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BILDUNG: In Emmen gibts schulfrei – wegen Spardruck

An Emmer Schulen wird für Lehrerausfälle bis zu einer Woche keine Stellvertretung mehr gesucht. Damit will die Gemeinde Geld sparen. Bildungsexperten raten von solchen Sparübungen ab.
Yasmin Kunz
Die Schüler wären bereit für den Unterricht – doch dieser findet nicht statt, weil der kranke Lehrer nicht ersetzt wird. (Symbolbild: Keystone/Anthony Anex)

Die Schüler wären bereit für den Unterricht – doch dieser findet nicht statt, weil der kranke Lehrer nicht ersetzt wird. (Symbolbild: Keystone/Anthony Anex)

Yasmin Kunz

yasmin.kunz@luzernerzeitung.ch

Das dürfte gewisse Kinder in Emmen freuen: Ist ihr Lehrer krank, wird keine Stellvertretung mehr organisiert. Grund dafür ist das Emmer Budget, wie es in einem Schreiben an die Eltern heisst: «Der Gemeinde Emmen steht bedeutend weniger Geld für den Einsatz von Stellvertretungen zur Verfügung.» Somit werde man in der Regel auf der Sekundarstufe keine Stellvertretungen mehr einsetzen, wenn es sich um einen Ausfall einer Klassen- oder Fachlehrperson bis zu einer Woche handelt, schreibt die Gemeinde weiter.

Was die betroffenen Schülerinnen und Schüler freuen wird, sorgt sowohl bei Charles Vincent, Leiter der Dienststelle Volksschulbildung des Kantons, als auch beim kantonalen Schulleiterpräsident Pirmin Hodel für ­Unmut. «Grundsätzlich gilt für die Volksschulen, dass kein Unterricht ausfallen darf. Er muss stattfinden, die Schule hat eine Betreuungspflicht im Rahmen des Stundenplans», so Vincent. Konkret: Die Erziehungsberechtigten, meistens die Eltern, haben das Recht, sich auf den Stundenplan verlassen zu können.

Das sieht eigentlich auch Susanne Truttmann, Bildungsvorsteherin der Gemeinde Emmen, so. «Ich bin der Ansicht, dass der Unterricht gemäss Wochenstundentafel stattfinden muss.» Bei der jetzigen finanziell angespannten Situation Emmens sei dies aber nicht lückenlos umsetzbar, so die SP-Gemeinderätin. Sie betont denn auch, dass wegfallende Lektionen des Lehrers nicht zwingend bedeuten, dass auch für die Schüler die Lektionen ausfallen. Die Schüler könnten auch ohne Lehrer einen Auftrag ausführen.

Schulleiterpräsident Pirmin Hodel pflichtet Truttmann grundsätzlich bei. Wenn für einzelne Lektionen, etwa Randstunden, die Schüler von einem anderen Lehrer sporadisch beaufsichtigt werden oder einzelne Lektionen ausfallen, sei das ausnahmsweise machbar. Dies, sofern es sich nicht um mehr als vier Lektionen handle.

Schulleiterpräsident: «Höchst problematisch»

Hodel weist zudem darauf hin, dass auch Schüler Rechte haben – das Recht auf Unterricht zum Beispiel. Den Ausfall eines Lehrers während einer ganzen Woche nicht mit einer Stellvertretung zu besetzen, bezeichnet der Schulleiter von Willisau als «höchst problematisch und unprofessionell». Doch auch das Einspringen anderer Lehrer zur Überbrückung gestaltet sich zunehmend schwieriger, sagt Annamarie Bürkli, Präsidentin des Luzerner Lehrerinnen- und Lehrerverbands. «Viele Lehrpersonen sind nicht mehr ­gewillt, solche unentgeltlichen Sondereinsätze zu leisten.» Das sei das Resultat der kantonalen Sparübungen im Bildungsbereich, so Bürkli. Zudem sei es möglich, dass eine Lehrperson auch mehr als eine Woche im Jahr fehlen könne und «das Kind so mehrere Wochen keinen Unterricht hat». Solche bedenklichen Situationen gebe es durchaus. Trotzdem liesse sich an der Situation in Emmen so schnell nichts ändern, sagt ­Susanne Truttmann. Ihr sei bewusst, dass die Sparmassnahmen den Lernerfolg der Emmer Schülerinnen und Schüler «allenfalls beeinträchtigen können».

Kantonale Dienststelle will Gespräch mit Gemeinde

Für Dienststellenleiter Charles Vincent gilt es auch den Sicherheitsaspekt zu beachten: «Die Lehrpersonen haben während des Unterrichts die Aufsichtspflicht.» Bis dato sind bei ­Vincent keine Beschwerden von Eltern wegen ausfallendem Unterricht eingegangen. Darum hatte er auch keine genaue Kenntnis über die Stellvertretungssituation in Emmen. Für Vincent ist jedoch klar, dass demnächst ein ­Gespräch mit den zuständigen Personen stattfinden muss. Denn: «Die Durchführung des Unterrichts und die daraus entstehenden Kosten sind grundsätzlich gesetzlich vorgegeben und stellen deshalb auch eine ­gebundene Ausgabe dar.»

Wie oft in der Gemeinde Emmen dieses Szenario zutrifft, kann nicht genau definiert werden. «Das ist unterschiedlich und abhängig von der Jahreszeit», sagt Susanne Truttmann. Fest steht indes, dass das Budget für Stellvertretungen in Emmen 2017 auf 400000 Franken gekürzt wurde. Ein Jahr zuvor lag das Budget mit 800000 Franken doppelt so hoch. Für das laufende Jahr ist dieser Posten noch nicht verabschiedet, weil der Voranschlag noch nicht verabschiedet ist. Die geplante Steuererhöhung von 2,05 auf 2,25 Einheiten wurde vom Einwohnerrat am 19. Dezember zurückgewiesen. Damit wollte die Gemeinde rund sechs Millionen Franken mehr einnehmen. Diese fehlen nun und müssen andernorts gespart werden. Emmen befindet sich nun bis mindestens im Juni im budgetlosen Zustand. Der neue Voranschlag muss im Februar vorliegen, denn im März soll der Einwohnerrat darüber befinden.

Eine einwöchige Stellvertretung mit einem 100-Prozent-Pensum wird mit durchschnittlich 2000 Franken budgetiert, wie Charles Vincent sagt. Im Kanton Luzern zahlen die Gemeinden den Lohnausfall des Lehrers und den Stellvertreter.

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