BINDING WALDPREIS: Entlebucher Waldbesitzer ausgezeichnet

Die Waldpflegegenossenschaft Schwändeliflue in Flühli wird mit dem Waldpreis 2014 der Basler Binding Stiftung ausgezeichnet. Die Genossenschaft habe bewiesen, dass mit Gemeinsinn ein Privatwald auch unter schwierigen Bedingungen bewirtschaftet werde könne.

Drucken
Teilen
Wegarbeiten sind Teil der Waldpflegemassnahmen. Mit vereinten Kräften wird der Steilhang zugänglich gemacht. (Bild: Alfons Teuffer)

Wegarbeiten sind Teil der Waldpflegemassnahmen. Mit vereinten Kräften wird der Steilhang zugänglich gemacht. (Bild: Alfons Teuffer)

Mit dem Waldpreis werden seit 28 Jahren vorbildliche Waldbesitzer für ihre Leistungen ausgezeichnet. Der diesjährige, mit 200'000 Franken dotierte Preis, steht unter dem Motto «Potential Privatwald». Gesucht wurden private Waldeigentümer, die dank einer zweckmässigen Organisation ihre Wälder modern und nachhaltig bewirtschaften.

Fündig wurde die Sophie und Karl Binding Stiftung im Entlebuch im Kanton Luzern im steilen und schwer zugänglichen Wald der Schwändeliflue, wie sie am Dienstag meldete. Die 135 Hektaren Wald, die das Dorf Flühli vor Naturgefahren schützen, gehören 36 privaten Waldbesitzern. 1996 schlossen sie sich zu einer Waldpflegegenossenschaft zusammen.

Bewirtschaftung nur im Kollektiv sinnvoll

Für einzelne Eigentümer sei es kaum möglich, den Wald so sorgfältig zu pflegen, dass er seine Schutzwirkung behalte, dies weil der personelle und finanzielle Aufwand zu gross seien oder das Fachwissen fehle, schreibt die Binding-Stiftung. Gemeinsam könnten die Waldeigentümer der Schwändeliflue aber langfristig effizient und nachhaltig den Wald bewirtschaften.

Martin Thalmann (links) und Patrick Schnider im Waldgebiet oberhalb von Flühli. (Bild: Dominik Wunderli / Neue LZ)
11 Bilder
Vorstandsmitglieder (von links): Herbert Thalmann, Martin Thalmann, Hans Lipp, Peter Studer, Pius Schnider. (Bild: Dominik Wunderli / Neue LZ)
Die Waldpflegegenossenschaft Schwändeliflue aus Flühli darf den höchstdotierten Umweltpreis der Schweiz entgegennehmen. Sie erhält den Binding-Waldpreis und damit 200 000 Franken. Im Bild: Vizepräsident Pius Schnider, Aktuar Martin Thalmann und Genossenschaftsmitarbeiter Patrick Schnider (von links). (Bild: Dominik Wunderli / Neue LZ)
Waldgebiet der Waldpflegegenossenschaft Schwändeliflue. (Bild: Silvio Cort / lawa Kanton Luzern)
Übersicht über das Waldgebiet der Waldpflegegenossenschaft Schwändeliflue. (Bild: Alfons Teuffer)
Waldreservat Rüchiwald. (Bild: Silvio Corti / lawa Kanton Luzern)
Die Waldpflegegenossenschaft Schwändeliflue setzte auf ihren 136 Hektaren über 1100 Jungpflanzen für einen stabilen Wald. (Bild: Alfons Teuffer)
Wegarbeiten sind Teil der Waldpflegemassnahmen. Mit vereinten Kräften wird der Steilhang zugänglich gemacht. (Bild: Alfons Teuffer)
Privatwaldbesitzer zeigen vollen Einsatz beim Bau von Dreibeinböcken für den Schutz der Talschaft. (Bild: Alfons Teuffer)
Der Präsident der Waldpflegegenossenschaft, Peter Studer, leistet harte Arbeit am Steilhang hoch über Flühli. (Bild: Alfons Teuffer)
Die Waldbesitzer pflegen ihren Wald im Kollektiv und parzellenübergreifend. (Bild: Alfons Teuffer)

Martin Thalmann (links) und Patrick Schnider im Waldgebiet oberhalb von Flühli. (Bild: Dominik Wunderli / Neue LZ)

Vor dem Problem der Überforderung stehen gemäss der Binding Stiftung viele Waldbesitzer. 29 Prozent des Schweizer Waldes gehören 246'000 privaten Eigentümern. Besonders hoch ist der Privatwaldanteil im Kanton Luzern, wo 73 Prozent des Waldes in privater Hand sind. Durchschnittlich gehören im Kanton Luzern jedem Waldbesitzer 2,3 Hektaren, oft aufgeteilt auf mehrere Parzellen.

Die kleinen Parzellen sind oft wirtschaftlich bedeutungslos. Der Wald ist überaltert und unternutzt, denn viele Arbeiten können etwa in bergigen Gebieten nur parzellenübergreifend durchgeführt werden. Das Potential des Waldes liege brach, schreibt die Binding Stiftung.

Gemeinsinn im Zentrum

Den Waldbesitzern an der Schwändeliflue attestiert die Binding Stiftung für ihre Zusammenarbeit «grosses Engagement» und einen «offenen Geist». Für die Genossenschaft hätten sie ihre individuellen Rechte über ihre Waldparzellen abgegeben. Aussicht auf einen finanziellen Gewinn hätten sie nicht.

Dank eines gemeinsamen Zieles, eines eigenständigen Denkens, eines langfristigen Handelns und in enger Partnerschaft mit dem Kanton sei es der Genossenschaft gelungen, den Wald nachhaltig und zum Schutz des Dorfes zu bewirtschaften, schreibt die Binding Stiftung.

Geleitet wird die Genossenschaft Schwändeliflue von einem Betriebsförster. Wenn möglich, verrichten die Genossenschafter die anfallenden Arbeiten - etwa Wegbau, Pflanzungen oder Massnahmen gegen Schneerutsche - gemeinsam im Stundenlohn. Die Holzernte erledigt ein Forstunternehmen. Die Genossenschaft benötigt so keinen Werkhof und kann die Infrastrukturkosten tief halten.

Das Beispiel Schwändeliflue zeige, dass Privatwald dank kollektiver Bewirtschaftung und Pflege für die Besitzenden und die Gemeinschaft ein grosses Potential habe, schreibt die Binding Stiftung. Das Erfolgsmodell könne anderen Waldbesitzern als Vorbild dienen.

Luzern fördert Zusammengehen

Auch der Privatwaldkanton Luzern ist sich der Bedeutung der Genossenschaft Schwändeliflue bewusst. Deren Gründung sei ein wegweisender Schritt in der Luzerner Waldwirtschaft gewesen, teilte das zuständige kantonale Departement mit.

Luzern startete 2006 ein Projekt, um private Waldeigentümer zur gemeinsamen Bewirtschaftung zu animieren. Mittlerweile schlossen sich 43 Prozent der Waldbesitzer einer solchen regionalen Organisation an. Diese Waldbesitzer behalten im Gegensatz zu den Genossenschaftern ihr Verfügungsrecht an der Parzelle.