BILDUNG: Berufsschulpolitik ist auch Regionalpolitik

Der Kanton Luzern soll die Standorte der Berufsfachschulen pragmatisch wählen und auf die Interessen der Regionen Rücksicht nehmen. Dies hat der Kantonsrat der Regierung mit auf den Weg gegeben.

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Am Dienstag startete das Parlament mit der Behandlung des Planungsberichtes über die Berufsfachschulplanung. Bisher gibt es zehn kantonale Berufsschulen an 14 Standorten, hinzu kommen zwei private Schulen mit einem staatlichen Leistungsauftrag. Laut Medienmitteilung sind die Raumverhältnisse an den Schulen schwierig, zudem seien die Berufe eher zufällig auf die einzelnen Standorte aufgeteilt worden.

Verwandte Berufe bündeln
Deshalb möchte die Regierung die rund 150 Berufe zu Kompetenzzentren mit überregionaler Ausstrahlung bündeln. Vor zwei Jahren endete die Umsetzung dieses Ziels «in einem Scherbenhaufen», wie es weiter heisst.

Die Regierung legte in ihrem Planungsbericht eine Lösung vor, die die Interessen der Berufsverbände berücksichtigt. Beauftragt vom Parlament, präsentierte sie dazu einen Alternativvorschlag, der mehr Rücksicht auf die Regionen nimmt. So werden die Bäcker gemäss Alternative nicht in Luzern, sondern in Willisau ausgebildet. Sursee behält im Gegenzug einen Teil der kaufmännischen Ausbildung (statt Willisau). Und die Coiffeure bleiben in Luzern.

Alternative zur Alternative
Die Fraktionen zeigten sich in der Frage gespalten, welche Variante zu bevorzugen sei. Der Hauptvorschlag der Regierung verschiebe die Berufsbildung zu stark Richtung Stadt, kritisierte etwa Jakob Lütolf (CVP).
Auch die FDP unterstützte eher die Alternative, sie wollte diese aber noch varieren. Es mache Sinn, die Bäcker- und Konditorenberufe zusammen mit den Gastroberufen in Luzern anzusiedeln, sagte Peter Tüfer (FDP). Statt die Bäcker und Konditoren solle Willisau deshalb die Coiffeure erhalten.
Die SVP stellte sich grossmehrheitlich hinter die Regierung. Der Hauptvorschlag sei preisgünstiger als die Alternative, sagte Josef Roos (SVP). Nino Froelicher (Grüne) entgegnete, dass die Stärkung des ländlichen Raumes kein Lippenbekenntnis sein dürfe.

Für die Regierung ist die Alternative dagegen nur die zweitbeste Lösung. Das Beharren auf Bestehendes ist für die Zukunft nicht immer gut, mahnte Bildungsdirektor Anton Schwingruber. Der Rat folgte dem Regierungsrat nicht und sprach sich schliesslich mit 62 zu 39 Stimmen für den Alternativvorschlag aus. Kein Gehör hatte er aber für die von der FDP vorgeschlagene «Optimierung». Die Vorlage wird am Montag fertig beraten.

ana