BILDUNG: Neues Schuljahr, alter Spardruck

Regierungsrat Reto Wyss präsentierte gestern die Themen seines Schuljahres: Botschafter sollen für die Berufslehre weibeln, Lehrer im Umgang mit Handy-Spickern geschult und neue Pilotprojekte lanciert werden – trotz Spardruck.

Ismail Osman
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«Eine Erweiterung des Angebots ist nicht vorstellbar.» Reto Wyss, Bildungsdirektor (Bild: Manuela Jans / Neue LZ)

«Eine Erweiterung des Angebots ist nicht vorstellbar.» Reto Wyss, Bildungsdirektor (Bild: Manuela Jans / Neue LZ)

Noch ist es gespenstisch ruhig in den Hallen der Kantonsschule Baldegg. Der Schulbetrieb wird, wie an den meisten Luzerner Schulen, auch hier erst nächste Woche wieder aufgenommen. Dennoch suchte sich Bildungsdirektor Reto Wyss gestern die Kanti als Kulisse für sein jährliches Mediengespräch zum Schulstart aus. Dabei überfliegt Wyss die aus seiner Sicht jeweils wichtigsten Themen aus seinem Departement. Den Schwerpunkt legte er dabei auf die Gymnasien:

GYMNASIUM

Als eines der grossen Projekte im Gymnasialbereich nennt Wyss das Projekt «Pegasus». Dieses sieht eine Aufrüstung der IT-Bereiche vor. Nach einer erfolgreichen Testphase hat das 4,7-Millionen-Franken-Projekt an den kantonalen Schulen begonnen. Betreffend neuer technischer Möglichkeiten sprach Wyss auch die publik gewordene Spickaffäre an der Kantonsschule Sursee an (Ausgabe vom 20. Juni). Dort schummelten mehrere Schüler mit dem Handy. «Es ist eine Tatsache, dass Schüler den Lehrpersonen in solchen Belangen oftmals einen Schritt voraus sind», sagte Wyss. «Wir gehen nach wie vor davon aus, dass es sich um Einzelfälle handelt. Dennoch steht eine Qualitätsverbesserung im Sinne von Weiterbildungen im Fokus.»

In Sachen Mint-Fächern (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik) soll ein neues Pilotprojekt in Angriff genommen werden. Konkret sollen an den Kantis Reussbühl und Willisau ab dem Schuljahr 2016/17 eine zusätzliche Stunde Naturwissenschaften unterrichtet werden. Die Mittel dazu sind im Budget 2016 ausgewiesen und müssen entsprechend noch die Budgetverhandlungen überstehen.

VOLKSSCHULE

Innert der nächsten zwei Jahre soll das Gesetz über die Volksschulbildungüberarbeitet werden. Ein Punkt, der diesbezüglich für Diskussionen sorgen wird, ortet Wyss bei der Frage nach der Zukunft der Schulpflegen beziehungsweise der Bildungskommissionen. Während die Schulpflegen Behördenkompetenz haben, ist dies bei Bildungskommissionen oftmals nicht der Fall, was in der Vergangenheit bei Gemeinden, die von Schulpflegen zu Kommissionen wechseln wollten, zu Reibungen geführt hat. Im Gesetzesentwurf vorgesehen ist eine begriffliche Vereinheitlichung. So gäbe es künftig nur noch Bildungskommissionen – allerdings solche mit und ohne Behördenkompetenz. Weiter beschäftigen wird den Kanton die Frage nach den Fremdsprachen, die auf Primarstufe unterrichtet werden. Eine Initiative, welche die Beschränkung auf eine Fremdsprache fordert, ist noch immer hängig. «Aktuell wird die Frage der Gültigkeit der Initiative geprüft», erklärt Wyss. Die Frist für die Bearbeitung der Initiative läuft noch bis im November.

BERUFSBILDUNG

Aus dem Themenblock Berufsbildung hebt Wyss vor allem zwei Themen hervor. Zum einen sind dies die «Botschafter der Berufsbildung». Laut Wyss sollen ab dem kommenden Jahr Fachleute aus einzelnen Branchen regelmässig direkt in den Schulklassen über die Chancen und Möglichkeiten einer Berufslehre informieren. Dies vor dem Hintergrund, dass der Wirtschaft zunehmend gut ausgebildete Fachleute fehlen.

Wyss sprach aber auch die jüngsten Probleme an den Luzerner Berufsschulen an. Interne Probleme waren in jüngster Vergangenheit wiederholt an die Öffentlichkeit gelangt. Dies liege, laut Wyss, zu einem wesentlichen Teil der schwierigen Finanzlage, in der sich der Kanton befindet. «Die Berufsschulen haben wesentliche Einschnitte in ihre Eigenständigkeit und finanzielle Freiheit in Kauf nehmen müssen», sagt Wyss. «Wenn nun Pensen gekürzt oder Verträge nicht verlängert werden, ohne dass es dafür fachliche Gründe gibt, ist es verständlich, dass solche unbeliebten Entscheide zu Irritationen führen können.» Man habe mit allen Parteien wiederholt das Gespräch gesucht und werde dies fortsetzen.

UNI UND HOCHSCHULEN

Im Hochschulbereich blickt Wyss auf die zwei neuen Studiengänge, die im Herbst 2016 beginnen sollen: Das Informatikdepartement der Hochschule Luzern in Rotkreuz und die Wirtschaftsfakultät der Uni Luzern, deren Finanzierung immer wieder zu reden gibt (Ausgabe vom 1. Juli). Wyss dazu: «Der Volksentscheid für die Wirtschaftsfakultät war deutlich. Dass gewisse Parteien diesen Entscheid immer noch nicht akzeptieren können, erstaunt mich.»

Insgesamt wird das Thema Spardruck auch in diesem Schuljahr allgegenwärtig sein. «Der Kanton ist im Sparmodus. Dennoch entwickelt sich die Bildung weiter», sagt Wyss. Allerdings ist es so, dass vorwiegend bestehende oder bereits abgesegnete Projekte weiterentwickelt werden. Für grundsätzliche Neuerungen fehlt es dann doch an Geld: «Angebotserweiterungen sind derzeit schlicht nicht vorstellbar.»

Ismail Osman