BILDBEARBEITUNG: Robi Najer: «Das Tragen der Plakette ist Pflicht»

Robi Najer (60) arbeitet seit gut 20 Jahren bei unserer Zeitung in der Bildbearbeitung. Er ist verheiratet und Vater eines erwachsenen Sohnes. Der in Obernau wohnhafte Najer feiert in diesen Tagen seinen 61. Geburtstag. Der gelernte Retuscheur hat die Fasnachtsplakette 2016 entworfen – es ist bereits seine fünfte.

Interview Roger Rüegger
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Robi Najer, Funktion: Bildbearbeitung. Alter: 60 Jahre. Robi Najer hat die Fasnachtsplakette 2016 entworfen. (Bild: Dominik Wunderli / Neue LZ)

Robi Najer, Funktion: Bildbearbeitung. Alter: 60 Jahre. Robi Najer hat die Fasnachtsplakette 2016 entworfen. (Bild: Dominik Wunderli / Neue LZ)

Robi Najer, Sie haben den Wettbewerb zur Fasnachtsplakette zum fünften Mal gewonnen. Scheint ja mittlerweile eine Routineangelegenheit für Sie zu sein?

Robi Najer: Aber nein, überhaupt nicht. Für mich ist es immer wieder eine neue Herausforderung, die ich gerne in Angriff nehme.

Sie wissen offenbar, worauf es ankommt. Man erkennt den Hund, das Wappentier der federführenden Gesellschaft Fidelitas Lucernensis. Dass Sie damit in die Kränze kommen, war doch abzusehen, oder etwa nicht?

Najer: Bei der Gestaltung gibt es keine Vorgaben. Weil die Plakette aber ein Kind des Lozärner Fasnachts-Komitees (LFK) ist, bin ich der Meinung, dass man das grosse Engagement, besonders der federführenden Gesellschaft, in der Plakette auch würdigen darf. Wie gesagt, es muss aber nicht sein!

Könnte es hilfreich sein, wenn man den richtigen Herren im LFK vorab einige Kafi oder Holdrio offeriert, um in die Kränze zu kommen?

Najer: Nein, nein. Die Wahl findet anonym statt. Jeder, der teilnimmt, reicht eine Zeichnung im A4-Format und einen dazu passenden Titel in einem Couvert ein. Darin befindet sich auch ein weiteres verschlossenes Couvert mit den persönlichen Angaben. Die Jury weiss also nicht, wer die Plakette entworfen hat.

So ernst war die Frage nicht gemeint. Was hat Sie beim Sujet inspiriert?

Najer: Weil ich früher aktiver als heute an der Fasnacht mitmachte, hat mich die Strassenfasnacht inspiriert. Ich habe einen Fasnächtler gewählt, der bis zur Müdigkeit tanzte und von einem Hund fürsorglich aufgelesen wird.

Das liegt ja schon fast auf der Hand. Sie sagen, dass Sie Fasnächtler waren. Sind Sies heute nicht mehr?

Najer: Ich bin in Ebikon, einer Guug­genmusig-Hochburg, aufgewachsen. Deshalb war ich natürlich vom Fasnachtsvirus infiziert. Meine beruflichen Situationen liessen es aber selten zu, mich fasnächtlich so engagieren zu können, wie ich dies gerne getan hätte. Heute in der Zeitungsproduktion liegt das aktive Fasnachtstreiben nicht mehr drin. Während der Fasnacht haben wir bei der Zeitung Highlife.

Kann ich mir denken. Sie arbeiten in der Bildbearbeitung, und unsere Ausgaben sind zur Fasnacht bekanntermassen mit unzähligen Bildern versehen. Was ist genau Ihr Job?

Najer: Wir sind ein Team von drei Leuten. Derjenige, der Dienst hat, sichtet und bearbeitet jedes einzelne Foto, das in der Zeitung publiziert wird.

Was heisst «bearbeiten»?

Najer: Wir versuchen, die Aussage des Fotografen und des Bildredaktors in deren Sinne zu interpretieren und zu optimieren. Auf Papier ist die Qualität immer etwas weniger gut. Wir hellen einige Bilder auf, korrigieren bei anderen die Farbe, zum Beispiel die zu roten Köpfe, oder wir machen Freisteller, indem man den Hintergrund entfernt, etwa beim anderen Interview, das jeweils an dieser Stelle platziert wird.

Sie kopieren also nicht im Photoshop Bälle in ein Tor, wenn ein Fotograf den Augenblick verpasst hat, oder dergleichen?

Najer: Auf keinen Fall. Bilder zu manipulieren, ist nicht erlaubt.

Sie haben eine Lehre als Retuscheur absolviert. Was ist von Ihrem ursprünglichen Beruf geblieben?

Najer: In der Praxis gar nichts. Wir haben früher die Negative und Positive noch mit dem Pinsel bearbeitet. Also bearbeitet und retuschiert. Und wir haben Masken und Negativmasken benutzt. Für eine Arbeit, die heute eine Stunde dauert, benötigten wir früher zwei bis drei Tage, je nach Text, der noch eingefügt wurde. Und wenn wir ein Bild verhauen hatten, mussten wir von vorne beginnen.

Vermissen Sie Ihr erlerntes Handwerk nicht?

Najer: Das Resultat bleibt. Der Weg dazu ist natürlich anders. Aber ich mach es gleich gerne wie damals.

Aber bei der Fasnachtsplakette können Sie ja wieder arbeiten wie früher. Old School eben. Machen Sie auch deshalb jeweils beim Wettbewerb mit?

Najer: Es macht mir einfach Spass. Aber es stimmt schon. Ich zeichne zuerst eine Skizze von Hand. Immer wenn ich Musse habe, mache ich eine Notiz oder wieder eine Skizze. Die bleibt so lange verborgen, bis ich einen vermeintlich abgabereifen Entwurf bereit habe. Den zeige ich dann der Familie.

Und die Kritik und Anregungen nehmen Sie entgegen und ändern etwas am Werk?

Najer: Manchmal tue ich das. In anderen Fällen nehme ich die Tipps auch nur zur Kenntnis.

Wie sicher waren Sie dieses Mal, dass Sie erneut in die Ränge kommen?

Najer: Bei einem Apéro durften die Wettbewerbsteilnehmer alle ausgelegten Entwürfe begutachten. Es waren natürlich wie immer ganz tolle Zeichnungen zu sehen, sodass es das LFK sicher nicht einfach hatte, einen Sieger zu erküren. Es geht natürlich jeder mit einem mehr oder weniger guten Gefühl nach Hause ...

Sie wussten aber noch nicht, dass Ihre Skizze zur Plakette werden sollte?

Najer: Das erfährt man jeweils erst einige Tage später per Post.

Vermutlich tragen Sie Ihre Plakette mit Stolz bei sich?

Najer: (hebt den Kragen seines Mantels und präsentiert die Plakette) Ich trage sie jedes Jahr mit Freude. Dieses Jahr als Entwerfer ist es aber sicher Pflicht.

Interview Roger Rüegger

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