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BILDUNG: «Ich habe mich mit Herzblut engagiert»

Gabrielle von Büren war während über 13 Jahren Direktorin der Kantonsschule Alpenquai Luzern. Die 61-jährige Meggerin spricht über ihren Führungsstil, Veränderungen und Bauchweh.
Stephan Santschi
Aufgetürmte Erinnerungen: Zum Abschied erhielt Gabrielle von Büren von jedem der rund 1600 Kantischüler ein bemaltes Holzplättchen. (Bild Boris Bürgisser)

Aufgetürmte Erinnerungen: Zum Abschied erhielt Gabrielle von Büren von jedem der rund 1600 Kantischüler ein bemaltes Holzplättchen. (Bild Boris Bürgisser)

Interview Stephan Santschi

Gabrielle von Büren, Sie traten Ende Januar als Direktorin der Kantonsschule Alpenquai Luzern zurück. Wie erleben Sie das Ende Ihrer Zeit als Direktorin der Kanti?

Gabrielle von Büren: Mit Wehmut. Ich habe mich mit Herzblut für die Schule engagiert. Das symbolisch starke Abschiedsgeschenk hat mich besonders gefreut, weil die Gemeinschaft darin zum Ausdruck kommt. Alle haben sich beteiligt. Alte Malunterlagen wurden in rund 1600 kleine Quadrate gesägt. Alle sind von den Schülern mit Namen und Klasse beschriftet und bilden zusammen und jedes für sich allein ein Kunstwerk.

Was prägte Ihren Führungsstil?

von Büren: Vertrauen und Verantwortung. Lehrpersonen brauchen Handlungsfreiräume, um mit Kompetenz und Persönlichkeit die Schüler zur gymnasialen Matur zu führen. Den Schülern ermöglichen Freiräume, in eigener Verantwortung Wissen zu erwerben und ihr Leben zu gestalten. Ich weiss, dass dies eine Gratwanderung ist. Doch in anspruchsvollen Berufen braucht man Handlungsfreiraum. Eigenverantwortung kann sich nur in einem solchen Umfeld entwickeln.

Was halten Sie von der politischen Entwicklung, nicht auf Teilautonomie der Schulen, sondern auf mehr Zentralisierung zu setzen?

von Büren: Damit Schulen sich weiterentwickeln und innovativ sein können, brauchen auch sie Handlungsfreiräume – inklusive einer gewissen finanziellen Autonomie im Sinn der WOV-Strategie (wirkungsorientierte Verwaltungsführung, Anm. d. Red.). Ich bedaure, dass diese immer stärker eingeschränkt werden. Diese Entwicklung lähmt Eigeninitiative, Eigenverantwortung und Innovation. Es ist ein Irrglaube, wenn man annimmt, alles regeln und kontrollieren zu können.

Was genau erwarten Sie denn vom Kanton?

von Büren: Er soll Rahmenbedingungen und Ziele setzen und die dafür notwendigen Mittel zur Verfügung stellen. Für die Umsetzung sollen Kompetenzen und Verantwortung im Rahmen der verfügbaren Mittel bei den Schulen liegen.

Seit Ihrem Amtsantritt im Jahr 2001 ist die Anzahl der Klassen um 20 Prozent und die Anzahl der Schüler um 15,6 Prozent zurückgegangen. Weshalb?

von Büren: Die Schülerzahlen nehmen generell ab, nicht nur an Kantonsschulen. Die Klassen sind grösser als früher. Zudem wurde hier das vierjährige Kurzzeitgymnasium wegen Raumknappheit sistiert. Nach wie vor sind wir aber auf die zwölf Unterrichtszimmer in den als Provisorien erstellten Pavillons angewiesen.

Braucht es Kurzzeitgymnasien?

von Büren: Der Kanton Luzern bietet das sechsjährige Lang- und das vierjährige Kurzzeitgymnasium an. Beide sollte er auf jeden Fall beibehalten. Langzeit für jene, die nach der sechsten Primarklasse wissen, dass sie ein Studium machen wollen. Kurzzeit für jene, die zunächst in die Sekundarschule gehen, weil sie am Ende der Primarschule für das Gymnasium noch nicht reif waren. Wir verfügen zudem über eine Sport- und Musikklasse, die nach dem Modell des vierjährigen Gymnasiums geführt wird, aber fünf Jahre dauert.

Welche Neuerungen haben Sie an der Schule bewirkt?

von Büren: In mehr als 13 Jahren habe ich einiges mit dem Schulteam entwickeln können. Viele dieser Neuerungen gehen auf Initiativen von Lehrpersonen zurück. Die zweisprachigen Lehrgänge, Sport- und Musikklassen inklusive Anerkennung als Swiss Olympic Partner School. Schwerpunkte in Naturwissenschaften, politischer Bildung und im kulturellen Bereich. Die Entwicklung der Zusammenarbeit mit andern Institutionen oder die Einführung eines Qualitätsmanagements und die Installation einer Fotovoltaikanlage. In diese Zeit fällt auch die Einführung von Ausbildungsplätzen in der Mensa, der Hauswartung und der Mediamatik. Die Kanti Alpenquai ist eine sehr innovative, lebhafte und vielfältige Schule. Wir liegen aber nicht jeder Modeerscheinung auf.

Wie hat sich die Schule verändert?

von Büren: Wir haben eine grössere Methodenvielfalt und mehr Zusammenarbeit unter den Lehrern. Die Diskussionen mit den Eltern sind anspruchsvoller geworden, es werden schneller Rekurse ins Auge gefasst. In den überwiegenden Fällen lassen sich aber in Gesprächen Lösungen finden. Das braucht aber mehr Zeit für Lehrpersonen und Schulleitung.

Wie erleben Sie den Einzug der neuen Medien in den Unterricht?

von Büren: Mit Handys und Computern muss man lernen umzugehen, auch in Schulzimmern. Wichtig ist und bleibt: die Persönlichkeit der Lehrperson und der persönliche Kontakt.

Wie schwierig war es, die Sparmassnahmen des Kantons umzusetzen?

von Büren: In der Summe waren die Kürzungen sehr einschneidend. Es fehlt die Planungssicherheit, weil nicht sicher ist, ob die notwendigen Ressourcen weiter zur Verfügung stehen. Das hemmt die Schule in ihrer Weiterentwicklung. Die Reduzierung der Wochenstunden war jeweils sehr schwierig. Das sorgte für viel Frustration. Und bei mir oft für Bauchweh. Diese Sparmassnahmen bei den Gymnasien müssen nun ein Ende haben.

Die Schulleitungsaufgaben sind für Sie zu Ende. Was folgt nun?

von Büren: Ich werde mich ab Juni im Risk- und Beschwerdemanagement des Luzerner Kantonsspitals engagieren.

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