BILDUNG: In Luzern geben wenig Studenten auf

Designstudenten ziehen ihr Studium praktisch immer durch – bei angehenden Architekten hingegen bricht jeder Fünfte vorzeitig ab. Diese Unterschiede sind teils von den Hochschulen bewusst gewollt.

Roseline Troxler
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Die Abbruchquoten der Hochschulen sind je nach Fach unterschiedlich. Im Bild: Start des Herbstsemetsters an der Uni Luzern im September 2014. (Bild: Pius Amrein / Neue LZ)

Die Abbruchquoten der Hochschulen sind je nach Fach unterschiedlich. Im Bild: Start des Herbstsemetsters an der Uni Luzern im September 2014. (Bild: Pius Amrein / Neue LZ)

Die Luzerner Hochschulen sind beliebt. Jedes Jahr beginnen mehr Studenten ihr Studium. Längst nicht alle von ihnen aber schliessen dieses auch ab. Aktuelle Zahlen vom Bundesamt für Statistik zeigen, wie viele Studenten, die 2006 das Studium begonnen haben, bis 2014 weder einen Abschluss besitzen noch weiter am Studieren sind. Bei dieser Gruppe handelt es sich also um Personen, die das Studium abgebrochen haben.

Luzern liegt unter dem Durchschnitt

Zwischen den Hochschulen gibt es beträchtliche Unterschiede (siehe Grafik). Sowohl Studenten, die ihr Studium an der Universität Luzern oder an der Hochschule Luzern (HSLU) begonnen haben, weisen geringere Abbruchquoten auf als der Durchschnitt der Hochschulen. Die Zahlen zeigen jedoch nur, an welcher Universität die Personen das Studium begonnen haben. Es kann sein, dass sie an einer anderen Hochschule oder in einer anderen Fachrichtung abgeschlossen haben. 14,6 Prozent der Studenten, die an der Hochschule Luzern eingetreten sind, brechen ab. Bei der Uni Luzern sind es 9,8 Prozent, wobei der Durchschnitt der Abbrecher bei Schweizer Unis mit 12,5 Prozent allgemein tiefer liegt als bei Fachhochschulen (17,5 Prozent).

Walter Schmid, Leiter Ausbildung der Hochschule Luzern und Direktor der HSLU – Soziale Arbeit, sagt: «Die Hochschule Luzern liegt bei den Fachhochschulen unter dem Schweizer Durchschnitt und bei den universitären Hochschulen im Mittelfeld. So werten wir unsere Rangierung als positiv.» Hohe Abbruchquoten seien ambivalent, es gelte, eine gute Balance zu finden. «Es sollte vermieden werden, dass zu viel Geld und Zeit in ein Studium investiert wird, das dann abgebrochen wird. Gleichzeitig zeigen hohe Abbruchquoten, dass die Anforderungen an die Studierenden hoch sind und ihre Fähigkeiten stetig geprüft werden.»

Geringe Quote wegen Selektion

Unterschiede gibt es auch zwischen den Studienrichtungen. Am meisten Abbrüche gibt es an der HSLU bei den Fachrichtungen Architektur und Wirtschaft. Hier bricht jeder Fünfte ab. Ganz im Gegensatz zu den Designstudenten. Nur 3 Prozent geben hier auf. Mit 6 Prozent liegt die Abbruchquote auch beim Departement Soziale Arbeit tief. Schmid führt dies auf die unterschiedlichen gesetzlichen Zulassungsbedingungen zurück. «Für die Bereiche Gesundheit, Soziale Arbeit, Künste, Design, Psychologie und Linguistik sind neben einem entsprechenden Bildungsausweis auf Sekundarstufe II zusätzliche Zulassungsvoraussetzungen gefordert. Dazu gehören aufwendige und teilweise mehrstufige Aufnahmeverfahren beziehungsweise ein einjähriger Vorkurs.» Dies gilt in Luzern für die Bereiche Soziale Arbeit, Design & Kunst sowie Musik. Die Personen werden vor dem Studium auf ihre Eignung geprüft. In Kunstbereichen wird nur eine bestimmte Anzahl von Studenten aufgenommen und die besten selektioniert.

«Interpretation ist nicht möglich»

9,8 Prozent der Studenten, die ihr Studium an der Uni Luzern begonnen haben, brechen dieses ab. Lukas Portmann, Kommunikationsbeauftragter der Uni Luzern, will zur Höhe dieser Zahl keine Stellung nehmen: «Eine Interpretation ist nicht möglich, weil die Zahl nichts darüber aussagt, wie viele der Studenten, die in Luzern das Studium begonnen haben, an eine andere Universität wechseln oder eine andere Studienrichtung einschlagen.» Diese Aussage verdeutlicht ein Bericht des Bundes (Längsschnittanalysen im Bildungsbereich, Ausgabe 2015): Laut dem Bundesamt für Statistik gibt es bedeutende Unterschiede bei der Vielfältigkeit der Studienverläufe. 19 Prozent der Uni-Absolventen erwarben einen Bachelor an einem anderen Hochschultyp, an einer anderen Hochschule oder in einer anderen Fachbereichsgruppe, als sie bei Studienbeginn gewählt hatten. Bei den Absolventen der Fachhochschulen lag dieser Anteil bei 3,4 Prozent.

Erstes Jahr als Eignungsjahr

Ebenfalls sehr tief ist die Zahl der Studenten, die abbrechen, bei der Pädagogischen Hochschule Luzern, welche die Abbruchquote selber berechnet. Hier haben 2014 rund 5 Prozent das Studium vorzeitig beendet. 50 Studenten wollten dieses auf eigenen Wunsch nicht weiterführen. 11 Personen konnten das Studium aufgrund ungenügender Leistungen nicht fortsetzen. Michael Zutavern, stellvertretender Rektor und Prorektor Ausbildung, sagt: «Das erste Jahr wird als Eignungsjahr durchgeführt, weshalb die Abbruchquote hier höher ist als in den Folgejahren.» Rund 10 Prozent der Studienanfänger geben im ersten Jahr wieder auf. «Damit soll den Studenten, die sich nicht als geeignet erweisen, ein grösserer Zeitverlust erspart bleiben.»

Was heisst Abbruch für Lebenslauf?

Wie wirkt sich ein Studiumsabbruch auf den Lebenslauf aus? Markus Theiler ist Geschäftsführer der Jörg Lienert AG, die auf die Suche und Selektion von Fach- und Führungskräften spezialisiert ist. Laut Theiler gibt es durchaus nachvollziehbare Gründe, ein Studium abzubrechen. «Entscheidend ist, was danach passiert. Wenn man den Weg in die Arbeitswelt findet und dort seine Fähigkeiten unter Beweis stellen kann und sich weiterentwickelt, dann sind das die besten und glaubwürdigsten Argumente», unterstreicht er. Es könne vorkommen, dass man im Laufe des Studiums merke, dass man bessere Leistungen erbringen könne, wenn ein Praxisbezug gegeben sei. «Oder, dass man sich in einer anderen Studienrichtung besser entfalten kann.» Möglich sei auch, dass «man leistungsmässig nicht mithalten kann».

Zum Überbrücken der Zeit nach dem Abbruch sagt Theiler: «Solche Unterbrüche können bereichernd sein, wenn man die Zeit nutzt, seine Fremdsprachenkompetenz erweitert und temporäre Jobs annimmt – auch in Branchen oder Gebieten, die vielleicht nicht zuoberst auf der eigenen Wunschliste stehen.» Ob und wie schnell man nach einem Abbruch eine Stelle finde, hänge auch von der Wirtschaftslage ab. Theiler betont: «Man kann auch ohne abgeschlossenes Studium eine hervorragende Fach- oder Führungsperson sein.» Schwierig werde es, wenn die Fähigkeiten fehlen, die in der Arbeitswelt gefragt seien. «Das gilt jedoch auch, wenn man ein abgeschlossenes Studium vorweisen kann.»

Roseline Troxler

Die Abbruchquoten der Hochschulen. (Bild: Oliver Marx / Neue LZ/ BfS/ PH Luzern)

Die Abbruchquoten der Hochschulen. (Bild: Oliver Marx / Neue LZ/ BfS/ PH Luzern)

«Hohe Abbruchquoten zeigen, dass die Anforderungen hoch sind.» Walter Schmid, Hochschule Luzern (Bild: Pius Amrein / Neue LZ)

«Hohe Abbruchquoten zeigen, dass die Anforderungen hoch sind.» Walter Schmid, Hochschule Luzern (Bild: Pius Amrein / Neue LZ)