BILANZ: Noch nie so viele Patienten

Das Luzerner Kantonsspital erwirtschaftet 2014 einen Gewinn von über 52 Millionen Franken. Davon profitiert insbesondere die Luzerner Staatskasse.

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Jürg Metzger, stellvertretender Leiter Tumorzentrum, gestern bei einem Patientengespräch im Luzerner Kantonsspital (gestellte Szene). (Bild Pius Amrein)

Jürg Metzger, stellvertretender Leiter Tumorzentrum, gestern bei einem Patientengespräch im Luzerner Kantonsspital (gestellte Szene). (Bild Pius Amrein)

Christian Hodel

Das Luzerner Kantonsspital (Luks) macht den grossen Spitälern im Land Konkurrenz. «Wir bieten immer mehr hoch spezialisierte Medizin an», sagt Beat Villiger, Präsident des Spitalrats, gestern bei der Präsentation des Jahresergebnisses 2014. Vor den grossen Spitälern, etwa dem Inselspital Bern oder dem Universitätsspital Zürich, müsse sich Luzern als Zentrumsspital der Zentralschweiz nicht verstecken.

2014 ein Jahr der Rekorde

Villigers Aussage wird durch Zahlen gestützt. Über 532 000 Patienten wurden 2014 ambulant an den drei Luks-Standorten (Luzern, Sursee, Wolhusen) behandelt. Das ist ein Plus von 5 Prozent gegenüber dem Vorjahr so viele Patienten wie noch nie. Auch im stationären Bereich legte das Luks um 3 Prozent zu: Rund 40 600 Patienten wurden behandelt (siehe Tabelle).

Dabei haben sich die 6315 Spitalmitarbeiter vor allem auch «komplexeren und schwereren Fällen» angenommen, wie Spitaldirektor Benno Fuchs sagt. «Solche Fälle werden besser abgegolten.» Dies schlägt sich auch in der Jahresrechnung nieder.

Das Luks, das mit dem Kantonsspital Nidwalden zur Spitalregion Lunis zusammengeschlossen ist, erwirtschaftete im vergangenen Jahr einen Rekordgewinn von 52,5 Millionen Franken, 2,5 Millionen mehr als im Vorjahr. Dies bei einem Betriebsertrag von 847 Millionen Franken. «Wir sind finanziell ein gesundes Krankenhaus», sagt Fuchs zu den Zahlen. Der Eigenfinanzierungsgrad beträgt 70 Prozent.

18 Millionen Franken für Kanton

Der grösste Brocken des erwirtschafteten Gewinns 34 Millionen Franken – wird wieder ins Spital investiert. Einerseits sind in den nächsten 15 Jahren Neubauten von rund 1 Milliarde Franken geplant (siehe Kasten). Andererseits müsse das Luks laut Fuchs auch in Zukunft in qualifizierte Fachkräfte investieren, um die Qualität zu halten.

Und was passiert mit den verbleibenden 18 Millionen Franken? Diese kriegt die Luzerner Staatskasse als Dividende, da der Kanton Eigentümer des seit 2008 ausgelagerten Betriebs ist. In den vergangenen Jahren musste das Spital deutlich weniger Geld dem Kanton überweisen, 2013 waren es 11,2 Millionen, ein Jahr zuvor 7,2 Millionen Franken. Warum? Guido Graf, Luzerner Gesundheitsdirektor, schreibt auf Anfrage: «Die Gewinnrückführung für den Kanton beläuft sich auf die Höhe einer Verzinsung von 1,5 bis 4 Prozent des Dotationskapitals von 355 Millionen Franken.»

Das Dotationskapital bezeichnet jenes Geld, dass der Kanton dem Luks zur Verfügung stellte etwa in Form von Gebäuden – als das Spital zu einem eigenständigen Unternehmen wurde. «Aufgrund der guten Rechnungsabschlüsse der vergangenen Jahre liegt die Dividendenzahlung zurzeit bei 4 Prozent des Dotationskapitals», so Graf weiter. 2015 bekommt der Kanton vom Luks die Dividende aus dem Rechnungsergebnis 2014. Das entspricht 14,2 Millionen Franken.

Zusätzlich wurde mit dem Luks erstmals «eine Sonderdividende von 3,7 Millionen Franken vereinbart», erklärt Graf. Dies aufgrund der guten Abschlüsse der vergangenen Jahre und der «sehr herausfordernden finanziellen Lage des Kantons». Ob es in den nächsten Jahren wieder Sonderdividenden geben werde, hänge von der finanziellen Lage des Luks sowie des Kantons ab.

3 Millionen für die Angestellten

Fuchs zur Gewinnausschüttung an den Kanton: «Wären wir kein eigenständiges Unternehmen, hätten wir wohl keinen so hohen Gewinn erwirtschaftet und bekäme der Kanton weniger Geld.» Um die anstehenden Investitionen tätigen zu können, ist das Kantonsspital aber auch künftig auf einen ähnlich hohen Gewinn angewiesen, wie im vergangenen Jahr, sagt Fuchs. «Für eine nachhaltige Unternehmensentwicklung sind jährlich 40 bis 50 Millionen Franken nötig.»

Bereits vom 52-Millionen-Gewinn abgezogen sind rund 3 Millionen Franken, die weitgehend den Mitarbeitern zugute kamen. Sie erhielten etwa Gutscheine für die Kantine.

200 neue Vollzeitstellen geschaffen

Mehr Patienten und komplexere Fälle führten aber auch zu höheren Ausgaben. Vor allem das Personal wurde 2014 massiv aufgestockt. Arbeiteten 2013 noch 6074 Personen für das Luks, waren es im vergangenen Jahr mit 6315 bereits 239 mehr. Diese teilten sich 4799 Vollzeitstellen (200 mehr als im Vorjahr). Das Luzerner Kantonsspital gehört damit zu einem der wichtigsten Arbeitgeber und mit insgesamt über 1700 Lernenden zum grössten Ausbildungsbetrieb der Zentralschweiz. Fuchs: «Wir wachsen jährlich um rund 200 Vollzeitstellen.» Betrug der Personalaufwand 2013 noch 471 Millionen Franken, stieg dieser im vergangenen Jahr auf 503 Millionen Franken, was 64 Prozent des Gesamtaufwandes des Spitals entspricht.

Spital lässt Qualität beurteilen

Damit das Spital und damit auch die Arbeitsplätze künftig gesichert sind, setzen die Verantwortlichen vor allem auf eins: Qualität. Mehrfach betonte Spitalratspräsident Beat Villiger gestern die Wichtigkeit dieser Komponente. «Der Patient selbst kann die Qualität unserer Leistung aber nur bedingt beurteilen.» Darum sei es wichtig, dass das Luks auch künftig seine «medizinische und pflegerische Qualität» durch unabhängige Stellen beurteilen lasse.

So verlieh etwa im Juli 2014 die Deutsche Krebsgesellschaft dem Luks-Tumorzentrum die höchste Qualitätsauszeichnung. Bisher trägt in der Schweiz nur ein Spital in Zürich diese Zertifizierung. Die Deutsche Krebsgesellschaft sei die einzige Organisation im deutschsprachigen Raum, die solche Zertifizierungen vornimmt, sagt Jürg Metzger, stellvertretender Leiter des Tumorzentrums. In dieser Abteilung sind verschiedene Spezialisten integriert, die gemeinsam die individuelle Therapie eines Krebspatienten festlegen.