BILDUNG: Manager helfen bei Jobsuche

Gestandene Berufsleute unterstützen Jugendliche bei der Lehrstellensuche. Das Programm ist erfolgreich, der Kanton will ausbauen.

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Mentoren helfen Jugendlichen im Kanton Luzern, eine Lehrstelle zu finden. Im Bild: Madlen Schaer, Coiffeur-Lehrtochter im 1. Lehrjahr. (Symbolbild Keystone/Peter Klaunzer)

Mentoren helfen Jugendlichen im Kanton Luzern, eine Lehrstelle zu finden. Im Bild: Madlen Schaer, Coiffeur-Lehrtochter im 1. Lehrjahr. (Symbolbild Keystone/Peter Klaunzer)

Im Kanton Luzern gibt es mehr angebotene Lehrstellen als Jugendliche, die diese besetzen – dieses Jahr blieben 533 Lehrstellen unbesetzt (Ausgabe vom 11. September). Trotzdem gibt es immer wieder Jugendliche, die Mühe mit der Suche nach einer geeigneten Lehrstelle bekunden. Deswegen hat der Kanton Luzern im Mai dieses Jahres begonnen, mit einem neuen Unterstützungsprogramm solchen Jugendlichen unter die Arme zu greifen. Mit diesem Programm nehmen sich sogenannte Mentoren dieser jungen Männer und Frauen an.

Wenig Unterstützung von Eltern

Christof Spöring, Leiter der Dienststelle Berufs- und Weiterbildung, sagt: «Mit diesem Mentoren-Programm wollen wir Jugendliche der achten und neunten Klassen im Berufswahlprozess begleiten. Wir haben dabei vor allem Jugendliche im Visier, die zu Hause wenig Unterstützung erhalten.» Erfahrungsgemäss sei das oft bei Sek-C-Schülern sowie Schülern mit Migrationshintergrund der Fall. Ziel sei, den Direkteinstieg von der Schule in die Lehre zu fördern. Damit sollen Brückenangebote von denjenigen Schülern genutzt werden, die sich noch klar werden müssen, was sie wollen, führt Spöring aus.

Bei den Mentoren handle es sich um Personen aus der Privatwirtschaft und Verwaltung, wie Spöring erklärt. «Wir haben eine breite Auswahl an kaufmännischen Angestellten, HR-Fachleuten bis hin zu pensionierten Managern und Unternehmensführern, die ihre Zeit zur Verfügung stellen.» Es seien Freiwillige, die ihre Berufserfahrung und ihr dementsprechend grosses Netzwerk anbieten.

Es hapert bei der Kontaktaufnahme

Das Vorgehen funktioniert so: Jugendliche, die Unterstützung auf dem Weg zur Lehrstelle brauchen, können sich beim Luzerner Beratungs- und Informationszentrum für Bildung und Beruf melden. Nach einem Aufnahmegespräch wird der Kontakt zu einem Mentor vermittelt. Dieser trifft sich regelmässig mit dem Jugendlichen und betreut ihn bei der Lehrstellensuche. Er prüft beispielsweise das Bewerbungsdossier, gibt ihm Ratschläge und lässt wenn nötig auch seine Kontakte spielen.

So macht das auch Rudenz Stoll. Der ehemalige Präsident des Hauptvereins des FC Luzern hat seit dem vergangenen Frühling zwei Jugendliche begleitet, bei einem davon konnte er eine Lehrstelle vermitteln. Stoll sagt dazu: «Viele Jugendliche aus dem Balkan haben auch heute noch Mühe, eine Lehrstelle zu finden. Ich möchte diese jungen Leute unterstützen. Denn oft sind sie handwerklich sehr gut, haben aber Mühe, sich auszudrücken», erklärt Stoll. «Und so scheitert es dann bereits bei der Kontaktaufnahme.» Der 72-Jährige erklärt sein Engagement mit dem erworbenen Wissen, das er weitergeben möchte. «Dies nach dem Motto: Frage nicht, was die Gesellschaft dir geben kann, sondern was du ihr geben kannst.»

Rollenspiele und Probeinterviews

Das Programm bietet auch Fachwissen von jungen Personen an. So etwa Sabrina Thoma, die in einem Kompetenzzentrum für modernes Lernen der Schweizer Banken tätig ist. Die 32-Jährige unterstützt seit Mitte September einen Jugendlichen, der den kaufmännischen Weg einschlagen möchte. «Ich mache diese Aufgabe mit sehr viel persönlichem Herzblut», sagt Thoma. Dieser Abschnitt sei ein sehr wichtiger im Leben eines jungen Menschen.

«Wenn ich auch nur etwas Kleines bewirken und etwas Wertvolles zum weiteren Weg des Jugendlichen beitragen kann, ist schon vieles gemacht. Zudem darf ich so dem Kanton auch etwas auf freiwilliger Basis zurückgeben, was mich sehr freut.» Sie führt mit ihrem Schützling Probeinterviews in Form von Rollenspielen und überprüft das Bewerbungsdossier. Den Aufwand beziffert sie auf etwa eine Stunde pro Woche.

Kanton sucht mehr Mentoren

Das Mentoren-Programm startete im Frühling, mittlerweile wurden 18 Jugendliche betreut, sieben davon konnten einen Vertrag abschliessen und absolvieren nun eine Lehre, sagt Christof Spöring von der Dienststelle Berufs- und Weiterbildung. Er erwartet, dass sich die Nachfrage im Verlauf des Herbsts steigern wird. Deswegen suche der Kanton nun noch mehr Mentoren. Momentan stünden 20 solcher Betreuer zur Verfügung, sagt Spöring. «Das Programm ist eine Win-win-Situation. Die Schüler und auch der Kanton profitieren davon. Und auch die Mentoren profitieren vom Austausch mit den Jugendlichen, dem Mentorennetzwerk und der angebotenen Weiterbildung», sagt er.

Ein Budget für das Programm gebe es nicht, da es auf Freiwilligkeit basiere, erklärt Spöring.

Matthias Stadler