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Bhutanische Schüler bringen frischen Wind in die Kantonsschule Alpenquai

Eine Schulklasse aus Bhutan besucht die Kantonsschule Alpenquai. Innerhalb eines globalen Austauschprojektes verbringen sie zehn Tage in ihren Schweizer Gastfamilien.

Raissa Bulinsky
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Es herrscht ein reges Treiben in der Kantonsschule Alpenquai in Luzern. Alle versammeln sich in der Aula. Die letzten Schülerinnen und Schüler treffen ein und machen es sich auf dem Boden zwischen den vollen Stuhlreihen bequem. Grund der Aufregung ist die bevorstehende Bhutan-Perfomance: Eine Gruppe von bhutanischen Jugendlichen und Lehrpersonen stellen ihre Kultur vor. In traditioneller Tracht schaffen sie singend und tanzend eine exotische Atmosphäre und vermitteln den Zuschauern durch Vorträge historische Informationen über Bhutan und ihre Schule, die ELC-Highschool in Thimphu.

Schüler aus Bhutan tanzen in traditioneller Tracht.

Schüler aus Bhutan tanzen in traditioneller Tracht.

Bild: Dominik Wunderli, Luzern, 15. Januar 2019

Swiss-Bhutanese Classroom

Innerhalb des interkulturellen Austauschprojekts «Swiss-Bhutanese Classroom» sind letzte Woche Jugendliche und Lehrpersonen aus Bhutan angereist. Zusammen mit Schülern und Lehrern der Kantonsschule Alpenquai lernen sie Luzern und die Schweizer Kultur kennen, machten einen Ausflug auf den Titlis, besuchten das Kloster Engelberg und diskutierten über diverse gesellschaftsrelevante Themen.

Idee hinter dem Projekt ist, dass die Teilnehmenden andere Kulturen und Religionen kennenlernen, Vorurteile abbauen und dadurch vertiefte gesellschaftliche Reife erlangen, sagt Benno Bühlmann, Lehrer der Kantonsschule Alpenquai und Mitveranstalter des Austauschprojekts. Bühlmann:

«Die Teilnehmer sollen mit einem Rucksack voller Lebenserfahrungen nach Hause gehen.»

Auch Tommi Mendel, ein weiterer Initiator des Projektes, ist der Meinung, dass ein «nachhaltiger Lerneffekt» entsteht, von dem alle – Lehrpersonen und Schüler – profitieren. Vor allem das, was ausserhalb des Schulzimmers passiert, würde wichtige Lernprozesse anregen. Da das Projekt innerhalb des Ergänzungsfachs Religion und Ethik stattfindet, sei es wichtig gewesen, nicht nur einer fremden Kultur, sondern auch anderen Religionen näher zu kommen. In Bhutan ist vor allem der Buddhismus verbreitet, gefolgt vom Hinduismus. Doch auch soziale Aspekte machen den Himalaja-Staat interessant, denn dieser befindet sich in einem Modernisierungsprozess.

Weniger kulturelle Differenzen als gedacht

Die Schülerinnen und Schüler, die am Austauschprojekt teilnahmen, setzten sich zuvor mit Literatur über Bhutan auseinander. Dadurch konnten sie sich ein Bild von der dortigen Kultur und Gesellschaft machen. «Wir haben mehr kulturelle Differenzen erwartet», sagt Basil Wicki, Schüler der Kantonsschule Alpenquai. Die bhutanischen Jugendlichen würden sich nicht viel anders verhalten als die hiesigen.

Bild: PD

Auch Cora Elliott, Basils Mitschülerin, war überrascht von der Offenheit der Gäste. Trotzdem konnten die Schülerinnen und Schüler voneinander lernen und wurden mit neuen Wertvorstellungen konfrontiert. Besonders gewisse Umgangsformen seien in Bhutan viel formeller als in der Schweiz, auch lassen sich immer wieder traditionelle Verhaltensweisen beobachten. So verbeugten sich die bhutanischen Gäste ehrfürchtig, als der Rektor der Kantonsschule, Hans Hirschi, ihnen ein Gastgeschenk überreichte.

Cora und Basil freuen sich dieses Jahr besonders auf die Fasnachtsferien, denn dann werden sie ihren Gegenbesuch antreten. Die Schulklasse wird rund zehn Tage in Thimphu verbringen.

Die Teilnehmer erzählen von ihren Erfahrungen:

Das Brändi hinterliess Eindruck

Auch die bhutanischen Schüler Yangchen und Sonam erzählten voller Begeisterung von ihren Erlebnissen in Luzern. Besonders die Stiftung Brändi, welche Menschen mit körperlicher oder geistiger Behinderung fördert, habe sie beeindruckt. Obschon auch in Bhutan Programme für Handicapierte existieren, würden diese nicht in einem solchen Ausmass integriert und gefördert werden.

Doch genau dies sei wichtig für eine glückliche Gesellschaft, sagt Sonam. In Bhutan lege man sehr viel Wert auf Zufriedenheit. So wurde 2008 das Konzept des Bruttonationalglücks eingeführt, auch bekannt als «Gross National Happiness». Dieses solle eine Ergänzung zu dem durch Geldflüsse bestimmten Bruttonationaleinkommen bieten und so den Lebensstandard des südostasiatischen Landes messen.

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