BILDUNG: Erstklässler programmieren selbstständig Roboter

Spielerisch lernen Primarschüler, Roboter zu programmieren. Das Projekt der Pädagogischen Hochschule ist schweizweit einzigartig.

Beatrice Vogel
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Spielerisch werden Erstklässler vom Schulhaus Maihof an der Pädagogischen Hochschule Luzern in die Robotik eingeführt. Mittel dazu sind Lego-Autos (rechts oben), Tablet-Computer (Mitte) oder eine Roboterbiene (unten). (Bilder Beatrice Vogel/PD)

Spielerisch werden Erstklässler vom Schulhaus Maihof an der Pädagogischen Hochschule Luzern in die Robotik eingeführt. Mittel dazu sind Lego-Autos (rechts oben), Tablet-Computer (Mitte) oder eine Roboterbiene (unten). (Bilder Beatrice Vogel/PD)

Tiemo, Kanicha und Tom besuchen im Maihofschulhaus die erste Klasse bei Regula Aeschbacher. An diesem Mittwochvormittag sind sie jedoch nicht in der Schule, sondern in der Lernwerkstatt der Pädagogischen Hochschule (PH) Luzern. Hier bauen sie aus Legosteinen einfache Roboter und programmieren sie. «Wir haben zuerst ein Lego-Krokodil gebaut und es so programmiert, dass es zubeisst, wenn man ihm den Finger in den Mund hält», berichtet Tom begeistert. Corin Lang hilft den Schulkindern dabei. Die Studentin besucht das Modul Robotik an der PH und betreut die Klassen in der Lernwerkstatt. Ihre Aufgabe besteht neben dem Aufbauen und Aufräumen der Lernumgebung hauptsächlich darin Fragen zu stellen: «Was haben wir jetzt gemacht? Ist das richtig so? Wo ist der Fehler?»

Simulationen auf dem Tablet

Die PH Luzern bietet die Lernumgebung Robotik diesen Herbst während vier Wochen für Schulklassen an. Sie wurde von Studenten selbst entwickelt und ist in dieser Art schweizweit einzigartig. Sie richtet sich an Lernende vom Kindergarten bis zur 9. Klasse und beinhaltet verschiedene Stationen – darunter das Bauen und Programmieren der Roboter, wie auch Simulationen am Tablet oder Laptop.

Die Lernwerkstatt besteht seit 2011, mit wechselnden Lernumgebungen und Themen. Grundprinzip der Lernwerkstatt ist das selbstständige und entdeckende Lernen. «Die Kinder lernen durch Versuch und Irrtum, entwickeln Arbeitsstrategien und stärken ihr Selbstbewusstsein durch Erfolgserlebnisse», sagt Michael Zutavern, stellvertretender Rektor der PH Luzern. Die Lehrperson begleitet die Kinder, berät sie und hilft ihnen mit Fragen auf den richtigen Weg.

Nachfrage übersteigt Angebot

Gut 7500 Kinder haben bisher vom Angebot profitiert. «Die Nachfrage ist so gross, dass wir nicht immer alle Anmeldungen berücksichtigen können», sagt René Schär, Co-Leiter Lernwerkstatt. Für diese Fälle ist vorgesorgt: Die Anleitung zur Lernwerkstatt Robotik kann von der Website der PH Luzern heruntergeladen werden. Zudem verleiht die PH die Roboterbausätze. So ist die Lernumgebung in jedem Schulhaus einfach aufzustellen und durchführbar.

Am besten kommt die Biene an

Die Erstklässler vom Maihofschulhaus arbeiten so konzentriert, dass sie kaum ansprechbar sind. Besonders begeistert sie ein bienenförmiger Roboter namens Bee-Bot. Dieser lässt sich mit Knöpfen auf dem Rücken so programmieren, dass er einen bestimmten Weg auf einer Spielfläche zurücklegt. Im zweiten Schritt lösen die Kinder ähnliche Aufgaben mit dem Bee-Bot auf dem Tablet-Computer. Jedes Kind wählt selbst den Schwierigkeitsgrad. Tom: «Die Aufgabe mit der Biene und dem iPad fand ich am schwierigsten.»

Regula Aeschbacher ist bereits zum dritten Mal mit einer Klasse an einer Lernwerkstatt. «Wir könnten selbst weder ein solches Angebot zusammenstellen, noch verfügen wir über die Infrastruktur dazu», sagt sie. Es sei toll, dass man einfach kommen könne und alles schon vorbereitet vorfinde. Aeschbacher nimmt das Thema Roboter auch im eigenen Unterricht auf. «Die Kinder nehmen viel mehr mit, wenn wir die Inhalte im Unterricht festigen», sagt die Lehrerin.