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BILDUNG: Zweisprachiger Unterricht ist «on track»

Seit zehn Jahren wird an Luzerner Berufsfachschulen auch bilingual unterrichtet. Das hilft Schülern, ihre Sprachkenntnisse zu verbessern – aber nicht nur.
Martina Odermatt
Schüler der Logistiker-Klasse am Berufsbildungszentrum BBZW beim bilingualen Unterricht. (Bild: Corinne Glanzmann (Emmen, 9. März 2018))

Schüler der Logistiker-Klasse am Berufsbildungszentrum BBZW beim bilingualen Unterricht. (Bild: Corinne Glanzmann (Emmen, 9. März 2018))

Martina Odermatt

martina.odermatt@luzernerzeitung.ch

Höchste Konzentration herrscht im Schulzimmer der Zweitlehrjahr-Logistiker am Berufsbildungszentrum für Wirtschaft, Informatik und Technik in Emmen. Und diese ist auch notwendig, denn auf dem Unterrichtsplan für den Nachmittag stehen mit Versicherungen und Steuern eher trockene Themen –und das auch noch in Englisch.

Doch die Schüler sitzen freiwillig in diesem Unterricht. Anders als andere Lehrlinge besuchen sie nämlich den bilingualen Unterricht. Bei diesem Programm wird mindestens ein Drittel des Allgemeinbildungsunterrichts in Englisch abgehalten. Im Vordergrund steht die Anwendung der Sprache. Statt Grammatik und Vokabular zu büffeln, wird in Englisch gelesen, gesprochen oder geschrieben. Noten gibt es dafür nicht.

Köche machten 2008 den Anfang

Die Möglichkeit zum bilingualen Unterricht haben Luzerner Berufsschüler seit 2013. Damals wurde «Bili», wie er auch genannt wird, auf alle Berufsfachschulen im Kanton ausgeweitet. Den Anfang machten Kochlehrlinge aber bereits 2008, also vor rund zehn Jahren. Am Berufsbildungszentrum Bau und Gewerbe in der Stadt Luzern wurde damit begonnen, den angehenden Köchen die englische Sprache zur Erschliessung von Fachinhalten näher zu bringen.

Mittlerweile nutzen rund 1000 Lehrlinge von 23 verschiedenen Berufen das Angebot des bilingualen Unterrichts – das sind rund zehn Prozent aller Auszubildenden. Dass sich auch Berufsgruppen wie Logistiker, Landmaschinenmechaniker oder Metallbauer für diese Unterrichtsart entscheiden, mag auf den ersten Blick überraschend sein. Auf den zweiten macht es durchaus Sinn. Denn besonders bei Berufs­gruppen, die in der beruflichen Grundbildung keinen Fremdsprachenunterricht haben, ist das bilinguale Angebot beliebt.

«Bili» kann obligatorisch erklärt werden

Um die Sprachkompetenz der Lehrlinge zu fördern, hat der Luzerner Regierungsrat per 1. August 2018 eine Änderung der Verordnung zum Gesetz über die ­Berufs- und Weiterbildung beschlossen. Demnach können Schulleitungen den bilingualen Unterricht an den Luzerner Berufsfachschulen unter bestimmten Bedingungen für Lehrlinge obligatorisch erklären. Das heisst konkret: Sofern die massgebliche Bildungsverordnung des Bundes eine Fremdsprache als Unterrichtssprache empfiehlt und der regionale Berufsverband den bilingualen Unterricht unterstützt, dürfen Schulleitungen den zweisprachigen Unterricht für die Jugendlichen als Pflicht erklären. «Wir wollen, dass die Schulleitungen genau prüfen, in welchen Berufen ‹Bili› sinnvollerweise eingeführt werden kann oder nicht. Schulleitungen werden dies flexibel handhaben», sagt Daniel ­Preckel, Leiter Schulische Bildung beim Kanton Luzern. Seien die Lernenden nicht motiviert oder würden Lernziele in leistungsschwachen Klassen besser mit deutscher Unterrichtssprache erreicht, werde die Schulleitung darauf Rücksicht nehmen. «Die bisherigen Erfahrungen zeigen aber, dass der bilinguale Unterricht bei den Lernenden sehr gut ankommt», sagt Preckel.

Das zeigt auch der Besuch in Emmen. Immer wieder melden sich die Jugendlichen zu Wort. Sie diskutieren frei über Abstimmungsresultate oder reden über Krankenkasse und Unfallversicherung. Auf dem Handy googeln sie kurz Übersetzungen und legen es dann wieder zur Seite. Fällt einem Schüler ein Wort auf Englisch nicht ein, benutzt er das deutsche und spricht dann in Englisch weiter.

«Schüler sind konzentrierter»

Besonders Kompliziertes erklärt die Lehrerin Marianne Horat auf Englisch und anschliessend auf Deutsch, denn den Inhalt der Lektion müssen die Schüler für die Prüfungen verstanden haben. Für Horat ist der englische All­gemeinbildungsunterricht ein Mehraufwand, den sie aber gerne auf sich nimmt. «Englisch macht den Unterricht abwechslungsreicher. Und ich habe das Gefühl, dass die Schüler konzentrierter sind, wenn sie etwas in englischer Sprache lernen. Würden wir Krankenkassen und Unfallversicherungen auf Deutsch behandeln, wären die Schüler weniger konzentriert», sagt sie. Dem stimmen die Schüler zu. «Da wir eh weniger Wörter verstehen, müssen wir uns doppelt konzentrieren, damit wir verstehen, um was es geht», sagt Logistiker-Lehrling David Kijacic. Die Motivation, den zweisprachigen Unterricht zu besuchen, ist bei vielen ähnlich: Sie wollen ihre Englischkenntnisse aus der Schule beibehalten oder gar verbessern. Auch für die Arbeit sei es hilfreich, wenn man etwas Englisch könne. «Manchmal haben wir mit Chauffeuren aus dem Ausland zu tun, die kein Deutsch sprechen. Dann hilft Englisch bei der Verständigung», sagt Kijacic.

Für ambitionierte Schüler besteht die Möglichkeit von Praktika im In- und Ausland. Zuständig dafür ist die kantonale Fachstelle Mobi-Lingua. Das Berufsbildungszentrum für Gesundheit und Soziales in Sursee pflegt zudem eine Schulpartnerschaft in England. Auch zwei Schüler der Logistiker-Klasse dürfen in den Sommerferien nach England und während dreier Wochen Logistiker-Luft im englischen Bournemouth schnuppern. Ausserdem haben «Bili»-Lernende die Möglichkeit, zusätzlich einen Sprachkurs zu besuchen, um am Ende der Lehre den First-Abschluss zu erlangen.

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