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BILDUNG: Jetzt startet eine neue Schul-Ära

Mit dem Schulstart beginnt im Kanton Luzern die Einführung des Lehrplans 21. Das müssen Sie darüber wissen.
Ismail Osman

Ismail Osman

ismail.osman@luzernerzeitung.ch

Mit dem Lehrplan 21 ist erstmals ein Lehrplan für die gesamte Deutschschweiz erarbeitet worden. Frühere Zusammenarbeiten beschränkten sich auf einzelne Regionen (beispielsweise die Zentralschweizer Lehrpläne). Mit dem neuen Schuljahr wird der neue Lehrplan im Kanton Luzern etappenweise eingeführt. Im Folgenden beantworten wir einige der wichtigsten Fragen rund um den Lehrplan 21.

Was ist ein Lehrplan?

Grundsätzlich legt ein Lehrplan die Ziele für den Unterricht aller Stufen der Volksschule fest. Er ist Planungsinstrument für Lehrpersonen, Schulen und Bildungsbehörden. An ihm orientiert sich etwa die Pädagogische Hochschule in Bezug auf ihre Ausbildung von neuen Lehrerinnen und Lehrern. Die Lehrmittelbeschaffung muss ebenfalls auf die Anforderungen des Lehrplans abgestimmt werden.

Weshalb ein neuer Lehrplan?

In der Schweiz gibt es 21 deutsch- und mehrsprachige Kantone. Derzeit bestehen grosse Unterschiede, wie und was in den Volksschulen unterrichtet wird. Die Harmonisierung der obligatorischen Schule ist bereits seit 2001 ein strategischer Schwerpunkt der Konferenz der kantonalen Erziehungsdirektoren. Diese arbeitete denn auch die Interkantonale Vereinbarung über die Harmonisierung der obligatorischen Schule (Harmos-Konkordat) aus. Mit Blick auf das Konkordat wurde 2004 die Idee zu einem einheitlichen Lehrplan geboren.

Was ist der Vorteil eines einheitlichen Lehrplans?

In der Theorie läge der Vorteil für die Schüler etwa darin, dass sie bei einem Wohnortswechsel in einen anderen Kanton mit dem Unterricht fast nahtlos weiterfahren könnten. Schüler einer Stufe wären in der Deutschschweiz so immer auf dem gleichen Bildungsniveau. Tatsache ist aber auch, dass diverse Aspekte, wie etwa die Gestaltung der Stundenpläne und die Notenvergabe, weiterhin in der Hoheit der Kantone liegen. Somit bestehen auch weiterhin Unterschiede zwischen den Kantonen.

Aber Luzern hat doch Nein zum ­Harmos-Konkordat gesagt?

Das Luzerner Stimmvolk hat den Beitritt zum Harmos-Konkordat 2008 abgelehnt. Der Lehrplan 21 ist kein inhaltlicher Bestandteil des Harmos-Konkordats. Die Einführung eines neuen Lehrplans liegt allerdings in der Kompetenz der Kantonsregierungen. Die Luzerner Regierung beschloss dies 2014 (siehe Zeitschiene).

Was bedeutet kompetenzenorientierter Unterricht?

Es ist der Reizbegriff in Zusammenhang mit dem neuen Lehrplan. Grundsätzlich geht es um die pragmatische Feststellung, dass Wissen allein nur bedingt nützlich ist. Schüler sollen über ein Thema nicht nur Bescheid wissen, sondern dieses Wissen im realen Leben auch anwenden können, um Probleme zu lösen. Der Lehrplan 21 unterscheidet denn auch zwischen «fachlichen» und «überfachlichen» Kompetenzen. Unter ers­teren ist das traditionelle Wissen zu ­verstehen, wie etwa Grammatik, Mathematik oder das Benennen von Hauptstädten und Flüssen. Letzteres bezieht sich auf soziale und methodische Kompetenzen wie etwa Konfliktfähigkeit, Eigenständigkeit, aber eben auch das Verständnis, erlernte Informationen zu nutzen.

Über wie viele Kompetenzen muss ein Schüler verfügen?

Der neue Lehrplan umfasst 363 Kompetenzen, unterteilt in 2304 Kompetenzstufen. Die ursprüngliche Fassung beinhaltete sogar 453 Kompetenzen.

Was wäre ein Beispiel für eine solche Kompetenz?

Im Fach «Räume, Zeiten, Gesellschaften» ist eine Kompetenz so beschrieben: «Die Schülerinnen und Schüler können die Schweizer Demokratie erklären und mit anderen Systemen vergleichen.» (Mehr Beispiele siehe Illustration.)

Wertet der Fokus auf Kompetenzen den Wert des Wissens ab?

Das ist einer der grossen Streitpunkte im Zusammenhang mit dem neuen Lehrplan. Für Kritiker bedeutet die Kompetenzorientierung des Lehrplans, dass der Erwerb von klassischem Schulstoff nicht mehr im Zentrum des Unterrichts steht. So werde der Wert des Wissens untergraben. Lehrplan-Befürworter halten dagegen, dass klassisches Wissen nach wie vor von zentraler Bedeutung ist, da es die Basis für Kompetenz sei.

Ist das Notenzeugnis überhaupt noch aussagekräftig?

Der Lehrplan regelt nicht alles. Wie etwa die Stundenpläne aussehen oder die Noten vergeben werden, ist Sache der Kantone. Mit dem Lehrplan 21 erfährt die schulische Beurteilung Anpassungen. Notenzeugnisse werden aber auch weiterhin ausgestellt. Inwiefern dieses aussagekräftig ist, muss sich noch zeigen. Tatsache ist, dass schon heute viele Lehrbetriebe Mühe haben, Zeugnisse zu lesen und zu beurteilen. Entsprechend häufig verlangen Lehrbetriebe von Bewerbern Eignungstests wie den Multi-Check oder führen eigene Prüfungen durch.

Wie wird der Lehrplan genau eingeführt?

Im Kanton Luzern wird der neue Lehrplan ab dem neuen Schuljahr für den Kindergarten und die 1. bis 5. Klasse der Primarschule gelten. Ab 2018/19 wird er je um ein Jahr gestaffelt von der 6. bis zur 9. Klasse eingeführt. Schulleiter, Lehrerinnen und Lehrer werden bereits seit über einem Jahr für den neuen Lehrplan ausgebildet. Der erste Kanton, welcher den Lehrplan 21 einführte, war Basel-Stadt auf das Schuljahr 2015/16 hin.

Weshalb die vielen Initiativen gegen den Lehrplan 21?

Die breite Skepsis gegenüber dem Lehrplan 21 keimte vorwiegend nach Veröffentlichung der ersten Version im Jahr 2014 auf. Diese beinhaltete 90 Kompetenzen mehr als die Endversion. Sie wurde als Regulierungsmonster empfunden, welches den Unterricht bis ins letzte ­Detail ausformuliert.

In der Folge formierte sich in diversen Kantonen Widerstand, welcher sich auch nicht von der abgespeckten Version umstimmen liess. Mittlerweile kam es in den Kantonen Aargau, Appenzell Innerrhoden, Schaffhausen, Solothurn, St. Gallen und Thurgau zu Abstimmungen. Keine der Initiativen fand an der Urne eine Mehrheit.

Wie sieht’s in Luzern aus?

Die Initiative «Bildungsreformen vor das Volk» wurde im Juni 2016 mit 4172 Unterschriften eingereicht. Nötig gewesen wären 4000. Die Initiative will, dass Lehrplanänderungen nicht mehr ausschliesslich durch die Regierung entschieden, sondern dem obligatorischen Referendum unterstellt werden. Dies soll auch rückwirkend auf das Jahr 2014 gelten, was den Lehrplan 21 betreffen würde. Abgestimmt werden soll im Mai 2018.

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