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BILDUNG: Luzerner Kantonsschulen: Handarbeit hängt an seidenem Faden

Latein soll es an Gymnasien künftig nur noch ab der 3. Klasse geben, Textiles Gestalten ganz wegfallen: Diese Pläne verfolgt die Luzerner Regierung. Nun schlagen zwei grosse Bildungsinstitutionen Alarm.
Evelyne Fischer
Das Fach Handarbeit (Unterrichtsszene) an der Kanti soll abgeschafft werden. (Bild: Pius Amrein)

Das Fach Handarbeit (Unterrichtsszene) an der Kanti soll abgeschafft werden. (Bild: Pius Amrein)

Evelyne Fischer

evelyne.fischer@luzernerzeitung.ch

Das Ende der diesjährigen Sommerferien markiert den Start des Lehrplans 21 an der Luzerner Volksschule. Ab 2019/20 treten die ersten Schüler nach dem neuen Regelwerk in die Kanti ein. Um den reibungslosen Übergang zu gewährleisten, will die Regierung nun die Wochenstundentafel am Untergymnasium anpassen.

Die grössten Veränderungen: Das Fach Deutsch wird um zwei auf zehn Lektionen aufgestockt. Latein soll es künftig nur noch ab der 3. Klasse als Schwerpunktfach geben. Bislang konnten die Schüler der Langzeitgymnasien in der 2. Klasse entweder die Schiene Latein oder Natur und Technik wählen. Stattdessen will die Regierung nun naturwissenschaftliche Fächer stärken. Ohne Mehrkosten. Daher muss ein Fach geopfert werden: Textiles Gestalten. Die Doppellektion Werkunterricht während eines Semesters soll hingegen erhalten bleiben.

Für den Erhalt des Lateins am Untergymnasium wurde beim Kanton eine Petition mit rund 3700 Unterschriften eingereicht (Ausgabe vom 13. Juli). Die Stellungnahmen aus der Vernehmlassung zur Wochenstundentafel zeigen nun: Auch die Streichung der Handarbeit stösst auf heftige Kritik. An vorderster Front kämpft die kantonale Fachschaft des Textilen Gestaltens. Sie vertritt die acht Lehrer, die Handarbeit in Teilpensen unterrichten. Laut der Fachschaft führt die neue Wochenstundentafel zu einer «stärkeren kopflastigen Einseitigkeit». Handarbeit trainiere «neurologische und kognitive Fähigkeiten», schule das komplexe Verständnis. Weiter gibt die Fachschaft zu bedenken: Schon heute lasse sich «ein signifikanter Rückgang der feinmotorischen Fähigkeiten der Primarschüler» feststellen. Dieser Trend setze sich mit der Digitalisierung fort. Hier brauche es Gegensteuer. Denn gerade Studiengänge wie Medizin oder Ingenieurwissenschaften würden solche Fertigkeiten erfordern.

PH: Regierung «verkennt» Bedeutung des Fachs

Kein Verständnis für die Streichung hat auch die Pädagogische Hochschule (PH). Sie kontert die Argumentation der Regierung, wonach das Fach «keine Anknüpfung» an universitäre Lehrgänge biete. Natur-, Ingenieur-, Material- oder Umweltnaturwissenschaften sowie die Studiengänge der Hochschule Design und Kunst wie auch der PH seien ­beste Beispiele dafür. «Die Regierung verkennt, was Schüler in der modernen Form dieses Fachs alles lernen», sagt Michael Zutavern, stellvertretender Rektor der PH. Beim textilen Gestalten würden «ökonomische und ökologische Fragen behandelt».

In die gleiche Kerbe haut die Hochschule Luzern. Diese biete «einen renommierten Lehrgang» im Textilbereich, sagt René Hüsler, Direktor des Departements Informatik und Leiter Ausbildung. «Streicht man an den Gymnasien das textile Gestalten, erschwert dies den Zugang zu dieser Ausbildung.» Der Plan der Regierung sei «sehr kurzfristig» gedacht. «Die Textilindustrie gehört zum kulturellen Erbe der Schweiz. Kippt man solche Lektionen, schwächt dies den Standort Schweiz und schadet langfristig einer Tradition.

PH sieht Qualität des Unterrichts in Gefahr

Mit dem Abbau des textilen Gestaltens am Gymi werde es laut Zutavern von der PH zudem noch schwieriger, bei angehenden Lehrern die Unterrichtsqualität sicherzustellen: «Wir müssen heute viel Aufwand betreiben, um den Maturanden in der kurzen Zeit die fachlichen Grundlagen und Fertigkeiten zu vermitteln. Es ist zu befürchten, dass uns deswegen dereinst die Lehrerinnen und Lehrer im technischen und textilen Gestalten ausgehen.»

Die neue Wochenstundentafel wird im Spätsommer von der Regierung verabschiedet. Dazu geäussert haben sich mit Ausnahme der Grünen auch die im Kantonsrat vertretenen Parteien. Überraschend sind es nicht die bürgerlich-konservativen Kräfte, die für die Handarbeit kämpfen: Einzig SP und GLP wollen die Streichung verhindern. Einig sind sich die Parteien hingegen ­punkto Latein: Sie unterstützen den Wegfall dieser Lektionen. Ganz anders sieht dies die Universität ­Luzern: Latein und Philosophie ­seien eine «unverzichtbare Grund­lage» dafür, dass die «humanwissenschaftliche Ausrichtung» der Uni in ihrem Bildungsumfeld Rückhalt finde.

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