BILDUNG: Immer mehr Luzerner studieren

Die Zahl der Bachelorabschlüsse steigt von Jahr zu Jahr. Luzern liegt zwar unter dem Schweizer Durchschnitt, hat aber aufgeholt – insbesondere im Zentralschweizer Vergleich.

Roseline Troxler
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Der Bachelorabschluss wird im Kanton Luzern zunehmend beliebter. (Bild Corinne Glanzmann)

Der Bachelorabschluss wird im Kanton Luzern zunehmend beliebter. (Bild Corinne Glanzmann)

Roseline Troxler

24,4 Prozent der Luzerner haben mindestens einen Bachelorabschluss (siehe Kasten). Dies zeigen kürzlich vom Bundesamt für Statistik (BFS) veröffentliche Zahlen aus dem Jahr 2014. Die Abschlussquote bezieht sich auf den Anteil der Hochschulabsolventen im Verhältnis zur Bevölkerung im Alter des Erwerbs dieses Abschlusses. Sie werden berechnet, indem man für jeden einzelnen Altersjahrgang die Zahl der Absolventen durch die entsprechende Bevölkerung dividiert und diese Quoten über alle Altersjahrgänge aufsummiert.

Die Zahl zeigt die Abschlüsse der Luzerner – unabhängig, in welchem Kanton sie diese erworben haben. Mit 24,4 Prozent liegt der Kanton Luzern unter dem Schweizer Schnitt (28,2 Prozent). Karin Pauleweit, Leiterin der Dienststelle Hochschulbildung und Kultur, zeigt sich dennoch zufrieden: «Luzern liegt im Vergleich mit anderen Kantonen im Mittelfeld.»

Zahl hat sich mehr als verdoppelt

Was die Statistik auch ersichtlich macht: Die Anzahl der Hochschulabsolventen hat sich markant erhöht (siehe Grafik). Haben im Jahr 2000 erst 10 Prozent einen Abschluss auf der Stufe Lizenziat oder Diplom gemacht, hat sich die Quote sechs Jahre später bereits verdoppelt. Diese Entwicklung zeigt sich nicht nur in Luzern, sondern schweizweit. Teils ist dies laut Bundesamt für Statistik auf die Einführung des Bachelorabschlusses zurückzuführen. Dadurch hat sich die Studiendauer bis zum ersten Abschluss verkürzt, und die Abschlussquote ist bis 2008 in der Folge stark angestiegen. Auch Pauleweit führt den Anstieg auf den Wechsel vom Lizenziat zum Bologna-System mit Bachelor- und Masterabschluss zurück. Die ersten Universitäten haben im Jahr 2001/02 Bachelorstudiengänge angeboten. Pauleweit sieht aber noch einen zweiten Grund: «Die neu gegründeten Pädagogischen Hochschulen, an denen die Studenten mit einem Bachelor abschliessen, führen ebenfalls zu einem Anstieg.» Der frühere Abschluss, das Lehrerseminar, hat nicht zu dieser Statistik gezählt.

Luzern neu auf Platz zwei

Vergleicht man den Kanton Luzern mit den anderen Zentralschweizer Kantonen, zeigt sich: Luzern hat aufgeholt. 2005 lag der Kanton Luzern mit der Abschlussquote auf dem zweitletzten Platz. Nur in Schwyz befand sich die Quote auf einem noch tieferen Wert. Seither aber haben die Luzerner Boden gutgemacht und die Urner, Nid- und Obwaldner überholt.

Spitzenreiter 2014 war ganz klar der Kanton Zug. Mit 29 Prozent hat knapp ein Drittel der Zuger 2014 einen Hochschulabschluss. Damit befindet sich der Kanton Zug auch schweizweit auf den vorderen Rängen.

Uni überholt

Die Statistik des Bundes macht eine weitere Entwicklung sichtbar: Die Fachhochschulen haben bei Luzernern stark an Bedeutung gewonnen. Die Zahl der Uni-Absolventen war 2000 mehr als doppelt so hoch wie die der Fachhochschulen. 2012 aber haben Letztere die Uni-Absolventen überholt. 2014 haben 5913 Personen an der Hochschule Luzern studiert, 2774 waren es an der Uni Luzern, gefolgt von der Pädagogischen Hochschule mit 1846.

Karin Pauleweit erklärt: «Während die Universitäten eine lange Tradition als Bildungsinstitution haben, mussten sich die Fachhochschulen und die Pädagogischen Hochschulen nach ihrer Gründung zunächst etablieren.» Nach und nach hätten sie Studierwillige von ihren Qualitäten überzeugt und so mehr Studenten angezogen. «Für junge Menschen, die studieren wollen, aber mehr Talent und Neigung für eine praxisorientierte Ausbildung haben, bieten die Fachhochschulen heute eine sehr gute Alternative.» Die Zunahme bei den Fachhochschulen ist auch auf die Pädagogische Hochschule zurückzuführen. «Die Nachfrage nach einer Lehrerausbildung ist in den letzten Jahren erfreulicherweise gross», sagt Pauleweit.

Berufsmatura: Interesse steigt

Ein weiterer Grund für den Boom der Fachhochschulen liegt wohl an der Beliebtheit der Berufsmatura: Die Berufsmaturaquote lag 2014 in Luzern bei 12,4 Prozent. Zum Vergleich: 2008 machten 10,3 Prozent der jungen Erwachsenen eine Berufsmatura. Die Berufsmatura erlaubt das Studium an einer Fachhochschule, nicht aber an einer Universität. Es gibt für Berufsmaturanden aber die Möglichkeit, eine Passerelle zu machen, die dann das Studium an einer universitären Hochschule ermöglicht.

Der Kanton strebt mit einer Kampagne eine Berufsmaturitätsquote von 15 Prozent an. Karin Pauleweit rechnet trotzdem nicht damit, dass sich die Hochschulabschlussquote dadurch merklich erhöht. «Die jungen Leute haben nach der Berufsmaturität auch noch andere Optionen, etwa die höheren Fachschulen.»

Weniger Masterabschlüsse an Uni

Zurück zur Statistik der Hochschulabschlüsse. «Der Anteil an Studierenden, die an der Uni einen Master machen, ist deutlich höher als bei den Fachhochschulstudenten», sagt Karin Pauleweit. «An der Uni machen zirka 80 Prozent den Master, während es an der Fachhochschule rund 20 Prozent sind. Denn der Bachelor an der Fachhochschule ist mit einigen Ausnahmen berufsbefähigend.»

2014 aber haben in Luzern an der Fachhochschule mit 302 Abschlüssen dennoch mehr Studenten einen Master gemacht als an der Uni mit 242. An der Pädagogischen Hochschule waren es 136. Dies führt Pauleweit auf die Dimensionen der Schulen zurück. Die Hochschule Luzern ist die grösste der drei Schulen.

Bachelor und Master statt Lizenziat

Bachelor: Der Bachelor ist der erste Abschluss auf Hochschulstufe. Die Studienzeit beträgt drei Jahre. Nach dem Bachelor kann man die Universität theoretisch verlassen. Nicht in allen Studienrichtungen aber befähigt der Bachelor zur Berufsausübung. Bei den Fachhochschulen hängen deutlich weniger Studenten einen Master an.
Master: Ein Studium dauert in der Regel 11/2 bis 2 Jahre. Voraussetzung ist ein Bachelorstudium.
Lizenziat: Lizenziats- und Diplomstudiengänge wurden durch zweistufige Bachelor- und Masterstudiengänge ersetzt.

Bild: Grafik Neue LZ

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