BILDUNG: Horw fordert erneuten Standortentscheid

Der Horwer Gemeinderat ist nicht einverstanden, dass die Hochschule Luzern das neue Informatikdepartement im Kanton Zug realisieren will und verlangt ein Rückkommen auf dem Entscheid vom Dezember 2013. Bildungsdirektor Reto Wyss hält ein solches Vorgehen für heikel.

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Horw erachtet seine etablierte Position als Hochschul-Standort wie auch das Ausbaupotenzial von der Regierung unterschätzt. (Bild: Remo Naegeli / Neue LZ)

Horw erachtet seine etablierte Position als Hochschul-Standort wie auch das Ausbaupotenzial von der Regierung unterschätzt. (Bild: Remo Naegeli / Neue LZ)

Der Entscheid sei nicht nachvollziehbar und strategisch falsch, teilte der Horwer Gemeinderat am Freitag mit. Nachdem seit Jahrzehnten jährlich mehrere 100 Studierende in Horw und Luzern Wirtschaft- und technische Informatik studiert hätten, sei eine Stärkung am Standort Horw für die Zukunft wichtig.

Der Gemeinderat fordert die Luzerner Regierung dazu auf, beim Konkordatsrat der Hochschule, der aus den sechs Zentralschweizer Bildungsdirektoren besteht, einen Rückkommensantrag zum Standortentscheid zu stellen. Zudem solle sich der Konkordatsrat einstimmig für einen Standort aussprechen müssen.

Der Horwer CVP-Kantonsrat Gianmarco Helfenstein bringt die Diskussion um den Standort auch ins Parlament. (Bild: Roger Grütter / Neue LZ)

Der Horwer CVP-Kantonsrat Gianmarco Helfenstein bringt die Diskussion um den Standort auch ins Parlament. (Bild: Roger Grütter / Neue LZ)

Die Luzerner Regierung werde mit dem Horwer Gemeinderat ein Gespräch führen, sagte Bildungsdirektor Reto Wyss auf Anfrage. Danach werde sich der Regierungsrat mit der Forderung von Horw auseinandersetzen.

Man müsse sich aber gut überlegen, wenn man zu einem Entscheid des Hochschul-Konkordatsrats, in dem Luzern nur einen von sechs Sitzen inne habe, einen Rückkommensantrag stellen wolle, sagte Wyss.

Thema im Kantonsparlament

Der Rückkommensantrag wird auch Thema im Luzerner Kantonsparlament in der Session von kommender Woche. Der Horwer Kantonsrat Gianmarco Helfenstein (CVP) reichte eine entsprechende Motion ein.

Der Gemeinderat von Horw kritisiert die Luzerner Regierung unter anderem, sie habe sich zu wenig für den Standort Horw eingesetzt. Zudem ist er enttäuscht, nicht umgehend persönlich über die Gründe, die gegen den Standort Horw sprachen, informiert worden zu sein. Der Gemeinderat verlangt ein Gespräch mit einer Delegation der Luzerner Regierung.

Die sechs Zentralschweizer Bildungsdirektoren sprachen sich am 19. Dezember 2013 einstimmig für die Schaffung eines neuen Departements für Informatiker an der Hochschule Luzern per Herbst 2016 aus. Der Entscheid für den Standort viel zwar nicht einstimmig, aber mehrheitlich zugunsten des Kantons Zug aus.

Nähe zu Zürich gab Ausschlag

Den Ausschlag gaben unter anderem die Nähe zu Zürich sowie die hohe Präsenz von entsprechenden Dienstleistungsunternehmen im Kanton Zug, wie der Konkordatsrat im Dezember mitteilte. In Zug ist bereits das Institut für Finanzdienstleistungen IFZ aus dem Departement Wirtschaft der Hochschule angesiedelt.

Mit der Neuschaffung des Departements für 800 bis 1000 Studenten will der Konkordatsrat einen Beitrag leisten, den Fachkräftemangel in der Informatik zu mindern. Zudem will er den Wirtschafts- und Hochschulstandort Zentralschweiz stärken.

Wo genau im Kanton Zug das neue Departement geschaffen wird, ist noch offen. Es würden nun mögliche Standortgemeinden und Objekte evaluiert, hiess es in der Mitteilung vom Dezember.

Der Aufbau des Departements Informatik kostet die Trägerkantone rund drei Millionen Franken. Für den Betrieb entstehen dem Standortkanton Zug laut Hochschul-Rektor Markus Hodel jährliche Mehrkosten von zwei Millionen Franken. (sda)