BILDUNG: Nachwuchs lernt Mode machen

In Willisau entsteht ab August exklusive Mode. Ein Lehratelier schafft Aus- bildungsplätze und will sich teilweise selbst finanzieren.

Ernesto Piazza
Drucken
Teilen
Rufina Hümmer (links) und Marisa Fischer im Atelier der «LU Couture AG» in Willisau. (Bild Nadia Schärli)

Rufina Hümmer (links) und Marisa Fischer im Atelier der «LU Couture AG» in Willisau. (Bild Nadia Schärli)

Am 5. August geht es definitiv los. Dann startet das Atelier LU Couture AG auf dem Gelände des Berufsbildungszentrums in Willisau mit der Ausbildung von 11 Bekleidungsgestalterinnen und -gestaltern. Ab nächstem Jahr sollen jeweils 10 bis 12 weitere Lernende dazukommen; die Ausbildung zur Bekleidungsgestalterin dauert drei Jahre. Neben der Komponente Ausbildung läuft die mit einem Kapital von 100 000 Franken neu gegründete AG auch auf einer betriebswirtschaftlichen Schiene. Mit dem Verkauf der eigenen Arbeiten will sich das Atelier teilweise selbst finanzieren.

Im Interesse junger Frauen

In den vergangenen Jahren gab es im Kanton für diesen Berufszweig immer weniger Ausbildungsplätze, sagte Regierungsrat Reto Wyss gestern Abend anlässlich der offiziellen Eröffnung des Lehrateliers. «Deshalb standen wir vor der Entscheidung, entweder für die Luzerner Lernenden in einem andern Kanton hohe Kosten zu bezahlen oder selber etwas Neues aufzubauen.» Mit dem Lehratelier in Willisau habe man sich jetzt für den eigenen Weg entschieden.

«Wir wollen dieses Angebot im Inter-esse junger Berufsleute starten», betonte Reto Wyss weiter. Wohl wissend, dass es eine anspruchsvolle Aufgabe sei. Es gelte, die Balance zwischen den Lernenden, der Wirtschaft und dem Staat zu finden. «Diese Herausforderung wird uns künftig noch beschäftigen», so der Bildungsdirektor.

Budget 650 000 bei Vollbetrieb

Das Atelier läuft nämlich unter einem sogenannten PPP-Modell (Public Privat Partnership). Dazu ist auch der Förderverein «zur Förderung der Berufsausbildung im Bereich Bekleidung» gegründet worden. Dieser stellt sich vor allem zur Aufgabe, Geldquellen zu erschliessen. Dies soll einerseits mit Mitglieder-, Firmen- und Privat-Mitgliedschaften geschehen. «Andererseits ist der Verein auf Gönnerbeiträge und Spenden angewiesen», sagt Nationalrätin Ida Glanzmann (CVP), VR-Präsidentin der LU Couture AG.

Ausserdem kann das Lehrlingsatelier auf die Unterstützung des Kantons zählen. Dieser bezahlt im ersten Jahr 230 000 Franken, dann abgestuft bis hin zu maximal 300 000 Franken im dritten Betriebsjahr (2015/16). Reto Wyss betrachtet dieses Angebot als einen Beitrag für die Bildung und die Wirtschaft auf der Landschaft. Zudem habe das Projekt Ausstrahlung bis in die Stadt.

Das Gesamtbudget LU Couture liegt im dritten Jahr – dann sollte das Atelier im Vollbetrieb arbeiten – bei rund 650 000 Franken. Dieser Betrag liegt um einiges tiefer, als der bereits einmal publizierte Wert von über einer Million Franken. «Diese neue Zahl entspricht viel eher der Realität», erklärte Ida Glanzmann. Eine Defizitgarantie gebe es allerdings nicht. Deshalb sei der Förderverein umso mehr gefordert.

90 Prozent aus Kanton Luzern

Als Geschäftsleiterin führt Rufina Hümmer das Atelier. Ihr stehen mit Marisa Fischer und Carol Sidler zwei Atelierleiterinnen zur Seite. Neben den Arbeitsplätzen für die Lernenden beinhaltet die 200 Quadratmeter grosse Fläche auch einen Kundenraum für die Anprobe der Kleider. «Wir haben uns sehr hohe Ziele gesteckt», sagt die Geschäftsleiterin mit Blick auf den bevorstehenden Start. Vor allem, weil neben der Ausbildung von Lernenden auch Aufträge akquiriert werden müssen.

Rufina Hümmer sieht für das Atelier «eine Aufbauphase von drei bis fünf Jahren». LU Couture will vor allem exklusive Einzelstücke für Damen und Herren herstellen. Aber auch die Produktion von Kleinstserien ist geplant.

Bereits haben die Räumlichkeiten von LU Couture eine erste Bewährungsprobe hinter sich. Fanden doch die Lehrabschlussprüfungen der Bekleidungsgestalter des Kantons Luzern in Willisau statt.

Von den ersten 11 Lernenden, welche die Ausbildung Anfang August starten, kommen rund 90 Prozent aus dem Kanton Luzern, wie Rufina Hümmer festhält. Und weiter sagt sie: «Wir wollen qualifizierte Nachwuchskräfte für die Schweizer Wirtschaft fördern und hoffen, mit unseren Qualitätsprodukten möglichst viele zufriedene Kunden anzusprechen.»