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BILDUNG: Luzerner Sparpaket: Sekundarschule kommt ungeschoren davon

Die Regierung plante, die Sekundarschulkreise von heute 44 auf rund 30 zu reduzieren. Weil die Gemeinden dagegen Sturm liefen, wird das Projekt nun auf Eis gelegt.
Evelyne Fischer
Schüler im alters- und niveaugemischten Geografie-Unterricht der 1.–3. Oberstufe in Luthern. Bild: Manuela Jans-Koch (10. November 2016)

Schüler im alters- und niveaugemischten Geografie-Unterricht der 1.–3. Oberstufe in Luthern. Bild: Manuela Jans-Koch (10. November 2016)

Die Machtdemonstration der Gemeinden geht weiter: Nachdem der Kantonsrat die Zusammenlegung von Betreibungsämtern verhindert, Mehrausgaben bei der Sozialhilfe abgeblockt und Kostenüberwälzungen bei AHV-Ergänzungsleistungen abgewendet hat, verzichtet die Regierung freiwillig auf eine Massnahme im Bildungsbereich. Sie plante, die Sekundarschulkreise auf das Schuljahr 2017/18 hin von heute 44 auf deren 30 zu reduzieren. Gemäss dem Sparpaket KP 17 hätten die Gemeinden damit im Jahr 2019 rund 300 000 Franken einsparen können, 2020 gar 600 000 Franken.

Bildungs- und Kulturdirektor Reto Wyss (CVP) begründet diesen Rückzieher auf Anfrage unserer Zeitung wie folgt: «Der Regierungsrat ist der Meinung, dass der Prozess der Zusammenlegung von Sekundarschulkreisen mehr Zeit benötigt. Denn diese stellt für eine Gemeinde respektive für eine Schule doch einen bedeutenden Schritt dar.» Dies hätten auch die Rückmeldungen der Gemeinden gezeigt, «die sich teilweise nicht grundsätzlich gegen eine solche neue Lösung ausgesprochen» hätten.

Luthern: «Wir leben seit Jahren mit dieser Drohung»

Im Frühling hatte die Regierung die Gemeinden eingeladen, sich zu den geplanten Zusammenlegungen zu äussern. Ein entsprechendes Schreiben ging unter anderem an Ettiswil, Grosswangen, Buttisholz, Nottwil, Schötz, Nebikon, Wauwil, Pfaffnau, Luthern, Menznau, Wolhusen, Beromünster und Rickenbach. Dass die Übung nach den Herbstferien abgeblasen wurde, zeigt: Der Sturm der Entrüstung dürfte gross gewesen sein. Charles Vincent, Leiter der Dienststelle Volksschulbildung, sagt: «Wie andere Massnahmen, die Gemeinden betrafen, wurde auch diese nicht einfach durchgewinkt. Eine eigene Sekundarschule anzubieten, sehen viele Gemeinden als Standortvorteil. Daher liegt es auf der Hand, dass sie Veränderungen an solchen Angeboten nicht akzeptieren.»

Hart hätte es Luthern getroffen: Die Regierung wollte die Schüler der Talschaft ab Sommer 2017 nach Zell in die Oberstufe schicken. Mit 8, 13 und 16 Schülern in der ersten, der zweiten und der dritten Sek bewegt sich Luthern an der untersten Grenze der Verordnung. Geburtenraten zeigen: Das Minimum von 15 Schülern wird künftig nur knapp erreicht. Schulverwalter Hans Peter (CVP): «Wir leben seit Jahren mit der Drohung, dass der Kanton unsere Oberstufe schliesst. Bislang konnten wir uns aber immer erfolgreich dagegen wehren.» Mit dem altersgemischten, integrierten Sekundarschulmodell habe Luthern für sich eine «massgeschneiderte Lösung» gefunden, die sich auch finanziell auszahle. «Wir haben unsere Hausaufgaben gemacht.»

Massnahme kommt frühstens aufs Schuljahr 2018/19

Gerettet ist die Luthertaler Sek damit aber nicht: «Nach der Budgetdebatte im Dezember wird die Regierung das Thema wieder aufs Tapet bringen», sagt Charles Vincent. Statt aufs Schuljahr 2017/18 hin sollen die Zusammenlegungen aufs darauffolgende geprüft werden. «Dass die Regierung Jahr für Jahr die gleichen Ideen wieder aus der Schub­lade holt, ist für die Planungssicherheit einer Gemeinde sehr schlecht und lässt eine gewisse Ratlosigkeit von Seiten des Kantons erahnen», sagt Gemeinderat Hans Peter aus Luthern.

Dass die Regierung am Geschäft festhält, begründet Wyss so: «Der Auftrag für diese Massnahme kam vom Kantonsrat. Deshalb ist die Bearbeitung auch weiterhin vorgesehen.» Welche Schulen betroffen seien, wird laut Vincent bis im Frühling entschieden. Gemeinden biete sich so Gelegenheit, auch Schulkreisverbünde mit anderen Partnern zu prüfen. Vincent: «In den meisten betroffenen Gemeinden sind Einsparungen möglich, ohne dass ein Angebot verloren geht.» Heute würden vielerorts ungünstige Klassenkonstellationen existieren. «Ein Schulkreis mit zwei Sek-Standorten lässt Klassenzüge optimieren.» Im Schnitt belaufe sich ein Sek-Klassenzug auf brutto 350 000 Franken, davon seien 200 000 Franken variable Kosten. Eine Oberstufenklasse besteht aus maximal 24 Schülern, im Schnitt sind es deren 18.

Buttisholz und Nottwil gehen eigene Wege

Genau die gegenteilige Marschrichtung – weg von der Zusammenarbeit auf der Sek – schlagen die Gemeinden Buttisholz und Nottwil ein. Letztere bildet zwar seit 2006 einen eigenen Oberstufenschulkreis, bietet bis anhin allerdings nur die ersten beiden Sek-Stufen an. Die Abschlussklasse besuchen Nottwiler Schüler in Buttisholz. Dies ändert sich aufs Schuljahr 2017/18 hin: Die Gemeinde hat die Vereinbarung mit Buttisholz gekündigt. Der dortige Schulverwalter war gestern für eine Stellungnahme nicht erreichbar. Wie es in der Botschaft zur Budgetversammlung heisst, dürften aufgrund der «erheblichen Reduktion der Schülerzahl» im Schuljahr 2017/18 «bis zu drei Abteilungen gestrichen» werden.

Zu Nottwils Alleingang sagt Gemeinderätin Edith Schwander (CVP): «Als eigenständiger Schulkreis sind wir verpflichtet, alle drei Jahre anzubieten.» Dies sei auch pädagogisch sinnvoll: «Schüler der 2. Sek befinden sich mitten in der Berufswahl. Sie mussten bisher in einer sehr sensiblen Phase den Schulort wechseln.» Zudem könne man sich so die Transportkosten von durchschnittlich 400 Franken pro Schüler sparen. Um die Abschlussklassen integrieren zu können, brauchte es mehr Schulraum: Ende Februar bejahten die Stimmbürger einen 7,8-Millionen-Kredit für ein dreistöckiges Schulhaus. «Ein Neubau wäre aber auch ohne zusätzliche Zimmer für die Sek nötig geworden», sagt Schwander. «Uns fehlten Zimmer für die wachsenden Klassenzahlen, das zweite Kindergartenjahr und Gruppenräume.»

Gegen die Pläne der Regierung habe man sich gewehrt. «Zwar würden bei einem Zusammenschluss der Sekundarschulkreise die Oberstufen in beiden Gemeinden erhalten bleiben, bei einem Überbestand müsste die Schulleitung aber jeweils zwei, drei Kinder verknurren, die Sek in der Nachbarsgemeinde zu besuchen. Das sehe ich nicht nur positiv.» Daher suche man nun das Gespräch mit Buttisholz, bevor der Kanton «ein Machtwort» spreche. Geplant sei, dass Nottwiler Schüler auch nach 2017 die Hauswirtschaft in Buttisholz besuchen. «Dafür sollen künftig Wahlfächer an beiden Standorten angeboten werden.»

Gemeinderätin Edith Schwander setzt ein Fragezeichen hinter die Zusammenlegungen: «Die Regierung beschneidet mit ihrem Vorgehen die Kompetenzen der Gemeinden, wirbelt viel Staub auf, spart aber nur marginal Geld ein.»

Evelyne Fischer

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