Billettsteuer
Die Stadt Luzern bezahlt den Kultur- und Sportveranstaltern ihre Steuern

Normalerweise müssen Kultur und Sport 10 Prozent ihrer Billetteinnahmen an die Stadt abliefern – und erhalten das Geld via Förderpools wieder zurück. Wegen Corona greift die Stadt jetzt in diesen Kreislauf ein.

Robert Knobel
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Die Veranstaltungsbranche liegt seit einem Jahr praktisch am Boden. Das hat für die Stadt Luzern Millionenausfälle bei der Billettsteuer zur Folge. Denn normalerweise müssen die Veranstalter für jedes verkaufte Ticket 10 Prozent des Preises als Steuer an die Stadt abliefern. Der Luzerner Stadtrat rechnet damit, dass 2021 nur 2 Millionen statt der üblichen 5,7 Millionen Franken in die Stadtkasse fliessen werden.

Beim Kleintheater Luzern ist derzeit Sendepause.

Beim Kleintheater Luzern ist derzeit Sendepause.

Bild: Nadia Schärli

Es geht um Ausfälle von 3,7 Millionen Franken

Leidtragende ist aber nicht etwa die Stadt selber, sondern die Veranstalter. Denn die Steuer fliesst via Fördergelder wieder an Kultur und Sport zurück. Genau hier will die Stadt nun ansetzen: Sie will die fehlenden Fördergelder nun aus dem eigenen Sack ersetzen. Das Stadtparlament hat dazu einen Nachtragskredit von 3,7 Millionen Franken bewilligt. Sollte dies nicht ausreichen, könnte später im Jahr ein weiterer Nachtragskredit fällig werden. Umgekehrt ist auch denkbar, dass der jetzt bewilligte Kredit nicht ausgeschöpft werden muss, wenn sich die Billettsteuereinnahmen erfreulicher entwickeln als erwartet.

Billettsteuer in der Kritik

Der Kredit zu Gunsten der Kultur- und Sportbranche war im Stadtparlament unbestritten - zumindest als Sofortmassnahme. Mittelfristig soll das System Billettsteuer aber grundsätzlich unter die Lupe genommen werden. Das fordert eine Motion, die von allen Fraktionen ausser den Grünen unterzeichnet wurde. Das heutige System sei intransparent und es sei zu wenig klar, wer eigentlich wofür Geld erhält, kritisiert etwa Sonja Döbeli (FDP). Auch das Prinzip der Billettsteuer und der zugehörigen Fonds müsse man grundsätzlich überprüfen, denn, so Döbeli: «Die Sonderkassen verleiten dazu, mehr Geld auszugeben, als wenn die Förderung mit normalen Steuergeldern erfolgen würde.»