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BILDUNG: Kanton krempelt Handarbeit um

Der Unterricht im Textilen und Technischen Gestalten auf der Primar hat sich mit der Einführung des Lehrplans 21 verändert. Die Förderung der Fingerfertigkeit wird vernachlässigt, konstatieren Lehrer. Der Kanton will nun handeln.
Evelyne Fischer
Werkunterricht in einer dritten Primarschul-Klasse. (Bild: Keystone)

Werkunterricht in einer dritten Primarschul-Klasse. (Bild: Keystone)

Evelyne Fischer

evelyne.fischer@luzernerzeitung.ch

Der Luzerner Lehrerinnen- und Lehrerverband (LLV) schlägt Alarm: «Die erfolgreiche Umsetzung des Lehrplans 21 im Fach Textiles und Technisches Gestalten auf der Primar ist in Gefahr», sagt LLV-Präsidentin Annamarie Bürkli, die auch der entsprechenden Fachkommission vorsteht. Insbesondere aufgrund der vom Kantonsrat geforderten kostenneutralen Umsetzung des Lehrplans 21 (LP 21) verbunden mit der neuen Wochenstundentafel sei es zu «erheblichen Veränderungen» gekommen. Darum ruft Bürkli im Verbandsmagazin dazu auf, die bisherigen Erfahrungen mitzuteilen.

Auf das neue Schuljahr hin wurde in der 5. Klasse im Fach Textiles und Technisches Gestalten (TTG) die Zahl der Lektionen von drei auf zwei reduziert. In der 2. Primar stehen keine zusätzlichen Lektionen für den Halbklassenunterricht mehr zur Verfügung. Das führe zu Problemen, sagt Bürkli: «Dass die Handfertigkeiten der Schüler sehr unterschiedlich ausgeprägt sind, fällt jetzt viel mehr ins Gewicht.» Es sei deutlich schwieriger, allen gerecht zu werden. Hinzu komme: «Auf der zweiten Primarstufe werden die TTG-Lektionen meist von Klassenlehrerinnen ohne Fachqualifikation bestritten.»

Werkzeug fehlt, Werkräume sind zu klein

Dieses Problem könnte sich in Zukunft verschärfen: An Gymnasien wird das Fach Handarbeit gestrichen (Ausgabe vom 17. November 2017). Bürkli befürchtete, dass es dadurch bald «noch weniger Studenten an der Pädagogischen Hochschule gibt, die das nötige Know-how mitbringen, dieses Fach wählen und dann auch unterrichten».

Die bestehende Einschränkung für den Halbklassenunterricht führe auch zu Schwierigkeiten in der Infrastruktur, sagt Bürkli. Weil nun bis zu 22 Kinder miteinander unterrichtet würden, seien nicht immer genügend Werkzeuge und Materialien vorhanden. Auch führe man die Lektionen aus Platzgründen öfters im Klassenzimmer statt im Werkraum oder Handarbeitszimmer durch. Bürkli: «Solche Umstände begünstigen Aufgabenstellungen, die möglichst wenig Aufwand, Lärm und Dreck verursachen.» Vermehrt würden auch disziplinarische Probleme auftreten, die beim Halbklassenunterricht noch zu bewältigen waren: «Eine Lehrperson für eine ganze Klasse im Fach Handarbeit oder Werken ist schlicht zu wenig. Die Schülerinnen und Schüler können zu wenig gefördert und gefordert werden», sagt Bürkli. «Statt das Fach TTG zu stärken, weil dieses mithilft, die Feinmotorik zu entfalten und sich positiv auf die kognitive Entwicklung eines Kindes auswirkt, werden genau hier Lektionen abgebaut.»

Charles Vincent, Leiter der Dienststelle Volksschulbildung, weiss von den Schwierigkeiten – zum einen wurde er direkt von Schulleitungen kontaktiert, zum anderen erhielt er die Rückmeldungen des LLV. Vincent sagt zu Bürklis Aufruf: «Wer nach Rückmeldungen fragt, wird auch solche erhalten.» Die jetzige Handhabung sei von der Regierung Ende 2014 beschlossen worden. «Von einer Überraschung, wie es gewisse Lehrpersonen nun darstellen, kann keine Rede sein.»

Dienststelle handelt – und verschiebt Kompetenzen

Nichtsdestotrotz: Dass das Unterrichten von Handarbeit und Werken für gewisse Klassenlehrer in der 2. Primar herausfordernd sei, nehme man ernst. «Wir geben den Schulleitungen an der Regionalkonferenz im März ein Merkblatt ab», sagt Vincent. So könnten einzelne Fertigkeiten – etwa Knüpfen oder Zwirnen – von der 2. in die 3. Klasse verschoben werden. Weiter werde man sich überlegen, für Klassenlehrer bei Bedarf Kurse anzubieten. «Die meisten Grundkompetenzen am Ende der 2. Klasse sind aber erreichbar», sagt Vincent und pocht auf etwas Geduld. Die Umsetzung des Lehrplans 21 brauche Zeit, auch in Bereichen wie Medien und Informatik. «Bis alles vollständig umgestellt ist, dauert es vier Jahre. Ohne dass die Kinder darunter leiden.» Er betont aber, dass beim TTG für die Erarbeitung einzelner Kompetenzen Fachräume mit genügend Werkzeug nötig seien.

Laut Vincent stellt das TTG nicht «flächendeckend» ein Problem dar. «Bei Fachlehrpersonen, denen Lektionen abhandenkamen, sorgte der Lehrplan 21 für eine Verschlechterung, das ist klar.» Den Abbau der Halbklassen in der 2. Primar hielt das Bildungsdepartement aufgrund der Erfahrungen in den fast 90 Basisstufen für vertretbar. «Auch dort findet der TTG-Unterricht mit der Klassenlehrperson und ohne Gruppentrennung statt.» Überdies sei eine Trennung der Klasse auch ab der 3. Primar erst bei 17 Schülern zwingend und ab 16 Schülern möglich. «Es gibt Nachbarkantone, die in der 2. Primar auch keine Halbklassen kennen.»

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