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Bischof Felix Gmür: «Heute zeigen wir Missbrauch an – selbst wenn es das Opfer nicht will»

Der Bischof von Basel, Felix Gmür, sprach vor dem Parlament der katholischen Landeskirche des Kantons Luzern über die Bekämpfung des sexuellen Missbrauchs in der Kirche. Heute werde ohne Einverständnis der Geschädigten jeder Fall angezeigt – zumindest in der Schweiz.
Alexander von Däniken
Sprach im Luzerner Kantonsratssaal über sexuellen Missbrauch in der Kirche: Felix Gmür, Bischof des Bistums Basel. (Bild: Roberto Conciatori, 15. Mai 2019)

Sprach im Luzerner Kantonsratssaal über sexuellen Missbrauch in der Kirche: Felix Gmür, Bischof des Bistums Basel. (Bild: Roberto Conciatori, 15. Mai 2019)

Hoher Besuch am Mittwoch in Luzern: Felix Gmür, Vorsteher des Bistums Basel, sprach an der Frühjahrssession des Kirchenparlaments der römisch-katholischen Landeskirche Luzern. Letztmals war dies vor sieben Jahren der Fall. Das Thema dieses Mal: Missbrauch und Schutz von Minderjährigen. Beim Referat und bei der anschliessenden Fragerunde wurde deutlich, dass die Schweiz hier ganz andere Voraussetzungen mitbringt, als andere Länder.

Gmür blickte auf einen Missbrauchs-Kongress von 190 Vorsitzenden von Bischofskonferenzen aus der ganzen Welt zurück, der im Februar in Rom stattgefunden hatte. «Es gibt Länder, da ist es ein Tabu, über Sexualität zu sprechen – und ein noch viel grösseres, über Missbrauch in der Kirche zu sprechen.» Neben diesen gesellschaftlichen Differenzen gebe es auch rechtsstaatliche. Wie verhält es sich beim sexuellen Missbrauch von Minderjährigen, wenn im Iran mit 12 geheiratet werden darf? «Man kann nicht alles über einen Leisten schlagen», bilanzierte Gmür.

Auch Orden sind in der Pflicht

Der weltweit gemeinsame Nenner müsse aber sein: Sagen, was passiert ist, das Opfer entschädigen und für Konsequenzen beim Täter sorgen. In der Schweiz gibt es seit kurzem eine Anzeigepflicht für Fälle, die nicht nur in den Pfarreien und Bistümern passieren, sondern auch in den Ordensgemeinschaften. «Das ist weltweit wohl einmalig», erklärte der Bischof. Zudem werde Anzeige erstattet, «auch wenn es das Opfer nicht will». Das Verhindern weiterer Missbrauchsfälle werde damit höher gewichtet als der Schutz des ersten Opfers.

Er betonte auch, dass er von allen amtierenden Personen, die im kirchlichen Dienst stehen, bis im September Strafregisterauszüge verlangt. Diese werden vom Bistum an den jeweiligen Arbeitgeber – Kirchgemeinde, allenfalls Spitäler – geschickt. Gmür wurde nicht müde zu betonen, dass in der Schweiz alles Mögliche gemacht werde, um Minderjährige zu schützen. Dazu zähle auch der Appell an die Kirchenmitarbeiter, sich der Verantwortung immer bewusst zu sein.

«Wenn eine 16-jährige sich in den Religionslehrer verliebt und ihn umarmen will, liegt es an ihm, die Grenzen aufzuzeigen.»

Das Personal werde dabei nicht allein gelassen, die Bistümer verfügten über Experten, welche die Information koordinieren – aber auch bei Fällen beraten, die «im Graubereich» liegen, wie es Felix Gmür formulierte. Damit meinte er das Dilemma zwischen rechtsstaatlicher Pflicht, ein mutmassliches Offizialdelikt zur Anzeige zu bringen, und geistlicher Pflicht, wenn ein mutmasslicher Täter im Rahmen einer Beichte ein Geständnis ablegt.

Gmür äusserte sich nicht zum Thema Missbrauch, sondern auch zum Zölibat («Von mir aus kann es fallen») und zur Zulassung von Frauen für die Priesterweihe («Das dauert noch länger»). Auch zur Personalsituation in der Schweiz bekannte der Bischof Farbe: Es brauche vom Personal mehr örtliche Flexibilität, aber auch mehr Leute. Priester aus anderen Kontinenten seien willkommen, «das darf aber nicht Überhand nehmen».

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