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BILDUNG: Zwei Drittel machen ein Zwischenjahr

Nach der Matura direkt an die Uni? Für die Mehrheit der Luzerner Maturanden ist das keine Option. Lieber machen sie eine Pause, das kann Vorteile haben.
Sarah Weissmann Sarah Weissmann
Hans Hirschi, Rektor Kantonsschule Alpenquai: «Wenn ein Zwischenjahr sinnvoll genutzt wird, kann es durchaus eine Chance sein.» (Bild: PD)

Hans Hirschi, Rektor Kantonsschule Alpenquai: «Wenn ein Zwischenjahr sinnvoll genutzt wird, kann es durchaus eine Chance sein.» (Bild: PD)

Sprachaufenthalte, arbeiten oder einfach Abstand von der Schule gewinnen: Bevor die aktuell 901 Maturanden des Kantons Luzern nach bestandener Prüfung ein Studium antreten, machen die meisten erst einmal ein Zwischenjahr. «Rund 60 Prozent der Mittelschulabsolventinnen und -absolventen studieren nach der Matura nicht gleich weiter», bestätigt Otto Vetter, Leiter des Bereichs Studienberatung bei der kantonalen Dienststelle Bildung und Weiterbildung.

Eine Umfrage unserer Zeitung an der Kantonsschule Alpenquai während einer Maturafeier von vergangener Woche zeigts deutlich: Von einer Klasse mit 23 Schülern gehen nur drei direkt an die Universität. Auch fast alle Maturanden, die wir in unserer Zeitung porträtiert haben, machen ein Zwischenjahr. Yannick Güttinger (19) zum Beispiel absolvierte seine Matura an der Kantonsschule Beromünster. Bevor er ab Januar während sechs Monaten Zivildienst leisten wird, arbeitet er für acht Wochen auf einer Baustelle. «Dann werde ich für drei Monate in die USA gehen», freut er sich. Und die Universität? «Ich werde ab Herbst 2016 in Bern Psychologie studieren.»

Sprachkurse und Reisen

«Wenn ein Zwischenjahr sinnvoll genutzt wird, kann es durchaus eine Chance sein», erklärt Hans Hirschi, Rektor an der Kantonsschule Alpenquai. So könnten neue Erfahrungen gemacht und die Persönlichkeit entwickelt werden.

Ganz genau wollte man es an der Kantonschule Reussbühl wissen und hat die Maturanden nach ihren Gründen für ein Zwischenjahr befragt. Resultat: «Eine grosse Anzahl will die Sprachkenntnisse perfektionieren», sagt Rektor Peter Zosso. In vielen Studiengängen würde das Advanced-Niveau in Englisch vorausgesetzt. «Da Sprachschulen und Aufenthalte teuer sind, arbeiten viele zuerst ein halbes Jahr und gehen dann in einen Sprachaufenthalt.»

Die Maturanden gaben in der Umfrage ausserdem an, dass sie sich im Alter von 18 oder 19 Jahren noch zu jung fühlten, um direkt an die Universität zu gehen. «Eine weitere Gruppe möchte nach 12 Jahren Schule einfach eine praktische Tätigkeit ausüben, bevor 5 oder 6 weitere Jahre Ausbildung folgen. Sie wollen ein halbes Jahr in weit entfernte Teile der Welt reisen, um andere Leben und Kulturen kennenzulernen», sagt Zosso.

Die Schulen selber mischen sich in die Zukunftspläne der Maturanden nicht ein. «Ein Zwischenjahr zu machen, das ist eine persönliche Entscheidung. Die Schüler sind erwachsen», sagt Aldo Magno, Leiter der kantonalen Dienststelle Gymnasialbildung. «Wir empfehlen einfach, die Frage der Studienwahl frühzeitig anzugehen und sich aktiv damit auseinanderzusetzen.»

Praktikum wird verlangt

Völlig neu ist das Phänomen des Zwischenjahrs nicht, sagt Otto Vetter von der Dienststelle Bildung und Weiterbildung. «Der Trend hin zum Zwischenjahr erfolgte bereits vor Jahren.» Er erklärt: «Durch die Verkürzung der Gymnasialzeit von 7 auf 6 Jahre, verlagern viele Schüler den Studienentscheid auf die Zeit nach der Matura.» Zudem würden sich seit dem Jahr 2000 kontinuierlich mehr Maturanden für ein praxisorientiertes Fachhochschulstudium entscheiden. «Zulassungsvoraussetzung ist für Schüler mit einer gymnasialen Maturität in der Regel ein einjähriges Praktikum. Ein Zwischenjahr wird somit zwingend.»

Auch das Militär spielt eine Rolle: Seit 2002 gibt es den «Durchdiener», man kann also den gesamten Militärdienst in 300 Tagen absolvieren. «Wer das Durchdiener-Modell wählt, muss ebenfalls ein Zwischenjahr einschalten», sagt Vetter. Dasselbe gelte für Zivildienstleistende.

Gute Planung ist wichtig

Doch was man während des Zwischenjahrs tatsächlich macht, ist für viele Maturanden nicht einfach zu entscheiden – die Möglichkeiten sind beinahe unbegrenzt. «Die Studienberatung empfiehlt deshalb, das Zwischenjahr bewusst zu planen und die Aktivitäten konkreten Zielen zuzuordnen», sagt Otto Vetter. Es sei zudem sinnvoll, das Zwischenjahr auch für die Studienwahl zu nutzen. So könne man unterschiedliche Ausbildungen und Berufe anschauen, mit Studierenden und Berufsleuten sprechen oder Vorlesungen und Betriebe besuchen.

Nicht zu viel Zeit verlieren

Gut überlegen sollte man sich allerdings eine Zwischenlösung, die länger als ein Jahr dauert, warnt Vetter. «Je weiter die Schule zurückliegt, desto schwieriger kann es sein, sich im Studienbetrieb zurechtzufinden.» Zudem führen etwa Fachhochschulen bereits mehrere Monate vor Studienbeginn Auswahlverfahren durch. «Darauf kann und muss man sich vorbereiten.» Das bedeutet: Nicht nur den Ausbildungsbeginn gut zu planen, sondern auch Anmeldetermine und Auswahlverfahren zu berücksichtigen. «Wer zuerst ‹einfach mal ein Zwischenjahr einlegt und dann weiterschaut›, hängt möglicherweise unfreiwillig ein zweites Jahr an.»

Die ETH Zürich empfiehlt den Maturanden, die universitäre Ausbildung rasch in Angriff zu nehmen. «Grundsätzlich ist es ein Anliegen, dass die Jungen so schnell wie möglich ihre Ausbildung absolvieren, um möglichst jung ins Berufsleben eintreten zu können», sagt Dieter Wüest, Leiter des Rektorats an der ETH. Ganz verteufeln will er das Zwischenjahr nicht. Erhebungen würden zeigen, dass ein Schulunterbruch von einem Jahr den Studienerfolg nicht gross verändert. Wüest sagt: «Solange es bei einem Jahr Unterbruch bleibt, ist dagegen nichts einzuwenden.»

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