaft schildert er, was ihm angetan wurde. Es habe Streit darüber gegeben, in welcher Reihenfolge die Belagsarbeiten ausgeführt werden sollten. Als Vorarbeiter sei es sein Recht gewesen, das zu entscheiden. Also habe er gesagt, wie es laufe.

«Eine Baustelle ist kein Blumenladen, das ist schon klar», räumt der Vorarbeiter ein. Er sei nicht gerade zimperlich gewesen. «Da sagte mir der andere, dass ich aufpassen soll. Er sei dann kein Schweizer. Da bin ich noch näher gegangen, ganz bewusst, und habe ihm gesagt, das wisse ich. In dem Moment packte er mich am Kragen.»

Anders klingt die Sache aus der Perspektive des Strassenbauers. Er schildert, dass der Schweizer Vorarbeiter ihn als Mazedonier schon immer anders behandelt habe. An jenem Morgen habe er ihn wieder angebrüllt und den Chef markiert. «Ich habe ihm gesagt: Kollege bleib anständig. Da liess er sein Werkzeug fallen und kam auf mich zu, bis sich unsere Nasenspitzen fast berührten. Er hatte mal wieder Bier getrunken in der 9-Uhr-Pause, das machte ihn immer aggressiv.» Bei der Arbeit Alkohol zu trinken ist nicht explizit verboten – allerdings gilt auf den meisten Baustellen aufgrund des Unfallversicherungsgesetzes eine Nulltoleranz. «Ich dachte, er wolle mich schlagen, also hielt ich ihn von mir weg», erzählt der Bauarbeiter weiter. «Doch er packte mich auch – und plötzlich gingen wir beide zu Boden.»

Es steht Aussage gegen Aussage. Deshalb lädt das Gericht als Zeugen einen anderen Bauarbeiter, der vor Ort war. Der hat aber nicht gesehen, wer wen geschlagen hat. Also bringt seine Aussage nicht mehr Klarheit in die Sache.

Schliesslich bekommt der Verteidiger das Wort. Er betont, dass sein Mandant auch verletzt gewesen sei. «Er hat einfach nicht so ein grosses Brimborium darum gemacht. Wenn einem jemand dermassen nahe kommt, alkoholisiert ist und laut schreit, ist es gesellschaftlich toleriert, dass man Distanz schafft», argumentiert er.

Das Gericht sieht es anders. Es verurteilt den Mazedonier wegen Körperverletzung in einem leichten Fall zu einer bedingten Geldstrafe und einer Busse von 500 Franken. Zudem soll er fast 3000 Franken Gerichtskosten zahlen. Er hat das Urteil weitergezogen. Das Strafverfahren gegen den Vorarbeiter ist von der Staatsanwaltschaft eingestellt worden.

Lena Berger
lena.berger@luzernerzeitung.ch

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