Bezirksgericht Luzern
Mietstreit kommt vor Gericht ‒ wegen Gestank

In seiner Wohnung habe es dermassen gestunken, dass er es nicht länger als drei Tage ausgehalten habe, sagt ein Mieter vor Gericht. Bloss: Der Vermieter roch nichts und forderte die ausstehenden Monatsraten ein.

Sandra Monika Ziegler
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Ein skurriler Mietstreit ist am Montag vor dem Luzerner Bezirksgericht verhandelt worden. Es ging um ausstehende Mieten in der Höhe von 12'000 Franken für eine Dreieinhalbzimmerwohnung, die monatlich 1600 Franken kostet. Mit dem Fall musste sich das Gericht befassen, weil sich Mieter und Vormieter vor der Schlichtungsbehörde nicht hatten einigen können.

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Bild: Sam

Vor der Einzelrichterin schilderten die beiden Parteien ihre Sicht der Dinge. Für Verwirrung sorgte, dass zwei Personen den Mietvertrag unterschrieben hatten. Davon soll aber nur eine Person in der Wohnung gewohnt haben – und das auch nur für drei Tage. Damit näherte sich der Prozess der zentralen Frage: Ist es zumutbar, in dieser Wohnung zu wohnen?

Und plötzlich fängt es an zu stinken

Der Beklagte führte nämlich gegenüber der Richterin aus, er habe es nicht länger als drei Tage ausgehalten. «Das war nicht möglich, es hat gestunken.» Das habe er dem Vermieter mitgeteilt. Dieser sei auch vorbeigekommen, doch just in diesem Moment habe es nicht mehr gestunken. Der Vermieter sagt, er habe die Wohnung vorher drei Jahre lang vermietet gehabt. Nie habe er Reklamationen wegen Gestank erhalten.

Bei der Befragung gab der Vermieter an, die Wohnungsmieten seien ausstehend, weil der Mieter die Schlüssel nicht zur abgemachten Zeit abgegeben hatte. Er habe so die Wohnung nicht weiter vermieten können. Die Mieter beharrten, sie hätten die Wohnung nicht nutzen können, weil es unzumutbar stank. Der Beklagte sagte, er habe den Schlüssel abgeben wollen. Doch der Vermieter habe sich geweigert, das Übernahmeprotokoll zu unterschreiben. Mit der Schlüsselgeschichte habe sich der Vermieter nur Zeit verschaffen und kassieren wollen.

Der Vermieter bleibt dabei, die Mieten seien ausstehend. Geladen war noch ein Zeuge, der dem Gestank aber auch nicht auf die Spur kam. Nach 90 Minuten Verhandlung und einer kurzen Pause konnten die Parteien den Versuch starten, sich doch noch zu einigen. Ob dies gelang, ist nicht bekannt. Die Gespräche wurden unter Ausschluss der Presse geführt.