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Bio oder nicht bio – das ist hier die Frage

Lena Berger
Das Restaurant gab an bio-Fleisch zu verkaufen, das gar keines war. (Bild: Archiv)

Das Restaurant gab an bio-Fleisch zu verkaufen, das gar keines war. (Bild: Archiv)

Der Fuss der Frau im Wartezimmer des Bezirksgerichts wippt auf und ab. Sie ist elegant gekleidet, im dunkelblauen Blazer und in dezenten Pumps. Abwechselnd schaut sie mal auf ihr Handy, mal zur Uhr. Nur weg hier will sie. Die Sache hinter sich bringen. Mit Worten könnte sie das nicht besser ausdrücken.

Als sich die Tür zum Gerichtssaal öffnet, zischt sie ihrem Anwalt zu, sie hoffe, dass die Sache nicht lange dauere. Sie habe zu tun. Und ja, hoffentlich werde die Lebensmittelkontrolle ihr nach diesem Tag nicht noch mehr auf die Pelle rücken. Der Anwalt nickt. Wohl, um sie zu beruhigen.

Zuzuschreiben hat sich die Frau die unerwünschte Aufmerksamkeit der Behörden selbst. Sie ist die Wirtin eines Gasthofs in einer abgeschiedenen Luzerner Landgemeinde. Ein Ort, wo sich Fuchs und Hase gute Nacht sagen. Von der Abgelegenheit allerdings liessen sich die Verbraucherschützer nicht abschrecken. Unangemeldet kamen sie 2014 vorbei – und wurden prompt fündig.

Auf lokale Produkte und hausgemachte Eigenkreationen spezialisiert, pries das Restaurant auf seiner Speisekarte sein Bio-Fleisch an. Aussergewöhnliche geschmackliche Erlebnisse wurden versprochen, grösste Sorgfalt bei der Zubereitung, frische regionale Zutaten. Während den Gästen schon beim Lesen das Wasser im Munde zusammenlief, konnten sie allerdings nicht ahnen, dass eigentlich konventionell produziertes Fleisch auf ihren Tellern landete.

Ein Schelm ist, wer Böses denkt und dahinter ein lukratives Geschäftsmodell vermutet. Klar ist: Die Tierliebe und die Aussicht auf besonders saftiges Fleisch lockert so manches Portemonnaie. Wurde da den Besuchern eine handfeste Lüge aufgetischt?

Die Frage, ob es ein Versehen war oder die Beizerin böswillig handelte, kommt in der Verhandlung nicht zur Sprache. Die Kontrolleure jedenfalls verlangten, dass entweder die biologische Produktion nachgewiesen oder aber umgehend die Speisekarte überarbeitet wird.

Die Beschuldigte entschied sich für Letzteres und liess den Hinweis auf die tierfreundliche Haltung von der Menükarte verschwinden. Umstritten ist, ob sie auch der Aufforderung nachkam, den Behörden eine Stellungnahme zu dem Vorfall zukommen zu lassen. Die Staatsanwaltschaft behauptet, sie habe eine solche dieser trotz mehrfacher Mahnung nicht geschickt – und verlangt daher 300 Franken Busse sowie 250 Franken für Gebühren. Der Verteidiger dagegen verlangt einen Freispruch, schliesslich habe seine Mandantin der Lebensmittelkontrolle einen Bericht des Fleischlieferanten geschickt. Das reiche als Stellungnahme ja wohl aus.

Fleischskandale haben in den letzten Jahren immer wieder Schlagzeilen gemacht. Letztes Jahr kam ans Licht, dass ein Metzger im Toggenburg sein Wildfleisch mit Schaffleisch gestreckt haben soll. In Deutschland sorgte zuvor der berüchtigte Pferdefleischskandal für Empörung. Besonders dramatisch waren die Sülzeunruhen von 1919. Der Industrielle Jacob Heil hatte damals aus verdorbenen Fleischabfällen Sülze hergestellt und diese an die hungernde Bevölkerung verkauft. Das Resultat waren 80 Todesopfer.

So dramatisch ist der vorliegende Fall glücklicherweise nicht. An der Frische des Fleisches wird nicht gezweifelt. Das Vergehen wurde von den Behörden als leicht eingestuft. Es wurde noch nicht mal Strafanzeige eingereicht. Der Fall landete nur deshalb vor Gericht, weil die Stellungnahme ausgeblieben sein soll. Und doch zeigt das Beispiel, dass Etikettenschwindel durchaus verführerisch ist.

Und so liess es sich der Richter nicht nehmen, sich am Schluss mit einer kleinen Bemerkung an die Beschuldigte zu wenden. «Minima non curat praetor», sagte er. Um Geringfügigkeiten kümmert sich das Gesetz nicht. «In diesem Fall trifft das aber nicht zu.» Was das für das Urteil heisst, ist noch offen.

Lena Berger

Hinweis

Schon erschienene Beiträge dieser Serie finden Sie unter www.luzernerzeitung.ch/gericht

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