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BILANZ: Luzerner Wirtschaftsförderer Walter Stalder: «Wir müssen uns aktiver einbringen»

Zwölf Jahre sind genug: Just an seinem 64. Geburtstag räumt der kantonale Wirtschaftsförderer Walter Stalder seinen Sessel. Er spricht von zahlreichen Erfolgen – und über Kritik, die er persönlich nahm.
Evelyne Fischer und Alexander von Däniken
«Das soll mir mal einer nachmachen»: Walter Stalder im Büro der Wirtschaftsförderung. (Bild: Nadia Schärli (Luzern, 26. Februar 2018))

«Das soll mir mal einer nachmachen»: Walter Stalder im Büro der Wirtschaftsförderung. (Bild: Nadia Schärli (Luzern, 26. Februar 2018))

Interview: Evelyne Fischer und Alexander von Däniken

kanton@luzernerzeitung.ch

Walter Stalder, vor zwölf Jahren hat Luzern seine Wirtschaftsförderung neu aufgegleist – weg von regionalen Fördergremien, hin zum Public-Private-Partnership-Modell, finanziert von Kanton, Gemeinden und Netzwerkfirmen. Auf einen Schlag waren Sie eine Person der Öffentlichkeit – in der Privatwirtschaft hätten Sie es bequemer gehabt.

Gut möglich. Aber der Posten bot mir die Chance, nach Jahren im Ausland zum ersten Mal in Luzern zu arbeiten. Das hat mich gereizt. Begonnen habe ich mit meinem Handy, meinem Auto und einem Budget von einer Million. Heute zählt die Wirtschaftsförderung sieben Mitarbeiter, je eine Repräsentantin in den USA und in China sowie 170 Netzwerkpartner. Sie alle zahlen jährlich 5000 Franken und mehr, der grösste Teil davon aus Sympathie, Solidarität und Goodwill. Denn zusätzliche Aufträge als Benefit kann ich niemandem garantieren. Das soll mir mal einer nachmachen.

Ihre grösste Niederlage?

Es gab mal hier, mal dort Rückschläge. Und natürlich schmerzt es, wenn man Firmen ziehen lassen muss. Eine grösste Niederlage kann ich nicht benennen – so wenig, wie ich etwas als meinen grössten Erfolg beanspruche. Die Wirtschaftsförderung ist eine Verbundaufgabe.

Sie wurden beauftragt, das Wirtschaftswachstum zu fördern. Inwiefern kam Ihnen dabei die Tiefsteuerstrategie zugute?

Als bekannt wurde, dass Luzern seine Unternehmenssteuern senken will, begann die Zahl der Anfragen zu steigen. Als Resultat davon stand unser Kanton auf einmal in der engeren Auswahl von Unternehmensberatern, Steuerexperten und den Firmen selber. Die Tiefsteuerstrategie brachte vieles in Bewegung. Seit 2012 haben sich hier klar mehr Firmen mit Arbeitsplätzen, mit Steuererträgen und gutem Ruf niedergelassen.

Die Steuersenkungen waren für Sie damals also ein Segen?

Absolut.

Und heute? Der Ruf, die Tiefsteuerstrategie sei gescheitert, wird immer lauter.

Bei den Steuern darf man Firmen und Privatpersonen nie isoliert betrachten. Viele Unternehmen machen in den ersten Jahren keinen oder nur wenig Gewinn. Doch wenn Verwaltungsratspräsident, CEO und CFO alle in Luzern wohnen, trägt das zu den Steuererträgen bei.

Sie mussten zusehen, wie Firmen den Kanton verlassen – etwa Mobility oder die SBB. Haben Sie hier als Wirtschaftsförderer versagt?

Mobility hätte innert Jahresfrist neue Lokalitäten gebraucht. Aber: Niemand investiert zunächst in die nötigen Büros. Wir brauchen moderne, aneinanderliegende Flächen. Doch die gibt es gerade in der Stadt Luzern nicht.

Für Negativschlagzeilen sorgte auch die pompöse 10-Jahr-Jubiläumsfeier der Wirtschaftsförderung. Kantonsrat Andreas Hofer wollte den 675'000-Franken-Beitrag des Kantons um eine halbe Million kürzen.

Die Kampagne und die Diskussionen, welche mit diesem Vorstoss losgetreten wurden, gingen mir nahe. Als der Kantonsrat das Postulat behandelte, sass ich auf der Tribüne. Das einzige Mal in zwölf Jahren. Ich hätte mir gewünscht, persönlich Stellung nehmen zu können.

Zu reden gab da auch Ihr Lohn. Es kursiert die Zahl von 300'000 Franken. Schaffen Sie Transparenz?

Das können Sie mit dem Stiftungsrat und meinem Nachfolger diskutieren. Für mich ist das Thema abgeschlossen.

Ist die Wirtschaftsförderung denn ihr Geld wert?

Mehr als das. Aargau gibt für die Wirtschaftsförderung vier Millionen Franken aus, Bern sechs, Thurgau zwei. In Luzern bringen wir mit den Beiträgen des Kantons, der Firmen und der Gemeinden ein Budget von 2,2 Millionen zusammen. Dass man unser Erfolgsmodell immer wieder in Frage stellt, ärgert mich ...

... kommt aber wohl nicht von ungefähr. Kommunizieren Sie Ihre Erfolge zu wenig?

Wir würden gerne preisgeben, welches Unternehmen wie viele Steuern zahlt. Die heutige Gesetzeslage lässt dies aber nicht zu. Wir haben aber unsere Lehren gezogen, müssen uns künftig aktiver einbringen und werden vermehrt von uns aus kommunizieren – auch wenn es sich nicht um grosse Fische handelt. Wir stellen auch im Austausch mit Gemeinden fest, dass man zu wenig weiss, was wir tagtäglich leisten. Das ist ein Manko.

Um weiterhin auf die kommunalen Beiträge zählen zu können, wartet Arbeit auf die Wirtschaftsförderung – insbesondere, weil der Verband der Luzerner Gemeinden das Inkasso abgegeben hat.

Wir regeln das neu mit Leistungsvereinbarungen mit allen 83 Gemeinden. Bisher kamen über 50 zurück, wir sind auf einem guten Weg.

Die Bestandespflege ist ein Gleis der Wirtschaftsförderung, das Anpreisen von Gratisbüros in Co-Working-Spaces ein anderes. Ist das nicht bloss ein Hype?

Wir bieten Firmengründern damit ein Zückerli, das ihnen das Leben hier erleichtert. Ohne Eintrag im Handelsregister können Firmen weder Verträge abschliessen noch Büros mieten. Dank der zur Verfügung gestellten Arbeitsplätze während dreier Monate können Unternehmer sofort loslegen, sich einrichten oder Bewilligungen einholen. Wird die Firma in Luzern ansässig, kostet uns das gerade Mal 500 Franken pro Monat.

Kurzfristig generiert dies aber weder Wertschöpfung noch Arbeitsplätze.

Die bisherige Erfahrung bestätigt, dass es funktioniert. Ein Beispiel: Der Spezialglas-Anbieter Corning kam ursprünglich mit drei Leuten ins D4 nach Root, heute sind es 35. Wir versuchen, Firmen mit Potenzial herzuholen, aber am Anfang sind die meisten klein. Zudem sind die Zahlen der Ansiedlungen schweizweit nicht berauschend.

Heisst?

Im Jahr 2016 zogen 250 Firmen mit insgesamt 1000 Arbeitsplätzen neu in die Schweiz. Mit der Masseneinwanderungsinitiative, der gescheiterten Steuerreform und Donald Trumps Steuerstrategie ist das Umfeld schwieriger geworden. Darunter haben die Standortfaktoren Sicherheit und Planbarkeit gelitten.

Auf Ihren Nachfolger warten schwierige Jahre.

Es wird härter werden, ja. Gleichwohl bin ich zuversichtlich: Unser Modell der Wirtschaftsförderung funktioniert. Firmen, die wir in Luzern ansiedeln konnten, bauen meistens weiter aus.

Wie geht es nun für Sie weiter?

Das Tagesgeschäft steuert Ivan Buck. Ich kümmere mich noch bis Ende Mai um die Partnerschaften, will aber weniger fremdbestimmte Termine. Im Juni werden meine Frau und ich im Wohnmobil verreisen, danach will ich meine Beratungsfirma vorantreiben, mit Verwaltungsratsmandaten, als Konsulent, Firmen helfen, in China Fuss zu fassen oder von dort Ware zu beschaffen. Das internationale Umfeld habe ich in den letzten zwölf Jahren etwas vermisst.

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