Bischof Felix Gmür sucht den Dialog

Bischof Felix Gmür vom Bistum Basel hat allen 159 Seelsorgern, welche die Pfarrei-Initiative unterschrieben haben, einen Brief geschrieben. Darin sucht er das Gespräch.

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Bischof Felix Gmür sucht den Dialog mit den Initianten der Pfarrei-Initiative. (Bild: Jakob Ineichen / Neue LZ)

Bischof Felix Gmür sucht den Dialog mit den Initianten der Pfarrei-Initiative. (Bild: Jakob Ineichen / Neue LZ)

Bischof Felix Gmür gibt den Initianten der Pfarrei-Initiative Recht, dass in gewissen Bereichen «beträchtliche Probleme» bestehen und «sich Seelsorgende öfters in schwierigen Situationen bewähren müssen». Er lehnt aber «eine solch undifferenzierte Postulierung von sogenannten Selbstverständlichkeiten» ab, wie er im Brief an die 159 Unterzeichner schreibt.

Dialog im Frühling 2013

Gmür fordert die Unterzeichner auf, bis Ende Januar auf vier konkrete Fragen Antworten zu liefern und lädt sie und weitere interessierte Priester, Diakone, Laientheologen und Katecheten an fünf thematischen Halbtagen in den Monaten März und April zur «inhaltlichen Auseinandersetzung mit Themen der Initiative und der Antwortbriefe» nach Solothurn ein.

Gmür will mit seinem Vorgehen keine falschen Erwartungen wecken, aber sein Wahlspruch («Begreift, was der Wille des Herrn ist») fordert auch die Bereitschaft zu Auseinandersetzung und Dialog, heisst es weiter. Er sei überzeugt, dass das Vertrauen schaffe.

Die Pfarrei-Initiative wurde am 10. November von Seelsorgern aus dem Kanton Luzern lanciert und fordert Reformen. Sie macht darauf aufmerksam, dass die Realität im Kirchenalltag längst nicht mehr dem entspricht, was die Kirchenleitung vorschreibt. Sie fordert unter anderem die Zulassung von Frauen zur Priesterweihe und die Aufhebung des Pflichtzölibats.

rem

Diese vier Fragen stellt Bischof Felix Gmür:

1. Die Mitarbeitenden haben sich bei der Weihe/Institutio bzw. der Entgegennahme der Missio canonica verpflichtet, ihren Dienst gemäss Lehre und Disziplin der Kirche zu erfüllen. Die Pfarrei-Initiative widerspricht in Vielem dieser Lehre und Disziplin. Es interessiert den Bischof, was die Mitarbeitenden veranlasst hat, die Initiative trotzdem zu unterzeichnen.

2. Mit der Unterzeichnung des Initiativtextes stimmen die Mitarbeitenden der Einleitung zu. Darin heisst es: „Wir Seelsorgende wollen deutlich aussprechen, was heute bewährte Praxis ist, damit erkannt werden kann, wo Ausnahmen und Ungehorsam zur Regel geworden sind. (…) Wir wollen mit unserer Praxis weiterfahren und darum beten, dass die Erneuerung der Kirche weitergeht.“ So wie Bischof Felix den Initiativtext versteht, zählen demnach für seine Mitarbeitenden weder der „sensus fidelium“ des Volkes Gottes noch die Stimme der Bischöfe. Die Mitarbeitenden machen sich selber zum Massstab ihres Handelns im Namen der Kirche. Der Bischof versteht nicht, warum die Unterzeichnenden im Dienst der Kirche und mit seiner Beauftragung arbeiten, wenn sie doch selber bestimmen, welches pastorale Handeln in der Orientierung an Jesus Christus das einzig richtige ist. Der Bischof will wissen, was seine Mitarbeitenden mit der Unterzeichnung ihm sagen wollen.

3. Die Mitarbeitenden wissen, dass im Bistum Basel in einigen Jahren überall Pastoralräume errichtet sein werden. Deren Pastoralkonzepte sind wegweisend für die Seelsorge im Pastoralraum und seinen Pfarreien. Die Punkte 9 und 10 der Initiative sprechen sich für einen anderen Weg aus. Der Bischof will wissen, wie die Unterzeichnenden sich ihre Tätigkeit in einem Pastoralraum vorstellen?

4. In der Schlussfolgerung der zehn Punkte der Initiative wird die Forderung der Zulassung von Frauen und Männern zu Weihen unterzeichnet. In den „Selbstverständlichkeiten“ geht es weitgehend um die Spendung von Sakramenten. Eigentlich, so scheint es Bischof Felix, sagen die Unterzeichnenden, dass alle für die Erfüllung ihres Auftrages in der Seelsorge die Priesterweihe empfangen müssten. Bischof Felix frägt nach, welche sinnvollen Einsatzmöglichkeiten in der Pfarrei- bzw. Spezialseelsorge für verschiedene pastorale Berufe, die sich gegenseitig ergänzen, gesehen werden.