BILDUNG: Kriens sucht Platz für Schüler

50 Prozent mehr Schüler bis 2024: Kriens muss stark investieren. Ein neues Schulhaus ist der Gemeinde aber zu teuer.

Stefan Dähler
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Der Platz wird knapp: In Kriens wird dringend mehr Schulraum benötigt. (Symbolbild) (Bild: Archiv Neue LZ)

Der Platz wird knapp: In Kriens wird dringend mehr Schulraum benötigt. (Symbolbild) (Bild: Archiv Neue LZ)

Stefan Dähler

Heute gibt es in Kriens rund 400 Kindergärtler und 1400 Primarschüler. In den nächsten acht Jahren rechnet der Gemeinderat mit einer Zunahme von rund 50 Prozent auf 600 Kindergärtler und rund 2200 Schulkinder. «Das hat mit der Bautätigkeit in Luzern Süd zu tun. Ausserdem steigen die Geburtenzahlen wieder», sagt Bildungsvorsteherin Judith Luthiger (SP). Diese Entwicklung ist erfreulich, stellt die Gemeinde aber vor grosse Herausforderungen. Sie muss innert kurzer Zeit mehr Schulräume schaffen. In der Kuonimatt und im Schulkreis Roggern/Brunnmatt/Zentrum rechnet der Gemeinderat gar mit einer Verdoppelung der Zahlen. Ein neuer Schulhausstandort – etwa im Schlund – ist für den Gemeinderat derzeit «keine Option», wie Luthiger sagt. «Wir wollen das Wachstum durch den Ausbau der bestehenden Anlagen auffangen.» Das habe auch finanzielle Gründe. «Die Schulareale gehören der Gemeinde. Es ist kein Landkauf nötig.»

Millionenteure Sanierungen

Derzeit werden die Kirchbühl-Schulhäuser für 18,3 Millionen Franken saniert. Zudem entstehen je zwei mobile Kindergarten-Pavillons beim Roggern sowie im Kuonimatt für total 3,8 Millionen Franken. Zu den Kosten künftiger Projekte macht Luthiger noch keine Angaben. Die Investitionsplanung werde der Gemeinderat nächstens beraten. 2017 soll das Schulhaus Brunnmatt ausgebaut werden, der Kredit kommt im September vor den Einwohnerrat. Auch im Meiersmatt sind zwei zusätzliche Kindergartenklassen geplant. ­Meiersmatt und Obernau sollen zudem saniert werden. «Ab 2018 wird es nötig sein, das Kuonimattschulhaus auszubauen.» Die Gemeinde will für die Schulhauserweiterungen auch künftig auf Schulpavillons setzen. So sei beispielsweise möglich, dass eine Einheit auf der Krauerwiese länger stehen bleibt. Dort könnten Schüler während der Sanierung umliegender Anlagen einziehen.

Nur eine Übergangslösung

Doch die Pavillons sollen nur eine Übergangslösung sein. Mittelfristig braucht es auch bauliche Erweiterungen der Schulhäuser. «Das Ziel ist, die mobilen Schulbauten nach einer Übergangszeit durch definitive Bauten zu ersetzen», sagt Luthiger. Wie lange diese Übergangszeit maximal dauert, hänge eng zusammen mit der finanziellen Machbarkeit.

Der Ausbau bestehender Schulanlagen kann allerdings auf Kosten von Pausenplätzen oder Spielwiesen gehen. Das sorgte beispielsweise beim Kuonimatt-Schulhaus für grossen Widerstand (Ausgabe vom 1. Februar). Doch Luthiger sieht darin kein Problem. «Das Beispiel des Dorfschulhauses zeigt, dass auch mit kleinerer Fläche eine gute Qualität erreicht werden kann. Wichtig ist, dass es verschiedene Bewegungsmöglichkeiten für alle Altersgruppen gibt.» Angebote wie eine Boulderwand brauchen wenig Platz und seien dennoch sehr beliebt. «Es müssen auch nicht alle Kinder gleichzeitig Pause haben. Das könnte man auch anders organisieren.» Da der Gemeinderat das Ziel hat, bis 2019 schwarze Zahlen zu schreiben, müsse man bei der Schulraumplanung «Kompromisse eingehen». Neben den modularen Schulbauten prüft man auch die Miete externer Räumlichkeiten. «Diese müssten sich in der Nähe einer bestehenden Anlage befinden, damit das Lehrerteam gut zusammenarbeiten kann», sagt Luthi­ger. Bereits bekannt ist, dass die Sportschule in das neue Stadion Kleinfeld ziehen soll. Dadurch würden zusätzliche Räume im Krauerschulhaus frei.

Eine weitere Möglichkeit sei, die im Mattenhof geplante Pilatus­arena als Turnhalle zu nutzen, sofern die Tarife nicht zu hoch ausfallen. «Dafür werden wir nächstens Verhandlungen mit den Betreibern aufnehmen.»

Zusammenarbeit mit Horw?

Weiter erwägt der Krienser Gemeinderat eine Zusammenarbeit mit Horw. «Ein Gespräch hat bereits stattgefunden», sagt Luthiger. Spruchreif sei noch nichts. «Grundsätzlich wäre für uns eine Zusammenarbeit im Bereich Luzern Süd wünschenswert.»

Horte: Kriens verlangt die höchsten Beiträge

Der Krienser Gemeinderat will den im Sommer auslaufenden Vertrag für die Betreuung der Schülerhorte mit dem Gemeinnützigen Frauenverein bis 2018 verlängern. Dies beantragt er dem Einwohnerrat. Ab Sommer geschlossen wird hingegen der Hort Schülerhuus an der Zunacherstrasse. «Dieser war auf Kinder in Problemsituationen spezialisiert», sagt Gemeindepräsident Cyrill Wiget (Grüne). «Diese werden künftig in die anderen Gruppen integriert.» 

Durch diese Änderung steigen die durchschnittlichen Kosten pro Betreuungsplatz und Jahr um knapp 500 Franken auf rund 13 000 Franken. Das Personal in den anderen Horten wird Unterstützung erhalten. Ähnlich wie bei der integrierten Förderung in der Schule kann ein zusätzlicher Mitarbeiter das Personal bei der Betreuung schwieriger Kinder mithelfen. 

Im Bericht und Antrag vergleicht der Gemeinderat zudem die Hortkosten mit der Gemeinde Horw sowie der Stadt Luzern. Die durchschnittlichen Kosten pro Betreuungsplatz betragen auch in Horw und Luzern rund 13 000 Franken. Dabei fällt auf, dass Kriens den höchsten Beitrag von den Eltern verlangt. Sie beteiligen sich mit 4600 Franken an den Kosten, in Horw sind es 2900, in Luzern 2100 Franken. Grund dafür ist der höhere Mindesttarif in Kriens. Er beträgt 24.80 Franken pro Tag. In Horw sind es 20.80, in Luzern 17 Franken.

Kanton empfiehlt tiefere Beiträge

Der Kanton empfiehlt einen Elternbeitrag in der Höhe von 20 bis 30 Prozent an den Gesamtkosten. In Kriens liegt dieser bei 35 Prozent. Dennoch ist eine Senkung für den Gemeinderat kein Thema, wie dieser im Bericht und Antrag schreibt. Bei einem tieferen Beitrag stelle sich die Frage, ob es nicht gar günstiger sei, die Kinder im Hort betreuen zu lassen statt zu Hause. Schliesslich seien im Betrag das Morgen-, das Mittagessen und auch das Zvieri inbegriffen. 

«Die Beiträge sind immer noch sehr tief», sagt Gemeindepräsident Cyrill Wiget dazu. «Wir zahlen immer noch über 8000 Franken pro Platz. Es wird gute Arbeit geleistet, die Kinder sind gut betreut.» Diese Leistung dürfe auch seinen Preis haben. «Es wäre ausserdem ein falsches Signal, als Gemeinde, die finanziell zu kämpfen hat, die Tarife zu senken.»