BILDUNG: Heisse Phase für Informatikschule

Vergangenen Sommer sagte der Kantonsrat Ja zur Schaffung einer Informatikmittelschule. Ob diese nächsten Herbst starten kann, ist noch nicht sicher.

Ismail Osman
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Zwei Informatiker in einem Computerraum bei der Arbeit. (Symbolbild Keystone)

Zwei Informatiker in einem Computerraum bei der Arbeit. (Symbolbild Keystone)

Ismail Osman

ismail.osman@luzernerzeitung.ch

In Zeiten des Sparens eine neue Schule zu eröffnen, ist zwangsläufig eine grosse Herausforderung. Dessen ist man sich bei der Informatikmittelschule (IMS) durchaus bewusst. Einen Luxus, den man beispielsweise nicht hat: Zeit. «Der Fahrplan für die Umsetzung ist sehr hoch getaktet», sagt Helmut Bühler. Der Rektor des Fach- und Wirtschaftsmittelschulzentrums leitet die Realisierung der IMS (siehe Kasten). Vergangenen Sommer erteilte der Kantonsrat grünes Licht für den Aufbau der Schule – mit der Bedingung, bereits ein Jahr später startklar zu sein. «Wir sind auf gutem Weg, und ich bin überzeugt, dass wir das packen», sagt Bühler heute.

Zentral für jede Schule: genügend Anmeldungen. Ziel sei es, mit rund zwanzig Schülerinnen und Schülern ins erste Jahr zu starten. Für die Aufnahmeprüfung, die nächsten März stattfindet, sind bisher neun Anmeldungen eingegangen. Das klingt zunächst wenig berauschend. Bühler relativiert jedoch: «Wir erwarten für Ende Januar einen deutlichen Anstieg bei den Anmeldungen.» Grund dafür sei, dass die abgehenden Sekundarschüler dann über das Zeugnis des ersten Semesters verfügen und entsprechend dann ihre Optionen prüfen. Die nächsten Wochen sind für die neue Schule also von zentraler Bedeutung. Anmeldeschluss für die Aufnahmeprüfung ist Ende Februar.

Mindestzahl von Schülern muss erreicht werden

Gemäss Helmut Bühler werde sich erst nach der Aufnahmeprüfung endgültig weisen, ob die Schule auch tatsächlich nächsten Herbst startet: «Anmeldung ist nicht gleich Aufnahme», stellt Bühler klar. So muss in der Aufnahmeprüfung etwa eine Mindestnote von 4 in Mathematik erreicht werden. Zudem muss belegt werden können, dass man bereits in IT-Firmen geschnuppert hat. «Wir wollen Personen, die sich auch tatsächlich schon mit dem Informatikerberuf auseinandergesetzt haben», sagt Bühler. Das Angebot richtet sich denn auch ganz klar an leistungsstarke Sek-Abgänger und Gymnasiasten. Die Schule startet im Herbst, wenn mindestens zehn Kandidaten die Prüfung bestehen. «Es ist auch klar, dass sich das Bestehen dieser Schule erst noch herumsprechen und das Angebot in der Bildungslandschaft Fuss fassen muss», sagt Bühler. Diesbezüglich stimme ihn nicht zuletzt der Auftritt der IMS an der diesjährigen Zentralschweizer Bildungsmesse (Zebi) zuversichtlich. Die Messe richtet sich in erster Linie an 8.-Klässler – also die potenziellen IMS-Schüler des übernächsten Jahres. «Das Interesse an unserem Angebot war erfreulich hoch.»

Praktikumsplätze noch nicht gesichert

Ein Eckpfeiler der vierjährigen Ausbildung ist das 12-monatige Betriebspraktikum im vierten Jahr. Hierzu braucht es selbstverständlich die Kooperation der Wirtschaft. Bereits früh meldeten Firmen wie Bison, Migros, Pilatus-Flugzeugwerke, Ruag oder Schindler sowie der Branchenverband ICT Berufsbildung Zentralschweiz ihr grundsätzliches Interesse an. Aus diesem Grundinteresse sind bisher aber noch keine konkreten Vereinbarungen hervorgegangen. Weshalb nicht? «Die IT-Branche ist eine extrem dynamische, in der sich relativ schnell viel verändern kann. Vier Jahre in die Zukunft Praktikumsstellen festzumachen, ist da nicht besonders realistisch», sagt Bühler. Es gehe nun aber auch darum, das geäusserte Interesse «warm zu halten». Man informiere die Firmen regelmässig über die Entwicklungen an der Schule und habe zu runden Tischen geladen. «Unsere Bemühungen in die Richtung werden sich sicherlich noch intensivieren, sobald die Schule dann tatsächlich startet.»

Hinweis

Mehr Infos zur Informatikmittelschule: www.fmz.lu.ch.

Massnahme gegen Fachkräftemangel

Die Ausbildung an der Informatikmittelschule besteht aus drei Jahren Schule und einem Jahr Praktikum. Sie ist am Fach- und Wirtschaftsmittelschulzentrum angesiedelt und wird dort eine der derzeit fünf bestehenden Wirtschaftsklassen ersetzen. Die Schüler werden die fachliche Informatikausbildung an 1 bis 1,5 Tagen pro Woche im Berufsbildungszentrum Wirtschaft, Informatik und Technik in Sursee absolvieren. Die restliche Zeit werden sie am Fachmittelschulzentrum in Luzern unterrichtet. Absolventen erlangen mit dem doppelten Abschluss sowohl die Berufsmaturität wie auch den Abschluss als Informatiker mit eidgenössischem Fähigkeitszeugnis (EFZ). Das Angebot der Informatikmittelschule soll längerfristig dazu beitragen, dem nach wie vor bestehenden Fachkräftemangel entgegenzutreten. (io)