BILDUNG: Kehrtwende: Uni will Gebühren senken

Die Studiengebühren für ausländische Studenten in Luzern sind höher als an Partner-Unis – Studenten wandern ab. Eine Gebührensenkung soll das ändern.

Yasmin Kunz
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Die Uni Luzern will die Gebühren für ausländische Studenten senken. (Bild: Pius Amrein / Neue LZ)

Die Uni Luzern will die Gebühren für ausländische Studenten senken. (Bild: Pius Amrein / Neue LZ)

Im Studienjahr 2012/13 hat der Regierungsrat entschieden, die Studiengebühren an der Universität Luzern für ausländische Studenten um 300 Franken zu erhöhen – von 810 Franken auf 1110 Franken. Grund: Universitäten erhalten für ausländische Studenten rund 7000 Franken weniger Kantonsbeiträge als für inländische Studenten. Paul Richli, Rektor der Universität Luzern, warnte damals vor einer Gebührenerhöhung: «Bei 300 bis 400 Franken ist die Gefahr gross, dass Studenten einen Bogen um Luzern machen.» Und genau dies ist nun der Fall: Im Masterstudiengang Religion – Wirtschaft – Politik (RWP) sind die Studentenzahlen an der Uni Luzern rückläufig.

Jetzt will die Uni die Gebühren in diesem Studiengang wieder senken, und zwar um 200 Franken. «Damit sind wir gleich hoch im Zuschlag für die sogenannten Bildungsausländer wie die Universität Zürich», erklärt Uni-Rektor Richli. Aktuell zahlt ein ausländischer Student in Luzern 1095 Franken pro Semester. In Zürich belaufen sich die Semestergebühren auf 869 Franken und in Basel auf 850 Franken. 200 Franken weniger pro Halbjahr – bei einem Studium über acht Semester sparen ausländische Studenten immer 1600 Franken. «Wir wollen nicht, dass die Studiengebühr massgebend für den Entscheid der Universität ist», begründet Richli den Antrag des Universitätsrats, der nun beim Regierungsrat auf dem Tisch liegt.

Regierung warnte

SVP und CVP waren es, die mit ihren Motionen im Kantonsrat 2010 die Erhöhung der Semestergebühren für Bildungsausländer lancierte. CVP-Motionär Adrian Bühler sagte damals: «Es ist nichts als richtig, diese Personen in die Mitverantwortung zu nehmen.»

Der Regierungsrat hatte den Mahnfinger erhoben: Wenn international bedeutendere Universitäten als Luzern nicht im gleichen Umfang eine Gebührenerhöhung einführen würden, drohe eine Abwanderung an günstigere Unis. Zudem würden auch ausländische Studenten Einnahmen generieren, so die Regierung in ihrer damaligen Antwort. Trotz dieser Bedenken wurden die Gebühren erhöht, der Kantonsrat hatte die Vorstösse gutgeheissen.

Antonius Liedhegener, Professor und Verantwortlicher für den RWP-Studiengang, sagt zu den Zahlen: «Letzten Herbst haben sich an der Universität Luzern sechs Bildungsausländer immatrikuliert, und heuer waren es noch drei.» Die Differenz möge klein erscheinen, doch bei gesamthaft konstant bleibenden 45 RWB-Studenten in der Schweiz sei sie signifikant, erklärt Liedhegener. Demnach weichen Studenten vermutlich auf die Partneruniversitäten Zürich und Basel, die den Masterstudiengang in RWP ebenfalls anbieten, aus.

Eine Gebührensenkung kann gemäss Schulgeldverordnung auch für einen Studiengang separat vollzogen werden. Im RWB-Fall sollen dank der Kehrtwende wieder ein Drittel der Immatrikulationen an der Uni Luzern erfolgen. Gemäss Richli ist derzeit nur in diesem Studiengang eine Vergünstigung geplant. «Eine allgemeine Senkung des Zuschlags für Bildungsausländer steht nicht zur Diskussion.» Dass die Semestergebühren bloss in einem Fach nach unten korrigiert werden, findet Priska Lorenz, Fraktionschefin SP/Juso, heikel: «Somit besteht die Gefahr, dass Studenten sich für ein billiges Studium entscheiden.»

«Wirft kein gutes Licht auf Uni»

Die SP und die Grünen kritisierten schon 2010 den Erhöhungsvorschlag von CVP und SVP. Kantonsrätin Priska Lorenz sieht sich nun in ihren Befürchtungen bestätigt: «Man sieht, dass es bei den Studiengebühren eine Schmerzgrenze gibt.» Monique Frey, Kantonsrätin Grüne, ist von der Kehrtwende überrascht: «Dass die Gebührenerhöhung von 300 Franken bereits Auswirkungen zeigt, erstaunt mich. Das Hin und Her mit den Gebühren wirft nicht gerade ein gutes Licht auf die Luzerner Universität.» Und nun zeige sich, dass ihre Forderung nach gleichen Gebühren für Schweizer und Ausländer richtig gewesen sei.

Richli: «Einnahmen teilen»

Reto Wyss, Bildungsdirektor des Kantons Luzern, begründet die Gebührensenkung so: «Beim RWP-Masterstudiengang handelt es sich um einen interuniversitären Studiengang, und dabei sollen alle Universitäten, die diesen Studiengang anbieten, ungefähr gleich hohe Gebühren haben.» Tiefere Gebühren sind laut Paul Richli aber nicht die einzige Möglichkeit, um weitere Abwanderungen zu verhindern. Sein Vorschlag: «Für Universitäten, die gemeinsame Studiengänge anbieten, gibt es eine bessere Lösung: Sie sollten sich darauf verpflichten, die Einnahmen durch die Zahl der Partner zu teilen.»