Bezirksgericht Luzern
Ein junger Mann beging mehrere Delikte – drei Jahre nach den Taten präsentiert sich ein anderer Mensch

Unter Drogen und Alkohol beging der 24-Jährige diverse Straftaten. Am Freitag musste er sich dafür vor Gericht verantworten. Er ist geständig, lebt heute drogenfrei und in einer stabilen Beziehung.

Sandra Monika Ziegler
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Das Jahr 2018 war für den jungen Mann voll von Delikten. Laut Anklageschrift wird ihm Sachbeschädigung, Gewalt und Drohung gegen Behörden sowie Beamte, mehrfache einfache Körperverletzung und Hinderung einer Amtshandlung vorgeworfen. Der heute 24-jährige Schweizer hat ab Februar 2018 innert sechs Wochen in Luzern und Umgebung zwölf Gebäude mit einem orangen Tag versehen und damit einen Sachschaden von 8300 Franken verursacht. Ab Frühjahr 2018 legte er sich gleich fünfmal mit Polizisten, Passanten und einem Pflegehelfer an. Den Personen verpasste er eine Kopfnuss und lief einfach weiter. Er wurde immer wieder in Gewahrsam genommen, bis zu seiner letzten Verhaftung im Juli 2018 in der Luzerner Altstadt.

Das Bezirksgericht Luzern.

Das Bezirksgericht Luzern.

Bild: sam

Am Freitagnachmittag musste sich der Mann vor Gericht verantworten. Der schlaksige Mann mit markanter Frisur antwortete dem Richter ohne Umschweife. Gewisse Handlungen gab er zu, an andere erinnerte er sich nicht mehr genau, sagte aber: «Ich weiss, dass ich es war, weiss aber nicht mehr genau, wie es abgelaufen ist.»

Drogen, Alkohol und Medikamente

Zur Tatzeit nahm er Heroin, Kokain, Medikamente und trank Alkohol. Eine aggressive Mischung. Vor Gericht zeigt sich ein anderer Mensch. Er bereue seine Taten, fühle sich heute gesünder und sei in einer stabilen Beziehung. Er lebe mit seiner Freundin, deren Grosseltern, Mutter und Stiefvater in einer Hausgemeinschaft, nehme keine Drogen mehr und trinke an Wochenenden höchstens ein, zwei Biere.

Die Wandlung des Beschuldigten fiel auch der Staatsanwältin auf: «Heute sehe ich den Beschuldigten in einem anderen Licht.» Die in der Anklageschrift geforderten 15 Monate, die zu Gunsten einer Massnahme aufzuschieben seien, wurden auf 9 Monate bedingt reduziert; verbunden mit einer bedingten Geldstrafe von 10 Tagessätzen à 30 Franken bei einer Probezeit von zwei Jahren. Dies, weil dem Beschuldigten, gestützt auch auf ein Gutachten, eine positive Prognose gestellt werden könne. Doch, so die Staatsanwältin: «Eine Weisung für eine ambulante Behandlung und eine Bewährungshilfe sind angezeigt.»

Intaktes Umfeld verspricht positive Prognose

Der Verteidiger will einen Freispruch in diversen Punkten. Er spricht sich für eine Gesamtstrafe von drei Monaten bedingt aus und lehnt Therapie sowie Bewährungshilfe ab. Der Mandant hätte mit den damit verbundenen Behördengängen nur Stress: «Er hat jetzt ein intaktes soziales Umfeld und sich die letzten Jahre bewährt. Er lebt drogenfrei und arbeitet regelmässig. Er braucht das nicht.» Zur Tatzeit sei es ihm sehr schlecht gegangen, er habe in dieser Zeit einen Suizidversuch unternommen. Zum Vorwurf der Hinderung einer Amtshandlung fügt er an: «Einen Befehl nicht beachten, ist keine Hinderung.» Der Beschuldigte wehrte sich gegen seine Verhaftung, die Polizisten mussten ihn in die Zelle tragen. Das sei passive Gegenwehr gewesen, so der Verteidiger. Das Urteil wird den Parteien schriftlich zugestellt.