BIBLIOTHEK: Wie schützenswert ist die ZHB?

Sanierung oder Neubau – die Zukunft der Zentral- und Hochschulbibliothek Luzern (ZHB) ist höchst ungewiss. Das sind die Fakten.

Hugo Bischof
Drucken
Teilen
Ein Kulturgut von nationaler Bedeutung: die Zentral- und Hochschulbibliothek beim Vögeligärtli. (Bild Pius Amrein)

Ein Kulturgut von nationaler Bedeutung: die Zentral- und Hochschulbibliothek beim Vögeligärtli. (Bild Pius Amrein)

Am 28. September stimmt die Stadtbevölkerung über die im September 2013 eingereichte Volksinitiative der Grünen ab. Mit dieser soll der Abriss der Zentral- und Hochschulbibliothek (ZHB) verhindert werden. Das Kantonsparlament hatte 2012 entschieden, die ZHB abzureissen und an ihrer Stelle einen Neubau mit integriertem Kantonsgericht zu erstellen.

Aus welcher Zeit stammt die ZHB?

Die Zentral- und Hochschulbibliothek Luzern wurde 1949 bis 1951 vom renommierten Luzerner Architekten Otto Dreyer erbaut. Man zählt sie heute zu den bedeutendsten öffentlichen Profanbauten der Spätmoderne in der Stadt Luzern. Architekturkenner loben die «subtile Komposition aus Katalog- und Lesesaal rund um den intimen Garten».

Wie konzipierte Architekt Otto Dreyer die Bibliothek?

Die Raumproportionen waren für Otto Dreyer ein grosses Thema, da der Architekt sich auch intensiv mit Musik beschäftigte. Er entwarf die ZHB nach Prinzipien der Harmonielehre und dimensionierte die Haupträume in einfachen ganzzahligen Verhältnissen. Im Katalogsaal verhalten sich beispielsweise Breite zu Höhe im Verhältnis 5:2.

Ist die ZHB denkmalgeschützt?

Nein. Ein entsprechender Antrag wurde zwar gestellt, ist aber durch eine Beschwerde sistiert. Sowohl das ZHB-Gebäude als auch deren Sammlung sind aber im Schweizerischen Inventar der Kulturgüter von nationaler Bedeutung eingetragen. Die kantonale Denkmalpflegerin Cony Grünenfelder hielt fest: «Die Zentral- und Hochschulbibliothek in Luzern gehört zu den Hauptwerken des modernen Schweizerischen Bib­liotheksbaus der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts und zeichnet sich durch hohe städtebauliche, architektonische und funktionale Qualitäten aus.»

Wie viel kostet die Sanierung?

Im Juni 2010 bewilligte der Kantonsrat für das Sanierungsprojekt einen Kredit von 18,8 Millionen Franken. Im März 2011 brach der Regierungsrat die Planung aus finanziellen Gründen ab. Die Sanierung sollte um zwei Jahre verschoben werden.

Wie viel würde ein Neubau kosten?

Rund 80 Millionen Franken, schätzte der Regierungsrat einst. Darin integriert wäre allerdings der Neubau des Kantonsgerichts. Dieses ist zurzeit auf mehre Standorte verteilt. Der Regierungsrat will es an einem Standort konzentrieren.

Wie viel grösser wird ein Neubau?

Für einen Neubau inklusive Kantonsgericht müssten die Baulinien des heutigen ZHB-Gebäudes wohl ausgeweitet werden. Das Gebäude dürfte sowohl höher werden als auch mehr Grundfläche beanspruchen. Machbarkeitsstudien des Kantons zeigen, dass für einen Neubau mit Kantonsgericht ein mindestens sechsgeschossiges Volumen notwendig wäre. Klar ist: Eine Ausweitung der Baulinie muss vom Stadtparlament genehmigt werden und unterliegt dem fakultativen Referendum. Ebenso klar ist: In öffentlichen Voten haben Stadtrat und Stadtparlament bereits klar ihren Unwillen gegenüber einer maximalen Ausnützung des Grundstücks ausgedrückt. Zusätzlich kompliziert wird die Situation dadurch, dass die grossen Schweizer Architektenverbände ihre Mitglieder Anfang 2014 zum Boykott des vom Kanton geplanten Neubau-Wettbewerbs aufriefen. Auch sie sind, wie der Stadtrat und eine grosse Mehrheit des Stadtparlaments, für die Erhaltung des heutigen ZHB-Gebäudes.

Was sind die Argumente gegen einen Abriss?

Mit dem Abriss ginge «ein Kulturdenkmal von nationaler Bedeutung verloren», argumentieren die Grünen, welche die Initiative gegen den Abriss lanciert haben. Zudem würde ein Neubau mit integriertem Kantonsgericht «die Qualität der bestehenden Parkanlage und des Grünraumes Vögeligärtli zerstören». Die ZHB bilde mit der Lukaskirche und dem Park «ein einzigartiges städtebauliches Ensemble mitten in der Stadt Luzern».

Was sind die Argumente für einen Abriss der ZHB?

«Städtebaulich würde sich hier eine einmalige Chance bieten, mit einem architektonisch wertvollen Bau einen neuen Akzent zu setzen», sagte CVP-Kantonsrätin Andrea Gmür-Schönenberger in einer Parlamentsdebatte. Sie hatte mit ihrer Motion, die eine Integration des Kantonsgerichts in einen ZHB-Neubau fordert, die Debatte neu lanciert. «Eine Stadt muss sich immer wieder entwickeln können», so Gmür-Schönenberger, «so wie es in der Vergangenheit mit dem KKL, der Uni, der Allmend geschah.» Für sie habe das Vögeligärtli einen enorm grossen Wert, betonte Gmür-Schönenberger stets. «Spielplatz, Bäume und Park würden auch bei einem Neubau erhalten bleiben.» Die ganze Anlage sei eine schmucke Perle mitten in der Stadt Luzern, sagte Gmür-Schönenberger im Kantonsrat. «Der Park ist die Perle, die ZHB die Fassung. Wenn aber ein Schmuckstück in die Jahre kommt, braucht es hie und da eine neue Fassung, weil die alte nicht mehr passt und hält.»

Wer sitzt im Gegen-Komitee gegen die Initiative?

Das Gegen-Komitee wurde offiziell erst vor wenigen Tagen ins Leben gerufen. Präsidiert wird es von Kantonsrätin und CVP-Stadt-Präsidentin Andrea Gmür-Schönenberger, SVP-Grossstadtrat und -Fraktionschef Marcel Lingg und dem Stadtluzerner FDP-Kantonsrat Damian Hunkeler. Mitglieder sind unter anderen auch zahlreiche prominente Wirtschaftsvertreter, wie zum Beispiel Mark Bachmann, Verwaltungsratspräsident der Luzerner Kantonalbank (Ausgabe vom 6. September).

Hinweis

Zahlen, Fakten, Daten und Zitate in diesem Text stammen aus unserem Zeitungsarchiv, Kantonsratsprotokollen sowie Recherchen des Luzerner Journalisten und früheren Landesring-Kantonsrats Roman Bussmann.