BILDUNG: Tablets bald für alle Schüler?

Tablet-Computer machen Schulbüchern in gewissen Gemeinden Konkurrenz. Ein Pilotprojekt des Kantons erkundet dort die Zukunft des Lernens.

Ismail Osman
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Wischen statt blättern ist hier bereits Realität: Die beiden Primarschüler Noah Blum und Noemi Marti aus Menznau lernen im Rahmen eines Pilotprojekts mit Hilfe von Tablets. Das Bild entstand im Mai 2015. (Bild Nadia Schärli)

Wischen statt blättern ist hier bereits Realität: Die beiden Primarschüler Noah Blum und Noemi Marti aus Menznau lernen im Rahmen eines Pilotprojekts mit Hilfe von Tablets. Das Bild entstand im Mai 2015. (Bild Nadia Schärli)

Ismail Osman

Tablet-Computer sind in den vergangenen Jahren zunehmend salonfähig geworden. Ein Beispiel, um den Punkt zu illustrieren: Diverse Luzerner Kantonsräte haben mittlerweile während der Session ein Tablet auf ihrem Pult liegen – ob nun, um darauf verfasste Voten vorzulesen oder sich einfach kurz mit Internetsurfen abzulenken.

Tatsache ist auch, dass derzeit rund 600 Luzerner Schülerinnen und Schüler der Primarschule im Unterricht regelmässig zum Tablet greifen. Im Rahmen des Pilotprojekts «Lehren und Lernen – Medienbildung» wird seit 2013 an vier Primarschulen (3. bis 6. Klassenstufe) in Luzern, Dagmersellen, Menznau und Doppleschwand gezielt mit den mobilen Geräten gearbeitet. Das Projekt läuft noch bis im Sommer 2017. Danach könnte eine schrittweise Einführung von Tablets in allen Luzerner Schulen erfolgen.

Lehrmittel werden digital

Das Pilotprojekt sei zwar noch nicht abgeschlossen, die bisherigen Erfahrungen würden aber eine klare Sprache sprechen: «Wer Tablets im Klassenzimmer hat, will diese nicht mehr zurückgeben», sagt Charles Vincent, Leiter der Dienststelle Volksschulbildung. Einer der grossen Vorteile sei die Vereinfachung der Organisation, welche die Geräte mit sich bringen: «Es muss beispielsweise kein Termin gefunden werden, an dem man den Informatikraum reservieren oder Laptops ausleihen kann.» Tablets können stattdessen auch in kurzen Zeitfenstern genutzt werden. «Das machen die Schüler ja sowieso schon», sagt Vincent und erklärt: «Im Bus kann man beispielsweise immer wieder Lernende dabei beobachten, wie sie auf ihrem Smartphone ihren Fremdsprachenwortschatz üben.» Gerade bei Fremdsprachen sei es schon heute so, dass ein Teil der Lehrmittel nicht mehr in Papierform erhältlich ist.

Flächendeckende Einführung?

Ist die Zukunft der Schule also komplett digital? «Ich denke, wir befinden uns in einer Übergangsphase. Komplett ersetzen wird das Tablet die Schulbücher sicher nicht – aber die Tendenz geht in diese Richtung.» Das wirft die Frage auf, ob das Pilotprojekt des Kantons letztlich dazu führen soll, dass Tablets an den Volksschulen flächendeckend eingeführt werden.

«Eine seriöse Prüfung dieser Lösung würde bei Informatikanschaffungen durchaus Sinn machen», sagt Vincent. Er fügt jedoch hinzu: «Dass auf einen Schlag alle mit Tablets ausgerüstet werden, ist jedoch nicht realistisch – die Zeit ist noch nicht reif dafür.» Das hat nicht zuletzt mit den Kosten für Tablets zu tun. Die ersten Geräte, die für das Pilotprojekt angeschafft wurden, kosteten rund 650 Franken pro Stück, die letzten noch gut 400 Franken.

Tatsache sei, das heute jedes Kind jährlich Lehrmittel im Wert von 200 bis 300 Franken benötige. «Wenn sich die Tablet-Preise noch ein Stück gegen unten entwickeln, was anzunehmen ist, dürfte diese Lösung durchaus interessant werden.» Denkbar wäre für Vincent auch, dass sich die Eltern zu einem kleinen Teil an den Anschaffungskosten beteiligen, das Gerät im Gegenzug aber auch privat genutzt werden kann. Dennoch, für eine flächendeckende Einführung müssten jährlich rund 4000 Schüler mit einem Tablet ausgerüstet werden. Für Vincent ist deshalb klar, dass eine grossflächige Einführung von Tablets an den Volksschulen nur mittelfristig realistisch ist.

«Zunächst müssen wir natürlich die Schlussevaluation des Pilotprojekts abwarten», sagt Vincent. «Ich vermute, dass wir danach eine Umsetzungsempfehlung zuhanden der Gemeinden betreffend Geräteausrüstung formulieren werden.» Darin dürfte die Dienststelle Volksschulbildung etwa davon abraten, vorschnell in neue Informatikräume zu investieren und dafür nochmals einen zweiten Blick aufs Tablet zu werfen.