Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben jetzt den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Ihr Konto ist aktiviert. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

BILDUNG: Dicke Luft zwischen Privatschulen

Die stark wachsende Business Hotel Management School ist neu kantonal anerkannt. Dabei sei die Qualität der Ausbildung mangelhaft, heisst es bei der traditionellen Hotelfachschule.
Remo Wiegand
Dieses Gebäude an der Luzerner Baselstrasse wird ab 2018 der Hauptsitz der Business Hotel Management School sein. (Bild Roger Grütter)

Dieses Gebäude an der Luzerner Baselstrasse wird ab 2018 der Hauptsitz der Business Hotel Management School sein. (Bild Roger Grütter)

Remo Wiegand

Asiatische Lebensmittelläden, Raucher-Bars, trashige Freikirchen: Die Baselstrasse, Luzerns kurze Multikulti-Meile, versprüht raue Exotik. Auch zum Strassenbild gehören heuer Dutzende geschniegelte, meist asiatisch aussehende Jugendliche. Sie sind Absolventen der Business Hotel Management School (BHMS), deren Hauptsitz sich an der Baselstrasse 57 befindet. Noch. Derzeit wird er 500 Meter Richtung Kasernenplatz verlegt. Der neue, topmoderne Campus an der Gütschstrasse, der bis Frühjahr 2018 definitiv bezogen werden soll, wartet mit Mensa, moderner Schulküche und sechs Klassenzimmern auf, die nach Schweizer Promis wie Tell, Pestalozzi oder Johanna Spyri benannt sind. Bereits jetzt befinden sich hier Schülerresidenzen, gegenüber im Sentipark sind weitere Vorlesungsräume.

Die BHMS boomt. Knapp 1000 Studenten absolvieren hier derzeit eine Ausbildung, die meisten streben einen Bachelor in «Hotel and Hospitality Management» an. Die englischsprachige Ausbildung dauert drei Jahre. Kostenpunkt: 83 700 Franken.

Internat für reiche Ausländer

Fast alle Schüler und Schülerinnen kommen aus dem Ausland, rund 60 Prozent sind aus dem asiatischen Raum, daneben hat es Araber, Russen, Bulgaren oder Deutsche. Die Anforderungen für den Schuleintritt sind nicht eben streng: Mindestalter 17 Jahre, 12 Jahre obligatorische Schulzeit, Bestehen eines Englisch-Tests und ein gültiges Ausbildungsvisum. Aber eben: Ein dickes Portemonnaie der Eltern ist nötig. «Wir bieten den Studierenden ein All-inclusive-Package», rechtfertigt Schuldirektor Philipp Terry den Preis. «Dazu gehören neben dem Unterricht auch Kost und Logis, Betreuung, Krankenversicherung und Freizeitprogramm. Dafür sind wir vergleichsweise günstig.» Die BHMS funktioniert de facto wie ein Internat. Die reiche Oberschicht aus Schwellenländern und Tigerstaaten schickt ihre Kids auf Lehr- und Wanderjahre in die sichere Schweiz, in der diese zugleich den Ernst des Lebens wie westliche Party-Freiheit entdecken: «Ein grosser Teil unserer Aufgabe ist es, die Jugendlichen zu formen», sagt Schuldirektor Terry, der in Deutschland aufgewachsen ist und der den Zenit seiner Hotelkarriere in Florida erlebte, wo er unter anderem 18 Jahre fürs Disneyworld arbeitete. «Sie lernen bei uns schweizerische Werte wie Disziplin, Höflichkeit und Selbstmanagement.»

Luzern als «perfekter Lernort»

Die BHMS wurde 1998 gegründet und gehört zur Gruppe der Bénédict-Privatschulen. Deren Gründer ist Heinrich Meister. «Luzern ist der perfekte Lernort für die Studierenden», sagt er. «Der Tourismus befindet sich hier vor der Haustüre.» Die Schüler drücken jeweils ein halbes Jahr lang die Schulbank, bevor sie ein ebenso langes, bezahltes Praktikum in der Hotellerie absolvieren. Seine Schüler seien rege nachgefragt, die anfänglich mangelnden Deutschkenntnisse – die Sprache wird im Lauf der Ausbildung unterrichtet – kein Hinderungsgrund: «Die Hotels bestellen bei uns einen Japaner oder Russen. Sie richten sich ganz nach ihrer Kundschaft aus.» Meister betont: «Nach der Ausbildung müssen die Jugendlichen die Schweiz wieder verlassen. Wir sind keine Billigkonkurrenz für Schweizer Hotelfachkräfte.»

Kritik von der Hotelfachschule

Apropos Konkurrenz: Die etablierte Schweizerische Hotelfachschule Luzern (SHL) beim Hotel Montana, an der ebenfalls rund 1000 Studierende eingeschrieben sind, stört sich am erfolgreichen Emporkömmling. «Die BHMS wirbt mit viel Swissness. Die Schule genügt schweizerischen Qualitätskriterien aber nach unserem Wissensstand über weite Strecken nicht», beanstandet Timo Albiez, stellvertretender Direktor der SHL. Die vielen ausländischen Lehrkräfte seien methodisch-didaktisch nicht auf Schweizer Niveau, das Niveau der Schülerschaft allzu heterogen, nicht umsonst fehle der BHMS die eidgenössische Anerkennung als Höhere Fachschule.

Die BHMS sei zwar keine direkte Konkurrenz, man ziele primär auf Schweizer Studierende mit abgeschlossener Berufslehre oder mit Matura in der Tasche – und man sei nur einen Drittel so teuer. Aber, so Albiez: «Wir machen uns Sorgen um den Ruf des Ausbildungsstandorts Schweiz.» Er beklagt die «aggressive Werbung» der BHMS, die dazu führe, dass sie im Ausland zusehends als eigentliche Schweizer Hotelfachschule wahrgenommen werde. Wenn aber die Qualität nicht dem entspreche, was die Schweiz gerne in die Welt transportiert, schade das allen.

Mehrheit der Lehrer einheimisch

Der BHMS-Gründervater kann den Widerstand nicht nachvollziehen: «Wir nehmen niemandem etwas weg. Die Geschäftsmodelle sind doch völlig andere», sagt Heinrich Meister. «Bei uns ist der Management-Aspekt wichtiger, unsere Leute arbeiten später auch auf Kreuzfahrtschiffen, bei Fluggesellschaften oder im Event Management. An der Hotelfachschule hat man dafür eine Gastro-Vertiefung und lernt zum Beispiel, wie 400 verschiedene Weine schmecken. Das brauchen wir nicht.» Es stehe der Hotelfachschule zudem frei, ebenfalls im Ausland Studierende zu akquirieren, falls sie befürchte, das BHMS-Wachstum gehe auf ihre Kosten.

Was aber ist mit der Qualität der Ausbildung? Die BHMS-Verantwortlichen verweisen auf Kooperationen mit Universitäten in Aberdeen, Brighton und Seattle, die für den Wert ihrer Abschlüsse bürgten. Die Mehrheit des Lehrkörpers sei schweizerisch, die Selektion bei den Schülern am Ende jedes Schuljahres streng. «Wenn unsere Absolventen keine Qualität böten, wären wir bei den Hotels und in der Industrie rasch weg vom Fenster», beteuert Meister. «Aber wir sind gefragter denn je.»

Segen des Kantons ist befristet

Um ihren «Swissness-Faktor» noch zu erhöhen, hat die BHMS eine Anerkennung als Höhere Fachschule beantragt. Diesen Juni hat sie vom Kanton Luzern einen positiven Bescheid erhalten. Der SHL ist dies ein «Dorn im Auge», die Vertreter der Höheren Fachschulen haben sich bis Bundesbern dagegen gewehrt. Daniel Preckel von der Dienststelle für Beruf und Weiterbildung des Kantons Luzern verteidigt den Schritt: Man habe sich beim Umgang mit internationalen Hotelfachschulen für den «neuen Weg» entschlossen, sie kantonal anzuerkennen, wenn sie bereit sind, eine eidgenössische Anerkennung anzustreben. «Ziel ist, Anreize zu schaffen, sich in das schweizerische Bildungssystem zu integrieren und sich damit den Qualitätsanforderungen der Branche anzupassen», so Preckel. Das kantonale Gütesiegel ist bis 2021 befristet, bis dahin muss sie der eidgenössischen Anerkennung weichen, ansonsten läuft sie ersatzlos aus. Eine erste Konsequenz der Liaison mit dem Kanton ist, dass die BHMS seit neuestem auch einen Lehrgang auf Deutsch anbietet. Die grosse Mehrheit der Schüler wird aber weiterhin auf Englisch lernen.

Private Hotelfachschulen in Luzern

Neben der Business Hotel Management School existieren im Kanton Luzern noch weitere private, englischsprachige Hotelschulen:
das Hotel and Tourism Management Institute in Sörenberg
das International Hotel Management Institute in Kastanienbaum
das Swiss Institute for Management & Hospitality in Weggis
die Culinary Arts Academy in Luzern
Eine weitere private Hotelschule, das International Hotel and Tourism College in Weggis, ging 2007 in Konkurs.

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.