Bildstrecke

Welcher Luzerner Regierungsrat liest wohl welche Lektüre?

Mit welcher Lektüre geht die Luzerner Kantonsregierung in die Ferien? Auffällig: Der Justiz- und Sicherheitsdirektor mag keine Krimis – und einige bleiben sogar im Sommer politisch.

Chiara Zgraggen
Drucken
Teilen
Dieser Regierungsrat muss sich bei seiner Arbeit viel mit Buchstaben und noch mehr mit Zahlen herumschlagen. Wohl auch deshalb lauscht er während seiner Sommerpause lieber einem Hörbuch: 365 Tage im Eis, die Shackleton Expedition von Alfred Lansing. Der gesuchte Regierungsrat will sich das Werk im englischen Original anhören. Autor Lansing erzählt die Geschichte der letzten grossen Antarktis-Expedition zu Beginn des 20. Jahrhunderts – dem Goldenen Zeitalter der Südpol-Forschung.
Der gesuchte Regierungsrat ist Marcel Schwerzmann. Bleibt zu hoffen, dass er auch nach der Ferienzeit einen kühlen Kopf bewahrt, wenn er sich wieder Buchstaben und Zahlen zuwenden darf. (Bild: Urs Flüeler, Keystone)
Seine Arbeit im Amt scheint er sehr zu mögen. Die Asylpolitik lässt er nämlich auch im Sommer nicht auf seinem Bürotisch liegen. Stattdessen beschäftigt er sich in der Ferienzeit mit dem Buch Exodus: Warum wir die Einwanderung neu regeln müssen. Der englische Autor Paul Collier entstammt einer deutschen Auswandererfamilie. Er befasst sich mit möglichen Kosten und Nutzen weltweiter Migration. Und kommt zu provokativen Schlüssen: So wies er etwa im Bezug auf die Flüchtlingskrise in Europa Angela Merkel die Alleinschuld zu.
Kritik an eine Magistratin wegen der Asylpolitik? Da kennt sich auch Guido Graf bestens aus.
Seinen Kopf zerbrechen mag sich der Gesuchte in seinen Ferien nicht. Er widmet sich im Sommer dem Werk Denkpausen: Dreissig Reportagen aus drei Jahrzehnten. «Da ich die Ferien mit meinen beiden Enkelkindern und daher sehr abwechslungsreich und aktiv verbringe, passen kurze Geschichten ausgezeichnet, um nicht den Faden zu verlieren», begründet der Magistrat seine Buchwahl. Das Werk stellt Reportagen aus der Wochenbeilage der Neuen Zürcher Zeitung (NZZ) zwischen 1986 und 2009 vor. Darin enthalten sind beispielsweise Reportagen von Peter Stamm (Agnes) oder Hugo Lötscher (Der Waschküchenschlüssel).
Den Geschichten der NZZ-Reporter widmet sich der Baudirektor Robert Küng. In seiner Freizeit taucht er aber auch gerne mal in Krimis ein.
Eigentlich eher klassisch mag es der Leser dieses Buches. Frisch und Dürrenmatt gehören zu seinen Standardrepertoire. Ob er im Sommer Besuch von einer alten Dame erwartet? Vielleicht hegt er ja nur, wie Don Juan, die Liebe zur Geometrie. Dieses Jahr gehört auch die  Autobiografie von Hans-Werner Sinn Auf der Suche nach der Wahrheit in den Reisekoffer. Dem aktuellen Buchkauf liegt ein Auftritt des Autors zugrunde: Der Nationalökonom und  Finanzwissenschaftler Sinn sprach an einem Anlass der Uni Luzern. Die Themen des Deutschen sind etwa der Euro, der Brexit oder auch die Migration.
Ein Schelm, wer denkt, Wyss wolle in Zukunft im EU-Parlament mitmischen. Vorerst wissen wir aber nur, dass sich Reto Wyss Hans-Werner Sinns Autobiografie widmet. (Bild: Urs Flüeler, Keystone)
Im Gegensatz zu Robert Küng beschäftigen den verbliebenen Regierungsrat Krimis nur während der Arbeitszeit.  Abseits davon wälzt er lieber in «Büchern der Geschichte und dem Wandel der Zeit», wie er sagt. In seinen Ferien schnappt er sich Aufstieg, Macht, Tragik, die Biografie über den Wirtschaftspionier Alfred Escher. «Wir stehen derzeit vor gewaltigen Umbrüchen in Gesellschaft und Wirtschaft, welche das Leben von uns allen in praktisch allen Bereichen nachhaltig verändern wird», so der Regierungsrat. Er sei daher der Meinung, dass es ratsam sei, die Handlungsweise grosser Macher zu verstehen.
Wer mitgedacht hat, weiss, dass es sich nur um Paul Winiker handeln kann. Vielleicht nutzt er ja die Sommerpause, um sich Inspiration für eine eigene Biografie zu holen? (Bild: Urs Flüeler, Keystone)