Um die Biber zu schützen: Beim Mühleplatz in der Stadt Luzern soll eine Rampe entstehen

Der Biber kommt der Stadt Luzern immer näher. Beim Kraftwerk stösst er auf ein Hindernis, welches tödlich sein kann.

Fabienne Mühlemann
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Der Biber breitet sich im Kanton Luzern stark aus. (Symbolbild: Getty)

Der Biber breitet sich im Kanton Luzern stark aus. (Symbolbild: Getty)

Man kriegt sie selten zu Gesicht, doch ihre Spuren verraten sie: die Biber. Laut Pro Natura breitet sich das Nagetier im Kanton Luzern im Moment stark aus – auch der Reuss entlang in Richtung Luzern. Das passiert aus folgenden Gründen: Die jungen Biber trennen sich nach zwei Jahren von ihrer Familie und suchen sich ein eigenes Revier. Da der Nager grundsätzlich stromaufwärts schwimmt, kommt er der Stadt Luzern immer näher. Mittlerweile gebe es bereits eingangs Luzern in der Nähe des Seetalplatzes und beim Rotsee Biberreviere.

Miriam Peretti, Projektleiterin Aktion Biber & Co. bei Pro Natura, beobachtet die Verbreitung der Biber schon länger. 2017 führte sie zusammen mit der Dienststelle Landwirtschaft und Wald und einem Team von Freiwilligen ein Monitoring im Kanton Luzern durch. Dabei wurden Spuren der Nagetiere gesucht. Anhand dieser wird der Bestand auf etwa 75 Biber geschätzt. «Im Kanton Luzern hat es noch viele geeignete Lebensräume für den Biber», erklärt Peretti. «Im Kanton Bern und im Aargau wird der Platz langsam knapp, daher wandern die Tiere über die Kantonsgrenze nach Luzern.»

Biberrampe beim Kraftwerk möglich

Dass die Biber der Stadt immer näher kommen, bringt aber auch Gefahren für den Nager mit sich. Beim EWL-Kraftwerk beim Mühleplatz gibt es kein Durchkommen und bei den Wehrnadeln ist die Strömung sehr stark. Die Folge: Er müsste den Fluss verlassen und allenfalls eine Strasse überqueren, was für den Nager tödlich enden kann. Im Frühling geschah gerade ein solcher Vorfall. «Ein Biber wurde bei der Autobahn-Ausfahrt in Kriens überfahren», sagt Peretti. Wie dieser dahin gekommen ist, bleibe aber ein Rätsel. Denn beim Vierwaldstättersee gebe es kein bekanntes Revier. «Vermutlich kam der Biber beim Kraftwerk nicht durch und nahm daher den Krienbach-Kanal», so Peretti weiter. Der Krienbach-Kanal führt unterirdisch nach Kriens.

Um dem Biber den Durchgang beim Kraftwerk zu erleichtern, hat Pro Natura eine Idee entwickelt. Möglich wäre eine Rampe, damit er das Wasser dort verlassen kann. «Biber schwimmen zwar am liebsten, aber wenn sie auf ein Hindernis stossen, verlassen sie auch die Gewässer», so Peretti. Damit das Projekt umgesetzt werden kann, braucht es aber noch die Zustimmung von diversen Akteuren. Bei der Fachstelle Umweltschutz der Stadt Luzern bestätigt man, dass Abklärungen zum Projekt laufen.

Hier sieht man, wie ein Biber eine Rampe in Bischofszell benutzt:

Eine solche Biberrampe wurde bereits in Cham beim Kraftwerk Untermühle mit der Unterstützung von Pro Natura errichtet, da auch dort Biber überfahren worden sind.

Wie Fotofallen des Kantons beweisen, nutzen die Nagetiere die hölzerne Rampe immer wieder. «Es wurden gute Erfahrungen gemacht, daher dient die Rampe für uns als Vorbild», so Peretti. Laut der Gemeinde Cham hat das Gesamtprojekt 19'800 Franken gekostet. Dazu gehören nebst der Biberrampe selber auch die Zugänge, die geschaffen wurden. Pro Natura hat sich am Projekt finanziell beteiligt.

Ansiedlung in Zuflussbächen möglich

Falls die Biber den Vierwaldstättersee erreichen sollten, sei es eher unwahrscheinlich, dass sie am See selber ein Revier bilden, meint Peretti. Denn die Ufer seien meist verbaut, ein Ausstieg und somit Zugang zur Nahrung damit nur an wenigen Stellen möglich. Wahrscheinlicher sei, dass die Biber über den See in Zuflussbäche wie zum Beispiel den Würzenbach gelangen und dort geeignete Lebensräume suchen. Es brauche ein genügend grosses Nahrungsmittelangebot, grabbares Ufer und eine nicht allzu schnelle Fliessgeschwindigkeit, damit er sich niederlässt.

Biber sind nicht nur süss, sie können auch Schäden anrichten – wie zum Beispiel Bäume fällen oder Infrastruktur zerstören. Es kann zu unterhöhlten Strassen, brechenden Dämmen oder verstopften Abflüssen kommen. Wie Peretti betont, bringe der Biber aber einen grossen ökologischen Nutzen mit sich. «Es ist mehrfach wissenschaftlich bewiesen, dass durch die Anwesenheit des Bibers die Artenvielfalt in den Gewässern stark zunimmt.» Durch seine Bau- und Stautätigkeiten im Gewässer entstünden vielfältige Strukturen, von welchen andere Gewässerlebewesen stark profitieren können. Peretti: «Daher setzen wir uns dafür ein, dass sich der Biber frei bewegen kann. So können auf natürliche Weise und ohne bautechnische Massnahmen unsere Gewässer aufgewertet werden.»

Nagespuren der Biber beim Rotsee. (Bild: Heidi Fischer)

Nagespuren der Biber beim Rotsee. (Bild: Heidi Fischer)

Hinweis
Pro Natura führt Biber-Exkursionen durch. Mehr Infos unter www.pronatura-lu.ch.

Die Geschichte des Bibers in Luzern

Der Biber wurde in der Schweiz zu Beginn des 19. Jahrhunderts ausgerottet. Zwischen 1956 und 1977 brachte man an diversen Standorten 141 Biber zurück ins Land, jedoch keine in den Kanton Luzern. Die erste Beobachtung von Biberspuren gelang 2001 beim Zusammenfluss der Reuss und der Kleinen Emme. Beim letzten nationalen Bibermonitoring 2008 wurde der Bestand in der Schweiz auf 2800 Tiere geschätzt, im Kanton Luzern wurde nur ein einziger Nachweis im Raum Büron an der Suhre festgestellt. Seither breitet sich der Biber in der nördlichen Hälfte des Kantons und im Reusstal zunehmend aus. (fmü)

Gisikon-Root: Biberdämme an der Autobahn müssen weichen

Der Binnenkanal der Autobahn A14 wird seit längerer Zeit von Bibern bewohnt. Genauer: Innerhalb des Ausfahrtsohrs der Autobahn. Dieser Biberdamm wurde bereits im Jahr 2017 abgesenkt, damit der Strassenunterbau nicht aufweicht. Nun muss er gänzlich weichen.
Stefanie Geske