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Luzerner Bauern setzen nur zögerlich auf Bio

In der Schweiz gibt es immer mehr Bio-Betriebe. In Luzern bleibt ihr Anteil aber gering. Trotzdem spürt man bei der Landwirtschaftsschule einen Trend. Das Potenzial: Auch Mastbetriebe könnten auf Bio getrimmt werden.
Urs-Ueli Schorno
Ein Rind schaut aus einem Fenster in einem Freilaufstall. Symbolbild: Peter Schneider/Keystone (12. April 2018).

Ein Rind schaut aus einem Fenster in einem Freilaufstall. Symbolbild: Peter Schneider/Keystone (12. April 2018).

Die biologisch bewirtschaftete landwirtschaftliche Nutzfläche sei heute so gross «wie noch nie» teilte der Verband Bio-Suisse kürzlich mit. Also alles Bio, auch bei uns? Nein, denn Luzern ist kein typischer «Bio-Kanton»: Während in Graubünden rund 60 Prozent aller Landwirte nach den Standards der Bio-Knospe produzieren, im Kanton Obwalden immerhin 30 Prozent und in Nidwalden etwa 17 Prozent, sind es im Kanton Luzern bloss 8,1 Prozent. Das ist trotz eines Wachstums gegenüber dem Vorjahr von 0,4 Prozent einer der geringsten Anteile in der Schweiz. Der landesweite Durchschnitt liegt bei 13,6 Prozent. Diese Zahlen finden sich im aktuellen Bericht von Bio-Suisse, dem Dachverband der Marke, welche die Produzenten vertritt, die nach der Bio-Knospe produzieren (siehe Kasten).

Was bedeutet eigentlich «Bio»?

Was biologische Landwirtschaft nach Standards der Bio Knospe ausmacht, erklärt Flurin Frigg, Lehrer und Berater am Berufsbildungszentrum BBNZ in Schüpfheim: «Der Leitgedanke im Biolandbau ist das Wirtschaften im Einklang mit der Natur. Auf chemisch-synthetische Dünger und Pflanzenschutzmittel wird verzichtet, auf das Tierwohl besonders geachtet.» Natürliche Lebensprozesse würden unterstützt, Nährstoffkreisläufe sollen weitgehend geschlossen werden. «Damit werden Biodiversität und Bodenfruchtbarkeit gefördert.» Die Bio Suisse Richtlinien für die Erzeugung, Verarbeitung und den Handel von Knospe-Produkten sind einer der weltweit strengsten Bio-Standards. «Im Gegensatz zu EU-Bio muss in der Schweiz der gesamte Betrieb biologisch bewirtschaftet werden.» (uus)

In Luzern dominiert auf den Feldern die konventionelle Produktion, gerade bei den vielen Mastbetrieben. Die klassische Begründung: In Bergkantonen wie Obwalden oder Graubünden bietet sich die extensive Bio-Landwirtschaft wegen der gebirgigen Topografie und der Kleinräumigkeit auch eher an. Wo hingegen grössere Flächen beackert und beweidet werden, überwiegt die konventionelle landwirtschaftliche Nutzung. So etwa auch in Bern (11,7 Prozent Bio) und im Aargau (9,2).

Auch ein Mastbetrieb kann Bio sein

Im Kleinen aber tut sich schon etwas: Im vergangenen Jahr meldeten sich in der Region 23 Betriebe neu bei Bio Suisse an. Das sind etwa gleich viele Neuanmeldungen wie im Vorjahr. Von 4327 landwirtschaftlichen Betrieben im Kanton produzierten 2016 deren 351 nach Bio-Standards.

Das Potenzial in Luzern ist aber noch lange nicht ausgeschöpft: Auch wenn es auf den ersten Blick widersprüchlich erscheint, kann auch ein Mastbetrieb auf Bio-Standards umgestellt werden. Flurin Frigg, Lehrer und Berater Biolandbau beim Berufsbildungszentrum Natur und Ernährung BBZN in Schüpfheim erklärt am Beispiel mit Bio-Mastpoulets, wie das geht: «Bio-Mastpoulets haben mehr Platz im Stall – 20 Kilogramm Lebendgewicht pro Quadratmeter. Zudem leben die Tiere in kleineren Herden von maximal 500 Tieren, fressen ausschliesslich Bio-Futter, haben Auslauf auf eine Weide, die Rassen sind robuster und wachsen langsamer.» Möglicher Haken an der Sache: Wegen der Gesetzgebung zur inneren Aufstockung sind Baugenehmigungen an strenge Auflagen gebunden. Einige Bauern können ihre Pläne zur Realisierung von Bio-Masten deshalb nicht wie gewünscht umsetzen.

Das BBZN bietet aber Unterstützung für Landwirte zur Umstellung auf Bio an. «Das Interesse an der Biolandwirtschaft hat in den letzten Jahren stark zugenommen. Vom kleinen Nebenerwerbsbetrieb bis hin zum spezialisierten Schweinezucht- oder Ackerbaubetrieb findet man alles», so Frigg. Das schlage sich in der Ausbildung der Landwirte nieder: «Die Nachfrage nach EFZ Landwirt mit Spezialrichtung Biolandbau hat in den letzten Jahren kontinuierlich zugenommen». Ausgebildet werden am BBZN Landwirte aus den Kantonen Ob- und Nidwalden, Zug, Schwyz und Uri. «Pro Jahr sprechen wir von 15 bis 20 Abschlüssen mit Spezialrichtung Bio» – im vergangenen Jahr wurden am BBZN insgesamt 72 Landwirte diplomiert.

Regional und Bio: Etwas Licht im Label-Dschungel

Obwohl es mit der Bio-Knospe einen Standard gibt, nachdem sich Schweizer Bauern wie Konsumenten richten können, bleibt die Orientierung im Label-Dschungel nicht einfach – denn es gibt noch weitere. Und selbst wer gute Bio-Produkte kauft, kauft nicht zwingend Produkte aus der Region – einem weiteren Kaufargument. Und: «Auch regionale Produkte können konventionell produziert werden», so Frigg. Er empfiehlt, die Plattform www.labelinfo.ch, um sich zu informieren, was die verschiedenen Label beinhalten. Unter dem Link unten sind die wichtigsten Bio-Gütesiegel aufgelistet.

Diese Bio-Label sind ausgezeichnet

Die Bio-Knospe von Bio-Suisse gilt als Massstab für die Kennzeichnung nachhaltiger Produkte. Daneben gibt es aber viele weitere Labels. Die Stiftung Pusch hat mit dem WWF Schweiz, Helvetas und weiteren Partnern die 31 wichtigsten auf dem Schweizer Lebensmittelmarkt vertretenen Label bezüglich Nachhaltigkeit beurteilt und das Rating in einem Ratgeber veröffentlicht, der auch als App erhältlich ist. Der Überblick:

Ausgezeichnet

Delinat (Bio-Weine); Coop Bio-Natura-Beef (Fleisch); Coop Naturaplan; KAG Freiland; Manor Bio Natur Plus; Migros Bio-Weide-Beef (Fleisch); Bio Knospe von Bio Suisse.

Sehr empfehlenswert

Bio-Suisse fidelio (Fleisch); Demeter; Max Havelaar Fairtrade; Naturland (Pflanzen); Claro Fair Trade; Migros Bio; Lidl Biotrend

Empfehlenswert

MSC (Fisch); ASC (Fisch); Coop Natura-Beef; Bioland; UTZ better Farming; Coop Naturafarm; Rainforest Alliance (Tropenprodukte); Aldi Nature Suisse; Migros Terrasuisse, Agri Natura (Fleisch).

Bedingt empfehlenswert

Friend of the sea (Fisch); Natur aktiv; Spar Natur pur; Agriculture biologique

Die wichtigsten Regionallabel

Wer zusätzlich auch auf regionale Produkte wert legt, der sollte zusätzlich zum Bio-Label die folgenden Etiketten beachten: Die bekanntesten Bezeichnungen sind die der Grossverteilern: «Aus der Region – für die Region» heisst es bei der Migros, bei Coop «Miini Region». Etwas weniger bekannt, aber nach den Informationen von www.labelinfo.ch eines der am besten dokumentierten Gütesiegel ist das Label «lokal» von Manor. Ähnlich gut schneidet dort «regio.garantie» ab. Darunter fallen viele Kleinlabels wie «urschwyz» oder «Echt Entlebuch», die unter dem Titel «Das Beste der Region» vermarktet werden. Die Standards von regio.garantie gelten zudem auch für das Label Schweizer Pärke, das Produkte aus Pärken nationaler Bedeutung – etwa der Biosphäre Entlebuch – bezeichnet. Die Liste ist nicht abschliessend. (uus)

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