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BILDUNG: An Luzerner Schulen fehlen Sprachtherapeuten

Wenige Wochen vor Schulbeginn sucht der Kanton noch immer mehrere Logopädinnen. Der Beruf hat aus mehreren Gründen an Attraktivität verloren.
Yasmin Kunz
Die Logopädin Irene Bucheli aus Rothenburg macht mit einem Schüler Schluckübungen. (Bild Pius Amrein)

Die Logopädin Irene Bucheli aus Rothenburg macht mit einem Schüler Schluckübungen. (Bild Pius Amrein)

«Du wollen ein Stück Schokolade?» Kinder, die solche Sätze bilden, die stottern oder auch schwer verständlich sprechen, werden von Logopäden therapiert. Oder vielmehr von Logopädinnen; denn die meisten dieser Fachkräfte sind Frauen. Sie eruieren die Spracherwerbsstörung und versuchen mittels verschiedenen Therapiemethoden, diese möglichst früh im Kindesalter zu beheben.

Logopädinnen arbeiten an Sonderschulen, Spitälern, aber auch an Regelschulen. Derzeit sind an regulären Schulen im Kanton Luzern 87 Logopädinnen tätig; sie teilen sich rund 46 Vollzeitstellen. Das Problem: Noch sind mehr als eine Handvoll Stellen für das in wenigen Wochen beginnende Schuljahr offen. Das mag nach wenig aussehen, ist aber viel, wie Ursula Bieri, Präsidentin des Luzerner Berufsverbands der Logopädinnen und Logopäden, sagt: «Schon fünf unbesetzte Stellen sind viel, weil dann Kinder mit weniger ausgeprägten Sprachstörungen auf eine Warteliste kommen.»

Nachwuchsproblem ist neu

Dass die Volksschulen Mühe haben, Logopädinnen zu rekrutieren, ist ein eher neues Phänomen, wie Bieri sagt. «Vor fünf Jahren konnten die Stellen an öffentlichen Schulen noch problemlos besetzt werden.» Für die Trendwende vermutet sie mehrere Gründe: «Zum einen werden die Anstellungsbedingungen an den Schulen zunehmend un­attraktiv. Zum anderen sind seit der Einführung der Integrativen Förderung die Anforderungen gestiegen.» Damit spricht die Verbandspräsidentin die Tatsache an, dass Logopädinnen nun auch Kinder mit schwersten Spracherwerbsstörungen betreuen. Früher wurden diese in Sprachheilschulen gefördert. Überdies therapieren Logopädinnen geistig behinderte, verhaltensauffällige und mehrsprachige Kinder. Gerade bei Migrationskindern sei die Diagnostik besonders herausfordernd, weil Fachkräfte da zuerst eruieren müssen, ob das Kind die sprachlichen Auffälligkeiten auch in der Muttersprache aufweist, erklärt Bieri, die selber als Logopädin in der Stadt Luzern tätig ist.

Die Zahl der Kinder, die derzeit logopädische Dienste in Anspruch nehmen, liegt laut Ursula Bieri zwischen 6 und 8 Prozent – und damit im langjährigen Schnitt. In der Regelschule betrifft dies von rund 38 000 Kindern also maximal 3000.

Luzern: Bald eigene Ausbildung?

Charles Vincent, kantonaler Leiter der Dienststelle für Volksschulbildung, führt den Nachwuchsmangel im Kanton unter anderem auf eine fehlende Bildungsstätte in der Zentralschweiz zurück. Vincent findet zudem, dass die bestehenden Ausbildungsstätten (siehe Box) mehr Plätze schaffen müssten. Und: «Wenn sich die Situation weiter verschärft, könnte eine eigene Ausbildung in Luzern geprüft werden.» Vincent konkretisiert: «Besteht eine Notsituation über mehrere Jahre, könnte man eine Zusammenarbeit mit einem bestehenden Angebot prüfen und beispielsweise an der Pädagogischen Hochschule in Luzern Logopädie-Module anbieten.»

Bieri hingegen glaubt, dass der Mangel wenig mit dem fehlenden regionalen Ausbildungsangebot zu tun hat. «Viele Luzerner kommen nach der Ausbildung in den Kanton zurück, weil sie sich hier – vor allem mit Blick auf den Dialekt, der bei unserer Arbeit eine zentrale Rolle spielt – heimisch fühlen.» Ausserdem stünden Kantone mit Ausbildungsangeboten vor ähnlichen Schwierigkeiten – «nur nicht so ausgeprägt», sagt Bieri.

Mehr Lohn gefordert

Pro Jahr absolvieren landesweit rund 100 Personen die Ausbildung zur Logopädin. Das sollte eigentlich reichen, um den Bedarf an öffentlichen Schulen zu stillen. Doch Bieri weiss, dass ein Grossteil der Abgänger eine Anstellung in Spitälern oder bei Institution wie etwa Mariazell in Sursee sucht. Bieri: «Auch wenn der Lohn nicht das A und O ist, die Anstellungsbedingungen bei einer Institution sind in der Regel deutlich besser.» Und genau da setzt der Berufsverband den Hebel an. Sie verlangen vom Kanton, den Lohn jenem von Heilpädagogen anzupassen. Konkret wären das zwischen 3000 und 4000 Franken mehr pro Jahr. Bieri: «Wir leisten eine Arbeit im ähnlichen Umfang und sollen entsprechend entlöhnt werden.» In anderen Kantonen wie etwa Zug oder Zürich ist beispielsweise der Einstufungslohn höher als in Luzern. Auch die Lohnerhöhungen erfolgen da schneller als im Kanton Luzern. Mit einem besseren Salär für Luzerner Logopädinnen würde man auch dem Nachwuchsproblem begegnen, argumentiert sie und fügt an: «Das ist mein grösstes Anliegen. Alle Kinder mit einer Spracherwerbsstörung sollen therapiert werden können.»

Das Problem mit dem Lohn: Die Schweizerische Konferenz der kanto­nalen Erziehungsdirektoren hat in den Anerkennungsrichtlinien die Ausbildungsanforderungen festgehalten. Wer wie die Logopädinnen das Bachelor-Diplom hat, wird bei der entsprechenden Lohnklasse eingestuft. Wer das Masterzertifikat vorweist, wird höher eingestuft – so zum Beispiel die Heilpädagoginnen. Logopädinnen verdienen abhängig vom Dienstjahr gemäss Besoldungsliste des Kantons Luzern zwischen rund 81 000 und 121 000 Franken pro Jahr.

Yasmin Kunz

Dreijähriges Studium

Logopädiekuy. Ziel von Logopäden ist es, Auffälligkeiten in den Bereichen Sprechen, Schlucken, Sprachverständnis, Lesen und Schreiben zu erkennen, danach die Ursachen zu ermitteln und die Kommunikationsfähigkeit der Betroffenen zu verbessern. So unterstützen sie etwa Kinder, die einzelne Laute ungenau aussprechen, Lese- und Rechtschreibschwierigkeiten aufweisen oder stottern. Die Ausbildung wird an vier Standorten angeboten:

  • am Institut Spezielle Pädagogik und Psychologie in Basel,
  • am Heilpädagogischen Institut der Universität Freiburg,
  • an der Schweizer Hochschule für Logopädie in Rorschach,
  • an der Interkantonalen Hochschule für Heilpädagogik in Zürich.

Die Ausbildung kann in Vollzeit oder in Teilzeit gemacht werden. Vollzeit dauert drei, Teilzeit vier bis fünf Jahre. Voraussetzungen dafür sind ein Abschluss auf der Sekundarstufe II. Ausserdem muss man einen Eignungstest bestehen und Unterrichtserfahrung in Form von Schnupperwochen mitbringen. Weiter ist wichtig, dass die Personen Schweizer Mundartsprache und die Standardsprache beherrschen. Derzeit absolvieren 17 Luzernerinnen die Ausbildung zur Logopädin.

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