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BILDUNG: «Fälle von Spicken häufen sich»

Mehrere Schüler haben kurz vor der Matura an der Kantonsschule Sursee geschummelt. Experten sind wenig überrascht – und nehmen Lehrer in die Pflicht.
Christian Hodel
Modernes Spicken: Was früher das Zettelchen war, ist heute das Smartphone. (Symbolbild Getty)

Modernes Spicken: Was früher das Zettelchen war, ist heute das Smartphone. (Symbolbild Getty)

Eine Maturandin der Kantonsschule Sursee muss das Schuljahr wiederholen, weil sie an Prüfungen kurz vor der Matur gespickt hat. Offensichtlich war sie nicht allein. Ein richtiger Sport habe sich in der Klasse daraus entwickelt, sagt sie (Ausgabe vom Samstag). «Seit es die Schule gibt, ist Spicken ein Thema», sagt Remo Herbst, Präsident des Verbands Luzerner Mittelschullehrerinnen und Mittelschullehrer. Neu kommt hinzu, dass moderne Medien genutzt würden. Damit «können mit einem Knopfdruck viele Schüler auf einmal erreicht werden».

Machen es sich die Lehrer zu leicht?

Doch hinken Schulleitungen und Lehrer den Schülern nicht hinterher, wenn es um den Einsatz von modernen Medien geht? «Die Schüler haben mit deren Umgang sicherlich einen grossen Vorteil», sagt Herbst. Nach einem solchen Vorfall seien die involvierten Stellen nun aber sensibilisierter. Und bereits heute würden Lehrer im Umgang mit modernen Medien geschult. Klar sei aber: «Wenn ein Schüler bereit ist zu spicken, ist dies auch möglich.» Denn trotz aller eingeleiteten Massnahmen – etwa dem Abgeben der Handys oder den Kontrollgängen des Lehrers während der Prüfung – gehe es letztlich immer auch um Vertrauen, das der Lehrer in seine Schüler haben muss.

In einem Fall in Sursee wurden unter den Schülern alte Prüfungen verschickt. Die Lösungswege der Aufgaben waren offenbar beinahe dieselben wie in der versandten Prüfung. Machen es sich Lehrer zu leicht und stellen immer ähnliche Prüfungen zusammen? «Es wird angestrebt, für jede Klasse eine neue Prüfung zu kreieren. Jedoch sollen die Ergebnisse auch miteinander vergleichbar sein», sagt Herbst. Gerade im Maturitätsjahr sei es etwa wichtig, zwischen den Parallelklassen Prüfungen zu machen, die auf ähnlichen Standards beruhen. Für die Repetition des Stoffes zu Übungszwecken sei es üblich, dass Prüfungen aus früheren Jahren eingesetzt würden, jedoch nicht an den Prüfungen selber, teilt Michel Hubli, Rektor der Kantonsschule Sursee, schriftlich mit. «Trotzdem kann es vorkommen, dass sich Testfragen mit früher gestellten Fragen hie und da decken; auch das ist normal und gehört zum Lernprozess.» Laut Remo Herbst habe sich die Prüfungskultur an den Gymnasien in den vergangenen 20 Jahren stark verändert. «Heute müssen Schüler das Gelernte auch anwenden und bewerten können.» Reines Fakten-Abfragen, wo Spicken leichter möglich ist, sei heute nur noch von untergeordneter Bedeutung an den Gymnasien.

Wird zu viel Wissen abgefragt?

Susanne Wildhirt, Erziehungswissenschaftlerin und Dozentin an der Pädagogischen Hochschule Luzern (PH Luzern), sieht dies anders: «Häufig sind Prüfungen noch immer Wissensabfragen. Durch Prüfungen, die mehr auf dem Anwenden des Gelernten beruhen, kann das Spicken minimiert werden. Trotzdem wird es immer wieder vorkommen.» Dass sich die Prüfungsmodelle ändern, hänge aber weniger vom Schulsystem ab. «Der einzelne Lehrer bestimmt zum grossen Teil, wie eine Prüfung aussieht.» An der PH-Luzern würden der Umgang mit moderner Technologie und auch das Spicken in der Ausbildung gründlich thematisiert. «Ebenso versuchen wir in den Prüfungen nicht nur Wissen abzufragen. Dies auch darum, dass die Studenten später als Lehrer ebenso unterrichten.» Fest stehe: «Die Fälle von Spicken häufen sich, seit sich auch die Schulen mehr und mehr digitalisiert haben.»

Logische Konsequenz des Systems

Für ihn sei das Verhalten der Schülerinnen und Schüler an der Kantonsschule Sursee eine logische Konsequenz des gymnasialen Systems, sagt Christoph Schmitt, ehemaliger Rektor des Gymnasiums Immensee und Inhaber eines Coachingbüros. «Die Schüler weisen eine hohe Kompetenz im Umgang mit den digitalen Medien auf, und die Schulen haben noch keine Strategie, wie sie auf diese neuen Medien reagieren sollen.» Einen weiteren Grund fürs Spicken sieht Schmitt in einer Reaktion auf die sogenannte «Bulimie-Pädagogik». Er sagt: «Prüfungen bestimmen den Alltag der Schüler, das menschliche Hirn ist aber nicht fähig, Wissen für vier und noch mehr Prüfungen pro Woche aufzunehmen.» Die Folge sei, dass sich die Schüler das Wissen «ins Kurzzeitgedächtnis drücken, um es bei der Prüfung wieder herauszuwürgen». Es sei die Aufgabe der Schulen, die Schüler nicht mit Auswendiglernen zu quälen, sondern ihnen aufzuzeigen, wie sie mit dem vorhandenen Wissen umgehen können.

Christian Hodel


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