Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben jetzt den Aktivierungslink für Ihr Konto per E-Mail erhalten.

Ihr Konto ist aktiviert. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

BILDUNG: Rektor der Informatikmittelschule Luzern: «Wir waren zu spät am Markt»

Die Informatikmittelschule Luzern ist seit knapp einem halben Jahr in Betrieb. Rektor Helmut Bühler spricht von einem turbulenten Start – und erklärt, warum die Schule gerade für Frauen attraktiv ist.
Alexander von Däniken
Schüler der Informatikmittelschule mit Lehrerin Eniko Parrag. (Bild: Eveline Beerkircher (Luzern, 24. August 2017))

Schüler der Informatikmittelschule mit Lehrerin Eniko Parrag. (Bild: Eveline Beerkircher (Luzern, 24. August 2017))

Interview: Alexander von Däniken

alexander.vondaeniken@ luzernerzeitung.ch

Computer aufstarten und einen Kaffee holen. Dieses Ritual dürfte vielen bekannt sein. Im Fall der Informatikmittelschule (IMS) Luzern war der Computer schneller hochgefahren als die Kaffee­maschine aufgeheizt. Konkret: Am 13. November 2016 drückte der Kantonsrat per politischem Beschluss den Startknopf, im August 2017 begann der Betrieb mit 19 Schülern. Nach vier Jahren ver­fügen die IMS-Absolventen über eine Ausbildung als Informatiker mit Fachrichtung Applikationsentwicklung und die Berufsmatura. Rektor Helmut Bühler zieht ein erstes Fazit.

Helmut Bühler, wie zufrieden sind Sie mit den ersten ­Monaten?

Wir haben vom Startschwung sehr profitiert. Die Umsetzung ist organisatorisch gut gelungen. Aber wir sind noch nicht am Ziel.

Inwiefern?

Durch den Kaltstart und die sehr knappe Zeit zwischen politischem Entscheid und Eröffnung der Schule waren wir zu spät am Markt. Viele Schulabgänger hatten bereits eine Lehrstelle oder sich für eine andere weiter­führende Schule entschieden. Entsprechend haben wir derzeit eine sehr heterogene Klasse – mit Lernenden, welche die hohen Anforderungen problemlos erfüllen, und jenen, denen der Unterricht schwerer fällt.

Wo zeigt sich das?

Beim Fach Französisch zum Beispiel. Einige Lernende hatten in ihrem letzten Sek-Jahr kein Französisch belegt. Dieses Berufs­maturafach ist bei uns aber Voraussetzung, und die Fachhochschulen wünschen das so. Auch die Anforderungen an die Mathematik und die Berufskunde sind bei uns hoch. Die Ausbildung an der IMS ist anspruchsvoll, und das Anspruchsniveau senken wollen wir nicht.

Wie steht es um Dozenten, Lehrmittel und Infrastruktur?

Hier hat alles gepasst. Wir haben unsere Lehrpersonen gezielt für die IMS ausgesucht. Bei den Lehrmitteln ist es bemerkenswert, wie gut sich in einzelnen Fächern der Unterricht mit Notebooks etabliert hat. In Mathematik etwa wird komplett papierlos gearbeitet. Die Infrastruktur passt nicht nur in Luzern, wo der allgemeinbildende Unterricht stattfindet, sondern auch in Sursee, wo die praktische Informatik vermittelt wird.

Vor und beim Start der Schule haben die Praktikumsplätze Sorge bereitet. Schliesslich müssen Firmen einjährige Praktika bereitstellen, sobald die IMS-Schüler ins vierte Schuljahr kommen.

Das ist tatsächlich eine grosse Herausforderung. Doch diese werden wir meistern. Einerseits sind wir am Aufbau eines Netzwerks, andererseits besteht auch seitens der Firmen ein grosses Interesse. So wurden bereits einige Absichtserklärungen gemacht. Für definitive Verträge ist es aber zu früh: Noch befindet sich die erste IMS-Klasse im ersten Jahr.

Zurück zu den Schülern. Für die nächste Klasse haben Sie mehr Zeit. Wie stellen Sie sicher, dass die derzeitigen Sek-Schüler von Ihrer Schule wissen?

Wir arbeiten mit der Berufs­beratung, den Sek-Schulen und dem Verband ICT-Berufsbildung ­Zentralschweiz zusammen. Ich bin sehr zuversichtlich, dass die Schule noch bekannter wird, als sie es jetzt schon ist. Am 1. Februar führen wir einen weiteren Infoanlass über die IMS durch.

Damit wollen Sie wohl nicht nur eine bessere Auswahl erreichen, sondern auch eine höhere Schülerzahl.

Wir wollen nicht ungezielt wachsen, sondern die Wirtschaft mit IT-Fachkräften versorgen und dabei die Lehrbetriebe nicht konkurrenzieren. Gerade für junge Frauen kann die IMS attraktiv sein. Bekanntlich ist der Frauenanteil an Kantonsschulen höher als der Anteil junger Männer. Das ist ein Potenzial auch für die IMS. Diese bietet für leistungsfähige Jugendliche eine berufliche Ausbildung auf schulischem Weg, und das ist attraktiv.

Hinweis

Helmut Bühler (51) leitet seit rund elf Jahren das Fach- und Wirtschaftsmittelschulzentrum Luzern. Dazu gehören die Berufs­maturitätsschule Gesundheit und Soziales, die Fach­mittel­schule, die Gesundheitsmittelschule, die Wirtschaftsmittelschule, die Fachklasse Grafik und seit August 2017 auch die Informatikmittelschule, deren Gründungsrektor Bühler ist.

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.