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BILDUNG: «Es ändert sich gar nicht so viel»

Bereits eine Woche vor dem offiziellen Start begann in Hildisrieden das neue Schuljahr – inklusive neuen Lehrplans 21. Dieser ist mehr Evolution denn Revolution, sagt Bildungsdirektor Reto Wyss vor Ort. Auch der Schulleiter ist erleichtert.
Stephan Santschi
Bildungsdirektor Reto Wyss beobachtet die Zweitklässlerin Elena Garn bei der Arbeit. (Bild: Nadia Schärli (Hildisrieden, 18. August 2017))

Bildungsdirektor Reto Wyss beobachtet die Zweitklässlerin Elena Garn bei der Arbeit. (Bild: Nadia Schärli (Hildisrieden, 18. August 2017))

Stephan Santschi

stephan.santschi@luzernerzeitung.ch

Hoher Besuch gestern im Klassenzimmer 2b von Lehrerin Martina Inderbitzin. Der Luzerner Bildungsdirektor Reto Wyss (CVP) gesellt sich im Rahmen unseres Fotoshootings für einige Minuten zu den Kindern, später unterhält er sich kurz mit Schulleiter Benno Schnarwiler. Just vor dem allgemeinen Schulstart am nächsten Montag lud Wyss die Medienschaffenden zum traditionellen Gespräch über bildungspolitische Themen ein und wählte dazu das Schulhaus in Hildisrieden, weil hier schon seit einer Woche unterrichtet wird. Eine Woche, in der man bereits Erfahrungen sammeln konnte mit dem Lehrplan 21 (LP 21), der ab Montag in allen Luzerner Schulen eingeführt wird. «Wir sind jetzt schlanker», sagt Wyss lächelnd und zeigt auf fünf Ordner. «Da drin ist der alte Lehrplan, der seit über 20 Jahren im Einsatz ist.» Daneben liegen die Papiere des LP 21 auf einem Stapel, für den zwei Ordner problemlos ausreichen würden.

Unkompliziert waren die Neuerungen deshalb keineswegs, ursprünglich war die Lancierung schon für 2011 vorgesehen. Inhaltliche Diskussionen führten zu Verzögerungen – zu gross, zu detailliert und zu anforderungsreich sei der LP 21, hiess es. Und heute? «Sagen uns die Lehrer, dass sich gar nicht so viel ändere», berichtet Benno Schnarwiler. Für Wyss ist klar, woran das liegt: «Die neue Ausrichtung ist bei uns im Rahmen des Projekts ‹Schulen mit Zukunft› schon länger ein Thema. Wir sprechen deshalb nicht von einer Revolution, sondern von einer Evolution», einer Weiterentwicklung also.

Es wird nicht einfach nur auswendig gelernt

Im Zentrum des Lehrplans 21 steht die sogenannte Kompetenzorientierung. Das heisst: Der Schüler lernt nicht nur den klassischen Schulstoff, sondern auch dessen Anwendung im Alltag. Schnarwiler nennt zur Veranschaulichung ein Beispiel: «Geografischer Unterricht beschränkt sich nicht auf das Auswendiglernen der Namen von Bächen und Bergen. In Gruppen werden aus­serdem Schulreisen geplant, wo neben dem geografischen Wissen auch Fahrplanlesen und Kostenberechnung gefordert werden.» Einer der Ausflüge, der auf diese Weise erarbeitet wird, werde dann auch durchgeführt.

Vorerst wird der LP 21 vom Kindergarten bis zur 5. Primarklasse praktiziert, ab 2018 dann auf die Oberstufe ausgebaut. Neu sieht der Stundenplan mehr Unterricht für die Schüler vor, allerdings weniger Lektionen in der halben Klasse. Neu ist auch die Bezeichnung einiger Fächer. «Mensch und Umwelt» heisst nun «Natur, Mensch, Gesellschaft»; Geschichte und Geografie sind in «Räume, Zeiten, Gesellschaften» zusammengefasst; Hauswirtschaft nennt sich jetzt «Wirtschaft, Arbeit, Haushalt», darüber hinaus wird das Modul «Medien und Informatik» in mehrere Fächer integriert. Für die Lehrer bedeutet dies: Ausser in Mathematik und Deutsch werden die Lehrmittel überarbeitet oder komplett ersetzt. «Einfach die Schublade öffnen und herausnehmen, was letztes Jahr gültig war, geht nicht», hält Schnarwiler fest. «Das sorgt natürlich für einen gewissen Aufwand.»

Schulleiter wacht über Einführung des Lehrplans

Den Lehrern wird künftig aber nicht detailgetreu vorgeschrieben, wie sie den LP 21 anzuwenden haben. Vielmehr gibt es acht Kriterien, an denen sie sich orientieren können. «Den Schülern Erfolgserlebnisse ermöglichen, über das Gelernte nachdenken lassen, Feedbacks geben oder das Wissen in authentischen Situationen zur Anwendung bringen», erklärt Schnarwiler.

Da man die Idee des neuen Lehrplans und des kompetenzorientierten Unterrichts leicht umgehen könne, werde er die Umsetzung mit dem Besuch von Lektionen und in Gesprächen in den nächsten Monaten überprüfen. «Wir legen aber nicht den Schalter um, und alles ist anders. Es handelt sich um einen kontinuierlichen Prozess.»

Hinweis

Umfassende Informationen zum Lehrplan 21 finden Sie in unserer Montagsausgabe.

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