Billige E-Bikes werden in Luzerner Fachgeschäften kaum repariert

Günstige E-Bikes aus dem Internet sind häufig nur auf den ersten Blick ein Schnäppchen. Fachhändler reparieren die kaputten E-Bikes nämlich selten, wie eine Umfrage zeigt.

Martina Odermatt
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(Bild: Getty)

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Sie gehören mittlerweile so selbstverständlich zum Strassenverkehr wie Auto und Töff: die E-Bikes. Schnell flitzen die motorisierten Velos über die Strassen. Der Nachteil: E-Bikes sind nicht ganz günstig. Eine kurze Online-Recherche bei Fachgeschäften auf der Landschaft zeigt: Wer sich dort ein E-Bike kaufen will, blättert schnell mal 3500 Franken hin. Kein günstiger Spass. Wohl auch deshalb weichen Käufer häufig auf vermeintliche Schnäppchen im Internet aus. Dort finden sich E-Bikes für 1000 Franken oder gar weniger. Die Billig-Bikes aus dem Internet sind jedoch häufig nur auf den ersten Blick ein richtiges Schnäppchen. Denn streikt etwa die Elektronik, kann es schnell teuer werden.

Geht der Akku oder der Motor kaputt, wenden sich die Fahrer an die Fachgeschäfte – und nicht an die Verkäufer aus dem Internet. Viele der hiesigen Geschäfte weigern sich aber immer öfter, die Velos in diesem Fall zu reparieren. «Wenn jemand mit einem E-Bike zu uns kommt, dessen Motor wir nicht im Sortiment führen, müssen wir den Kunden wegschicken», sagt etwa Robert Stadelmann, Inhaber von Stadi Velos und Motos aus Hochdorf.

Auch Markus Bossert, Inhaber der Bossert Zweirad AG aus Willisau sagt: «Hat ein Besitzer eines Billig-E-Bikes mit seinem Fahrzeug ein einfaches, technisches Problem, versuchen wir zu helfen. Liegt das Problem aber an der Elektronik, dann lassen wir die Finger davon.» Noch würden solche Anfragen nur zwei, drei Mal im Monat gestellt. «Doch die Tendenz ist klar steigend.»

Richard Wicki, Inhaber von Velos, Motos Wicki aus Neuenkirch, sieht dies ähnlich wie seine Vorredner, sieht sich aber bereits jetzt mit einer grossen Nachfrage konfrontiert. «Es kommt häufig vor, dass Leute mit einem billigen E-Bike aus dem Internet bei uns ins Geschäft kommen und nach einer Reparatur fragen.»

Händlern sind die Hände gebunden

Laut Urs Schaller, Präsident der Luzerner Sektion des Verbands 2rad Schweiz, sind den Händlern ein Stück weit die Hände gebunden. Anders als die herkömmlichen Fahrräder, fallen die E-Bikes nämlich unter das Maschinenbaugesetz. Führt ein Velomechaniker Arbeiten an einem E-Bike durch und kommt es anschliessend zu Schäden, kann der Mechaniker dafür haftbar gemacht werden. Reparaturen stellen also ein Risiko dar für die Spezialisten. «Wir möchten nicht, dass es im Nachhinein heisst, wir hätten das Velo kaputtgeflickt», sagt Robert Stadelmann.

Mangelware Ersatzteile

Hinzu kommt ein weiteres Problem: Für die Billig-Bikes, die in vielen Fällen in China hergestellt werden, gibt es selten Ersatzteile. Und: «Es ist praktisch unmöglich, bei solchen E-Bikes eine Diagnose zu stellen, wenn sie kaputt sind, da die Elektronik immer wieder anders ist. Falls man den Fehler dann doch finden sollte, gibt es keine Ersatzteile, um das Velo zu flicken», sagt Schaller. Ausserdem würden viele Händler für die Diagnose bei einem fremden E-Bike nicht finanziell entschädigt. Stellen die Mechaniker fest, dass man es nicht reparieren kann, wird der Aufwand der Fachkräfte den Bikern selten in Rechnung gestellt.

Vielfach sei es für Kunden deshalb lukrativer, ein neues E-Bike zu kaufen, statt mühselig nach Ersatzteilen zu suchen, bedauert Schaller. «Nachhaltig ist das nicht»