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BILDUNG: Neue Pflichten: Lehrer müssen im Sommer büffeln

In wenigen Wochen stehen viele Luzerner Lehrer erstmals vor einer Klasse. Damit sie darauf vorbereitet sind, ist ein Sommerkurs an der Pädagogischen Hochschule neu Pflicht. Dafür greift der Kanton tief in die Tasche.
Roseline Troxler
Luzerner Lehrer und Schüler erhalten ab dem kommenden Schuljahr einen Ferientag mehr. (Bild: Christian Beutler/Keystone (25. September 2014))

Luzerner Lehrer und Schüler erhalten ab dem kommenden Schuljahr einen Ferientag mehr. (Bild: Christian Beutler/Keystone (25. September 2014))

Roseline Troxler

roseline.troxler@luzernerzeitung.ch

Der Schulstart ist für gut 175 Lehrer im Kanton Luzern eine Premiere. Er bedeutet für sie den Berufseinstieg. Damit dieser gelingt, werden die Studienabgänger eng begleitet.

Ab diesem Sommer müssen Berufseinsteiger neu einen einwöchigen Sommerkurs besuchen. Dort erarbeiten sie mit erfahrenen Lehrern die Grob- und Feinplanung des Unterrichts für die ersten Schulwochen. Dieser Sommerkurs wird seit über 30 Jahren durchgeführt. Nun aber ist er für alle neuen Lehrer mit einem Pensum von mehr als 20 Prozent Pflicht.

Pro Person kostet der Kurs 650 Franken

Die Kosten für den Sommerkurs – pro Person 650 Franken – trägt der Kanton Luzern im ersten Berufsjahr, wie es bei der Dienststelle Volksschulbildung auf Anfrage heisst. Mehr als 100'000 Franken wird er dieses Jahr dafür berappen müssen. Der Betrag könnte sich noch erhöhen. Dienststellenleiter Charles Vincent erklärt: «Das Anmeldefenster ist weiterhin offen, da zurzeit noch Stellen besetzt werden.» Wie viele Lehrer im August starten, kann er derzeit noch nicht beantworten: «Die Statistik wird erst Ende August erstellt.»

Die Mehrheit der neuen Lehrpersonen hat erst vor kurzem das Studium an der Pädagogischen Hochschule Luzern abgeschlossen. Bei Primarlehrern dauert dieses drei Jahre, angehende Sekundarlehrer studieren viereinhalb Jahre. Die Frage, ob das Studium die nötigen Fähigkeiten ungenügend vermittle, verneint Charles Vincent: «Das Studium bereitet grundsätzlich gut auf die Arbeit in der Schule vor. Aber diverse Probleme stellen sich konkret erst in der direkten Vorbereitung auf den Unterricht.»

Die Erfahrungen der letzten Jahre hätten gezeigt, dass eine solche Einführung für den Berufsbeginn sehr wichtig sei. Denn die Teilnehmer hätten erst vor kurzem konkret erfahren, auf welcher Stufe und in welcher Klasse sie welche Fächer unterrichten. «Einige Lehrpersonen, welche diesen Kurs in den letzten Jahren nicht absolvierten, hatten grosse Probleme zu Beginn ihrer Tätigkeit», betont Vincent und ergänzt: «Sie meldeten sich bei der Schulberatung oder mussten die Tätigkeit sogar unterbrechen.»

Der Dienststellenleiter unterstreicht, dass sich der Berufsstart beim Lehrberuf von dem in Unternehmen unterscheidet. «Die Berufseinsteiger müssen vom ersten Tag an hundertprozentig produktiv sein.» Dass Teile der Einführung schulübergreifend in den Sommerkursen durchgeführt würden, sei daher «effizient und effektiv».

Auch Annamarie Bürkli, Präsidentin des Luzerner Lehrerinnen- und Lehrerverbands, begrüsst die Möglichkeit, einen solchen Sommerkurs zu besuchen. Der Berufsstart bringe viel Arbeit bei der Planung und der Vorbereitung mit sich. Und gerade auch vor der Elternarbeit hätten die neuen Lehrer Respekt. Hier habe der Sommerkurs eine wichtige Funktion: «Er entspricht einem grossen Bedürfnis und ergänzt die anderen Hilfestellungen für einen guten Berufseinstieg ideal.» Viele Neueinsteiger hätten bisher freiwillig daran teilgenommen, führt Annamarie Bür­kli aus. Sie rechnet aber damit, dass viele neue Lehrer auch mit ihrem Unterrichtsteam vor Ort arbeiten. «Daher sehe ich das Obligatorium nicht zwingend.»

Überforderung und Berufswechsel verhindern

Die Berufseinführung für Luzerner Lehrer dauert zwei Jahre. Nebst dem Sommerkurs gehören dazu auch die Begleitung durch die Schulleitung, durch ein lokales Mentorat, die Mitarbeit in einem Unterrichtsteam, der Besuch von Praxisgruppen sowie das Nutzen von Angeboten der Schulberatung. «Die Schulleitungen entscheiden darüber, wie und in welchen Gefässen die Berufseinsteiger unterstützt werden», sagt Charles Vincent.

Mit den Massnahmen sollen eine Überforderung, Ausfälle oder gar das Ausscheiden aus dem Beruf möglichst vermieden werden, wie es bei der Dienststelle Volksschulbildung weiter heisst. Ein Blick auf die Zahlen zeigt: 83 Prozent der Studien­abgänger sind gemäss Bildungsbericht aus dem Jahr 2014 nach fünf Jahren schweizweit noch im Lehrberuf tätig.

Für Annamarie Bürkli ist eine gute Unterstützung beim Einstieg entscheidend, um die Lehrer im Beruf zu halten. Sie sagt aber auch: «Nach drei bis vier Jahren Berufserfahrung verfügen Lehrpersonen über genügend Erfahrung, um mehr Verantwortung in einem Team übernehmen zu können.» In dieser Zeit würden die Ansprüche an verlässliche Anstellungsbedingungen wie die Lektionen pro Woche oder den Lohn zunehmen.

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